Claudia Klinger / Unverbissen vegetarisch: Hallo Björn! Letzte Woche hab‘ ich mir dein Buch Vegan kochen – für alle gekauft und finde es sehr gelungen: Die Rezepte sind einfach nachzukochen und schmecken trotzdem immer einen Tick besser, als das, was ich mir so als Alltagskost zubereite. Dein „veganer Gulasch“ gehört zu den meistgelesenen Artikeln auf unverbissen-vegetarisch und in deinem veganen Berliner Restaurant Kopps kann man ins Staunen kommen, was mit Fleisch-Alternativen alles machbar ist. Wie bist du eigentlich selbst auf diese Schiene gekommen? Erzähl dochmal kurz deinen „veganen Werdegang“!

Björn Moschinski: Wenn ich von meinen Anfängen erzähle, zaubert das meist ein Schmunzeln in die Gesichter meiner Gegenüber, denn ich wurde durch Reportagen der Jugendzeitschrift BRAVO (!) über Massentierhaltung und Tiertransport beeinflusst. Eine gute Freundin bestärkte mich in meinem Vorhaben, Vegetarier zu werden, was ich dann – im zartem Alter von 14 Jahren – auch umsetzte.

Vom Vegetarier zum Veganer

Allerdings machte ich mir schon bald immer mehr Gedanken über den Sinn einer vegetarischen Lebensweise. Schließlich konsumieren auch Vegetarier unzählige Produkte, für die Tiere gezüchtet, ausgebeutet und schließlich auch getötet werden. Ganz entgegen den Prinzipien, die mich zur vegetarischen Lebensweise motiviert hatten! Ich sah für mich nur eine mögliche Konsequenz – und wurde vegan. Anfänglich verunsichert, bemerkte ich dann schnell, welch ein Zugewinn an Lebensqualität das bedeutete.

Fleisch-Alternativen: Seitan, Soja, Tofu

Claudia K.: Über vegane Webseiten und Kochbücher bin ich auf die bekannten Fleisch-Alternativen gestoßen, die in der traditionell vegetarischen Küche ja kaum eine Rolle spielen. Da gibt es Seitan, texturiertes Sojafleisch und Tofu. Könntest du etwas über die jeweiligen Vor- und Nachteile sagen und berichten, auf welcher Basis du welche Gerichte kochst?? Also wann eher Seitan oder eher Soja, oder gar der als ziemlich geschmacklos „berühmte“ Tofu?

Björn Moschinski: Persönlich bevorzuge ich texturiertes Soja, da es in der Beschaffenheit dem Fleisch sehr ähnelt und auch den größten Spielraum für Gewürze und somit viel Geschmack bietet.
Seitan ist perfekt in Aufschnitten und Würsten. Ein Brät aus Seitan und Gewürzen steht – gebrüht – den Originalen in nichts nach.

Claudia K.: Mischst du auch mal? Womöglich mit Tofu?

Björn Moschinski: Die Zukunft sehe ich in einem Mix von Seitan und Soja, da so alle Vorteile beider Alternativen vereint werden können. Gut gewürzt erhält man ein verblüffendes Ergebnis, wie dies auch einige neue Produkte schon heute beweisen. Den Tofu nutze ich im Kopps für mein „Rührei“ und einige Desserts. Aber auch bei traditionellen Gerichten findet er Verwendung. Besonders zu empfehlen ist auch der Räuchertofu der Firma Taifun, der angebraten mit Tamari von Lima einen hervorragenden Speckersatz abgibt und somit für den deftigen Geschmack sorgt.

Claudia K.: Da ich mich grade frage, was ich mit dem großen Sack Weizengluten anfangen soll, nachdem ich Sojafleisch entdeckt habe, hab‘ ich vor, eine Experimentierphase rund um Wurst und Aufschnitt aus Seitan zu beginnen. Hast du vielleicht Lust, dazu ein interessantes Rezept beizusteuern? (Das werde ich natürlich dann auch hier vorstellen!)

Björn Moschinski: Hab‘ ich, na klar! Ich denke da an meinen „Weißwurst“-Salat, der dir sicher schmecken wird! :-)

„Fleisch-Ersatz“ – braucht es den denn?

Claudia K.: Was sagst du eigentlich zum oft gehörten Vorwurf, man solle nicht versuchen, Fleisch zu „imitieren“, sondern geschmacklich davon weg kommen? Das Gulasch also als „Leichenteilsuppe mit Ekelfaktor“ erleben und nicht den alten Fleischgerichten nachtrauern?

Björn Moschinski: Ich habe nie dem Fleisch nachgetrauert, da mir das Leid, die Qualen und die Verschwendung dahinter bewusst waren. Trotz alledem mochte ich den Geschmack der durch meine Ernährung im Kindesalter geprägt wurde. Und nun meine Lieblingsfrage, auf die ich bis heut noch nie eine Antwort bekommen habe: Warum soll ich auf ein Geschmackserlebnis verzichten, das doch hauptsächlich von Gewürzen und der Zubereitungsart definiert wird, bloß weil ich kein Fleisch mehr essen möchte!?

Leute mit denen ich über diese Thema spreche sind der Meinung, eine vegane Ernährungsweise sei der vegetarischen ähnlich, aber dies ist nun mal nicht richtig!

Claudia K.: Und worin siehst du den wesentlichen Unterschied?? Mal abgesehen davon, dass Vegetarier noch Milch und Käse essen?

Björn Moschinski: Ich erlebe hauptsächlich, dass die vegetarische Lebensweise eine Lebensweise des Weglassens ist! Es wird nicht nach Alternativen gesucht, da es aus Sicht der meisten Vegetarier/innen genügend Abwechslung gibt – auch ohne Fleisch.

Anders Veganer, die sich fast ausschließlich aus ethisch/moralischen Beweggründen für eine vegane Lebensweise entschieden haben. Sie suchen nach Alternativen, weil sie zum großen Teil früher gerne Fleisch aßen und nicht auf den Geschmack verzichten wollen.

Für mich ist die Zubereitung von Fleischalternativen aktive Tierrechtsarbeit: Ich kann einen Fleischesser viel eher überzeugen, seinen Konsum zu überdenken, wenn er diesen Schritt nicht als Verzicht oder Verlust sieht. Und Verzicht auf Fleisch-Alternativen wie Seitan und texturiertes Soja wäre ja z.B. wirklicher Verzicht auf den deftigen Geschmack. So gehts jedenfalls mir und vielen Freunden und Bekannten in meinem Umfeld.

Claudia K.: In deinem aktuellen Kochbuch finden sich einige, aber nicht viele derartige Rezepte. Nach welchen Kriterien hast du ausgewählt?

Björn Moschinski: Ich war mir dieser Vorbehalte gegenüber Fleisch-Alternativen durchaus bewusst und habe deshalb in „Vegan kochen für alle“ auf eine Vielzahl an Ersatzprodukten verzichtet. Es ist ja als Einsteigerbuch gedacht, solll also eher einen Querschnitt durch vielerlei Möglichkeiten veganer Genüsse zeigen. Aber in meinem nächsten Kochbuch, das zum Ende des Jahres geplant ist, gehe ich intensiver auf diese Thematik ein.

Claudia K.: Björn, sei herzlich bedankt für dieses Gespräch! Ich freue mich schon auf deinen Kochkurs im Rahmen der „veganen Schnupperwochen“. Auch davon werde ich hier gerne berichten!

„Vegan kochen“ zum Kochbuch des Jahres wählen

Da ich wirklich sehr angetan bin von Björns Kochbuch hab‘ ich es in der Umfrage des Vebu zum veganen Kochbuch des Jahres gewählt. Vielleicht habt Ihr Lust, dort ebenfalls Björns Buch zu unterstützen? (Geht noch bis bis zum 22.02.2012 um 23.45 Uhr)

Das Kochbuch ist toll für Newcomer in der veganen Küche und bietet einfache Gerichte, die ohne aufwendige Utensilien und Rohstoffe auskommen. Auch die Gestaltung und die großen Fotos gefallen mir sehr gut – einerseits machen die Bilder richtig Appetit, andrerseits sieht man auch ein bisschen was aus „Björns Welt“ – ich mag etwas individuellere Bücher, in denen auch die Person eine Rolle spielt. :-)

Der Gewinner dieser Umfrage wird auf der diesjährigen VeggieWorld in Wiesbaden gekürt, die am kommenden Wochenende stattfindet.

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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2 Kommentare zu Vegan kochen mit Björn Moschinski: Buch und Interview

  1. Mausflaus sagt:

    hoffentlich gewinnt björn – er ist nicht nur der bessere koch, sondern auch viieeeel sympathischer als attila!

  2. Manfred Molitor sagt:

    Mir scheint der Mann hat Wesentliches in seinem Leben erkannt. Der Unterschied Mensch Tier ist sehr klein, deshalb vermeide ich es, den Unterschied so darzustellen. Ich spreche von Mitgeschöpf oder noch klarer: Der Mensch ist das Mitgeschöpf vom Tier – das Tier das Mitgeschöpf vom Menschen. Das Mitgeschöpf Tier tötet auch ein anderes Tier um zu leben. Das ist im Sinn der Schöpfung enthalten. Enthalten ist auch das Jesaja – Wort: Jes.11: „Und das Kalb liegt neben dem Panther und dedr Ißt Gras…..
    Manfred Molitor

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