Wer mag, kann die gestrige Sendung aus der Reihe „Hart, aber fair“ (Thema: Fleisch ist mir Wurst!) in der Mediathek noch sieben Tage nach-sehen. Länger erhalten bleibt der Mitschnitt vielleicht (?) beim Web-TV des WDR. (Ich danke Susanne Kunjappu-Jellinek, die mich im Kommentar auf die Sendung hingewiesen hat!)

Es war ein teils recht emotionaler Rundum-Schlababtausch quer durch die allseits bekannten Argumente. Es diskutierten

  • Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und Schinken-Hersteller,
  • Karl-Heinz Funke, ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister, Landwirt in Niedersachsen („Die Bestimmung eines Schweins ist das Kotelett.“)
  • Manfred Breuckmann, Fußball-Reporter, bekennender Genussmensch (lässt sich die Bratwurst im Stadion nicht mies machen).
  • Sarah Wiener, Köchin, Mitgründerin der „Sarah-Wiener-Stiftung – Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“; Setzt sich für artgerechte Tierhaltung und Respekt von Lebensmitteln ein.
  • Mark Benecke, Kriminalbiologe und Vegetarier („Tiere haben Gefühle, doch wir verarbeiten diese Geschöpfe jeden Tag zu Leichenscheiben.“)
  • Barbara Rütting, Veganerin, Tierschützerin und Autorin ( „Fleischesser wie Karl-Heinz Funke sind in der Entwicklung stehengeblieben.“

Ich staunte, dass die Fleisch-Produzenten und Vermarkter noch immer im Brustton ungebrochener Überzeugung verbreiten, dass der Mensch Fleisch zum Leben brauche. Dies sei unverzichtbar für unser hoch entwickeltes Gehirn etc. usw. Dass das nicht stimmt, ist doch lange schon durch die Praxis unzähliger gesunder Vegetarier erwiesen und mittlerweile auch wissenschaftlich belegt. Vegetarier leben gesünder und selbst Veganer leiden keinen Mangel, wenn sie auf eine vollwertige Ernährung achten und Vitamin B12 als Nahrungsergänzung einnehmen.

Noch absurder als das Beschwören der Mangelerscheinungen ist aber die speziell von Herrn Funke vorgebrachte Theorie, ohne Fleisch und immer mehr Fleisch werde man „den Hunger der Welt nicht stillen“ können. Denn schließlich müssen erstmal jede Menge Pflanzen verfüttert werden, bevor ein Tier schlachtreif ist – und wo diese Pflanzen wachsen, hat jedenfalls der Hunger der jeweils einheimischen Bevölkerung das Nachsehen.

Wenn schon Fleisch, dann…

Mir hat die Sendung einmal mehr gezeigt, dass das ganz große Potenzial für eine Veränderung, die die Haltungsbedingungen für die Tiere verbessert, bei der übergroßen Mehrheit der Fleischesser liegt. Die Argumente von Sarah Wiener, die sich für konsequent artgerechte Tierhaltung und entsprechend richtig teures Bio-Fleisch einsetzt, kann vermutlich viele ansprechen, die nicht bereit sind, ganz auf Fleisch zu verzichten. Wenn alle nur noch einmal pro Woche oder seltener Fleisch konsumierten, hätte das ja doch einen Rieseneffekt.

Schön aber auch, dass der Trend eben DOCH dahin geht, dass man sich für seinen Fleischkonsum hier und da rechtfertigen muss. Auch der bekennende Manfred Breuckmann hat es versucht, obwohl er keine Lust dazu hat. Wenn ihm auch nicht viel mehr eingefallen ist als das bekannte

„Weil’s ja so lecker ist“.

Update: ein paar Rezensionen anderswo

  • Vollvegan „Peinliche Veganer, hysterische Fleischesser, unterirdisches Niveau – der Stammtisch lässt grüßen. „
  • Kölner Stadtanzeiger: „Fleischesser treffen Gemüsefreaks“
  • Tisi goes vegan „Ich hätte mir das besser mal nicht antun sollen, sowas regt mich nur unnötig auf. „
  • WDR Faktencheck: „Die Thesen der Fleischfresserfaktion können dem Faktencheck nicht standhalten“
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Über Claudia Klinger

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9 Kommentare zu Hart aber fair: Haben Fleisch-Esser keine Moral?

  1. Amatō sagt:

    Gerade „Herr“ Funke macht mich rasend.
    Irgendein Schriftsteller(Name fällt mir gerade nicht ein) wenn er auf seinen Dackel wütend wurde, sagte er immer „Du , du…Mensch!!“ .
    So geht es mir bei Funke.
    Schweine sind so nette Tiere, die ich schon als Kind sehr mochte(nein, nicht auf dem Teller). Will kein nettes Tier beleidigen, in dem ich diesen Menschen Funke dementsprechend bennene. ;-)
    Gestern kam bei Anne Will wieder unterirdischer Talk wegen Dioxin und Eier, Tierhaltung, usw.Wer war wieder dabei? Funke. Bin die Wände hochgekrochen ;-).
    Der Punkt bei diesen Talkshows ist, die Lebensmittellobby fürchtet, dass ihre Einnahmen einbrechen werden, wenn die Menshen die Wahrheit erfahren. Deswegen diese Lobbyarbeit in jeder solcher Sendung zu diesem Thema.
    Achte mal drauf in der Zukunft, wer immer wieder dabei ist und warum die Menschen mit Gegen-Fleischkonsum-Argumenten immer in der Unterzahl sind.(ich bin nicht paranoid, nein… ;-))

  2. Earthling sagt:

    Oh je, Moral und und das unterstützen der Massentierhaltung durch Fleischkonsum:

    Südkorea begräbt eine Million Schweine bei lebendigem Leib
    http://www.nexus-magazin.de/index/suedkorea-begraebt-eine-million-schweine-bei-lebendigem-leib

    LG

  3. Claudia sagt:

    @Earthling:

    wirklich entsetzlich! Hier die Seite mit der Adresse der südkoreanischen Botschaft in Berlin:

    http://www.konsulate.de/info/info_suedkoreanische_botschaft_berlin_deutschland.php

    Da ist auch eine E-Mail dabei. Nicht, dass es groß helfen würde, aber sie sollen schon wissen, dass es uns nicht EGAL ist – und dass evtl. südkoreanische Produkte nicht mehr so positiv gesehen werden…

  4. Art hur sagt:

    Der Dackel war ein Pudel und hieß „Mensch“, der Schriftsteller ein Philosoph und hieß „Arthur Schopenhauer“.

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