Als Neuling im vegetarisch-veganen Kosmos entdeckt man schnell das breite Angebot der Soja-Produkte, die als „Fleischersatz“ (Tofu etc.) und als Alternative zu Milchprodukten angeboten werden. Sojamilch, Sojasahne, Soja-Yoghurt – ich staunte, was es da alles gibt und wie leicht und ohne fühlbare Defizite man doch an vielen Stellen auf tierische Produkte verzichten kann. Und: Soja kann die Eiweißversorgung tatsächlich gewährleisten, denn schon eine halbe Tasse Sojabohnen liefert etwa so viel Eiweiß wie ein 150-Gramm-Steak.

ABER: Ist das denn auch „ökologisch korrekt“? Lesen wir nicht immer wieder mit einigem Entsetzen, dass zugunsten des Soja-Anbaus wertvolle Regenwälder abgeholzt werden?

Faszination-regenwald.de schreibt dazu:

Die Nachfrage nach Soja steigt. Bis ins Jahr 2000 steigerte Brasilien den Export von Sojabohnen um mehr als das Dreifache! In den letzten 10 Jahren hat die Regierung die Anbaufläche für Soja um mehr als 10 Prozent erhöht. Allein Brasilien hat die Produktion von Sojabohnen im Jahr 2004 auf 51 Millionen Tonnen gesteigert. Um dieses Ziel zu erreichen mussten die Anbauflächen von ehemals 13,5 Millionen Hektar auf 39 Millionen Hektar verdreifacht werden.

Kommen wir also vom Regen in die Traufe, wenn wir aus Abscheu vor der Massentierhaltung auf Soja-Produkte umsteigen, nur um dann an DIESER Umwelt-Sauerei Mittäter zu werden?

Auf die Herkunft achten

Wie es auf der Regenwald-Seite weiter heißt, sind Deutschland und Frankreich die größten Abnehmer. Vom deutschen Futtermittelverbrauch decke Soja rund 30 Prozent ab, also mehr als 4,2 Millionen Tonnen jährlich. Dann aber folgt Tröstliches: „Die deutschen Sojaimporte sind fast vollständig für den Futtermittelbereich bestimmt.“

Zum Glück sind viele Hersteller lange schon für die Problematik sensibilisiert. So informiert z.B. ALPRO über seine Bezugsquellen so:

„Auch beim Anbau des wichtigsten Rohstoffs – den Sojabohnen – übernimmt Alpro Verantwortung gegenüber der Natur und vor allem dem wichtigen Ökosystem Regenwald. Unsere Sojabohnen kommen hauptsächlich aus Kanada und Frankreich. Für unsere Bio – Produkte beziehen wir eigens biologisch angebautes Soja auch aus China und Brasilien. Keiner der landwirtschaftlichen Betriebe, von denen wir Sojabohnen beziehen, befindet sich aber auf gerodetem Regenwaldgebiet. Alpro kauft seine Sojabohnen nur von Sojafarmen, die im Süden Brasiliens angesiedelt sind, hunderte Kilometer entfernt vom nördlich gelegenen Amazonas Regenwaldgebiet. „

Taifun-Tofu verwendet gar Soja aus regionalem Bio-Anbau vom Oberrhein, muss aber ebenfalls auf ein (kontolliertes) Anbauprojekt in Brasilien zurück greifen, weil die Menge für die Nachfrage einfach nicht reicht.

Zur Gesamtsituation im Soja-Anbau siehe auch das Paper „Fakten zur Sojaproduktion“ des WWF. Was mit der gesamten Weltproduktion passiert, schreibt Wikipedia:

„In der Anbausaison 2008/09 wurden 91% der Sojaernte in Ölmühlen gepresst. Produkte der Pressung sind zu etwa 80% Sojamehl und zu 20% Sojaöl.[17] Das Öl wird in erster Linie im Lebensmittelbereich als Salat- und Kochöl, sowie Brat- und Backfett benutzt.[18] Das Mehl wird vor allem als Futterzusatz (Ergänzungsfutter) für Geflügel (ca. 46%) eingesetzt. Auch Rinder (ca. 20%) und Schweine (ca. 25%) werden mit Sojamehl gefüttert. Zu einem geringen Anteil (ca. 3%) wird es auch in der menschlichen Ernährung als proteinreiches Lebensmittel verwendet, zum Beispiel in der vegetarischen oder ostasiatischen Küche.“

Ethisch-ökologisches Fazit

Wenn nur 3% des Gesamtsojas für die vegetarische Ernährung eingesetzt werden, sind wir Veggies zumindest nicht die ersten, die sich im Verbrauch einschränken sollten. Durch den Verzicht auf Fleisch sparen wir ja schon eine Menge Soja als Futtermittel ein – oder sehe ich das falsch?

Dennoch: Soja wächst hierzulande nicht in ausreichenden Mengen, wogegen Weizen (und Hafer) als traditionelle europäische Getreidearten regional zur Verfügung stehen. Wo es mir also locker möglich ist, werde ich mehr Weizeneiweiß statt Sojaeiweiß verwenden (z.B. Sejtan statt Tofu), ansonsten aber auf die Herkunft achten.

Dass man nicht immer und überall durchweg alles richtig machen kann, ist mir aber auch klar. Daher gestehe ich mir hin und wieder eine „Sünde“ zu – und dieses Blog heißt deshalb „unverbissen vegetarisch“.

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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9 Kommentare zu Soja statt Tiere essen?

  1. ryuu sagt:

    Weil ich die Diskussion um das Soja vor kurzem auch erst hatte, vielleicht noch ein Detail: Um eine Fleischkalorie zu produzieren, werden (je nach Tierart) 7-14 Kalorien aus pflanzlichem Futter benötigt. Wenn wir das Soja selber essen, sind wir also auf der sparsameren Seite.

    Ach ja, es ist ja auch nicht so, daß man als Veggi notwendigerweise soviel Soja ißt wie der unreflektierte „ich brauch jeden Tag meine Wurst zum Frühstück und mein Steak zum Mittagessen“-Fleischesser. Bei mir (OK, ovo-lacto-pescetarisch, wobei ich mit Fisch auch sparsam bin) gibt es ca. alle 2 Wochen mal ein Stück Tofu.

  2. Claudia Klinger sagt:

    @ryuu: danke dir für deinen Kommentar! Tofu nutze ich auch nur begrenzt, doch hab ich mit Staunen entdeckt, wieviel Milchprodukte sich doch mit Soja-Varianten ersetzen lassen! Sahne, Joghurt – da merkt man teilweise gar keinen Unterschied mehr! Und mein Milchkonsum war per Milchkaffe schon erheblich, den ersetze ich jetzt zunehmend mit Soja-Drinks.

  3. Eva sagt:

    Hallo,

    ich habe die Tage das erste mal Seitan probiert, das schmeckt mir persönlich viiel besser, als Tofo. Sojamilch schmeckt mir auch nicht in den großen Mengen, da möchte ich die Tage mal die Alternativen checken! Das macht meiner Meinung nach sowieso am meisten Sinn, für eine ausgewogene Ernährung!

    Liebe Grüße

    Ach ja, ich muss wirklich nochmal ein Lob da lassen! Deine Seite ist für mich zum Pflichtprogramm geworden! =)

  4. tordis sagt:

    kommt jetzt vielleicht ein bisschen spät…
    soja ist vielleicht DAS futtermittel schlechthin. wenn brasilien jetzt so enorm soja exportiert, liegt das nicht an der einen tonne, die für tofu und sojamilch verwendet werden, sondern an den tausenden tonnen, die in den schweinemastfarmen in mitteleuropa landen. (österreich zum beispiel importiert fast 100% der futtermittel)
    dieser mengenvergleich ist nicht rhetorisch sondern bildet in etwa die realität ab.

    dass man sich kritisch mit der herkunft auch nichttierischer lebensmittel auseinandersetzen soll – keine frage.
    vegetariern ein schlechtes gewissen einzureden*, nur weil sie sojaprodukte konsumieren, halte ich dagegen für nicht ganz so schlau. das problem ist ja die fleischindustrie.
    im gegenteil spart ja jeder liter sojamilch im vergleich zur kuhmilch enorm viel regenwald und tierleid ein.

    ich persönlich finde soja ziemlich genial, weil sich damit die meisten ersatz-produkte herstellen lassen. joghurt zum beispiel lässt sich aus getreide- oder nuss-milch viel viel schwerer herstellen.
    (was ich persönlich schade finde, weil ich auf soja leider allergisch bin)

    * ich weiss, dass du das nicht vorhast. aber ich höre solche aussagen immer wieder von anderen, oh gott, du trinkst sojamilch, du unterstützt die regenwaldabholzung…

  5. Pingback: Acht Monate unverbissen vegetarisch – ein persönlicher Rückblick » Unverbissen vegetarisch

  6. Sylvia Seegert sagt:

    Arme Vegetarier, ihr vergiftet euch Tag für Tag selbst mit diesem Soja- Mist. Siehe http://www.sylt-gesund-leben.de/texten/soja.htm.
    Im SWR kam zum Wahnsinn im Soja-Anbau eben auch eine sehr gute Dokumentation: “ We feed the world“. Oh mein Gott, und alle machen mit…!!!! Selbst wenn man auf Soja verzichten wollte, es steckt schon überall drin, sogar in Baby-Nahrung!

  7. Claudia sagt:

    @Silvia: niemand vergiftet sich, der ab und an Sojamilch oder Tofu nutzt – und du bekommst hier z.B. in DE hergestellte Produkte, deren Produzenten SEHR auf die Gen-technik-Freiheit und sogar bio-Anbau achten.
    Was die angebliche „Giftigkeit“ angeht: schau nach Asien, da isst man seit Jahrhunderten oder länger Tofu – es ist alles eine Frage der Dosis. Die Pytho-Östrogene z.B, verhelfen asiatischen Frauen immerhin dazu, dass sie sowas wie Wechseljahresleiden und Menstruationsbeschwerden gar nicht kennen.
    Du musst nicht jedem reisserischen Film und jeder neuen „Studie“ einfach alles glauben. Man muss immer sehr genau das jeweils behauptete Detail recherchieren – meist liegen die Dinge dann bei weitem nicht so einfach!

  8. Gabriele sagt:

    Bei uns gibt es jetzt auch immer wieder Sojaprodukte und ich denke, dass es in einer vernünftigen Menge auch nicht schädlich sein kann. Wie hier schon erwähnt, in Asien greift man tagtäglich auf diese Produkte zurück, warum sollte es jetzt also schädlich für uns sein.

  9. Dietmar Wissel sagt:

    Ich hatte mir eigentlich starke sexuelle Erregung von dieser Seite erhofft, doch ich bekam nur Veganerscheiße und ekelhafte Schlagzeilensprüche. Keine nackten Männer, Nichts. Einfach traurig,dass man nicht mal mehr hemmungslos abspritzen kann.
    LG

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