Ein typisches Alltagsgericht aus meiner Vor-Veggie-Zeit waren Käse-überbackene Bratnudeln mit Schinkenwürfeln. Schinken hab‘ ich lange schon durch Räuchertofu ersetzt, doch einen Käse, der auch
wirklich zerläuft und vom Geschmack den hierfür üblichen milden Käsesorten entspricht, fand ich bisher nicht.

Zwar ist der in meiner alten Hitliste veganer Käsesorten führende No Muh Melty als Käsesoße gut verwendbar, doch zieht er keine Fäden und wird beim bloßen Überbacken auch nur weich. Außerdem spielen alle von mir nach wie vor sehr geschätzten No Muh-Käse geschmacklich in einer ganz anderen Liga! Sie sind gut für alle, die sehr würzige Käsesorten schätzen – mit den milden Sorten a la Gouda, Butterkäse etc. kann man sie nicht vergleichen!

Nachdem auch der Wilmersdorfer Pizzaschmelz in meinen Versuchen nicht gut geschmolzen war, hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass eine Kombi aus „verläuft gut“ und ordentlichem Käsegeschmack vegan überhaupt machbar ist. Zuviele Sorten hatte ich teuer gekauft, die ich dann nicht mal aufessen mochte – von „verlaufend“ gar nicht erst zu reden!

Neue Sorten im Paket

Dann aber kam gänzlich unerwartet das Paket mit Produkten von Vegourmet. Das enthielt neben anderem auch drei 400-Gramm-Stücke JEEZO-Käse: Jeezo Bianco (Mozarella Style), Jeezo Santi und Jeezo Monti (leicht geräuchert).

Ohne große Erwartungen probierte ich erstmal den „Bianco“ und staunte nicht schlecht, dass er wirklich nach Käse schmeckt: kein Plastik-Touch, richtig butterkäsig – aber natürlich nicht Mozzarella-like, die ja kaum Geschmack, aber eine labberige weiche Konsistenz hat, von der sich der „Bianco“ deutlich unterscheidet. Ein ganz normaler milder Schnittkäse – endlich! Auch mein Normalköstler-Freund fand ihn voll ok und meinte, man merke nicht, dass es kein echter Käse sei.

Der Test auf Bratnudeln

Soweit so gut! Aber würde er auch verlaufen? Ich probierte gleich mal mein schnelles Nudelgericht: Nudeln kochen, dann mit Räuchertofu und Schnittlauch anbraten, Käse raffeln und über die Nudeln geben, Deckel drauf, ein wenig warten – und siehe da: der Jeezly Bianco hat geschafft, was (bei mir) bisher noch mit keinem Veggie-Käse so gut gelungen ist!

Der Fairness halber sei hervorgehoben, dass das „Deckeln“ der Pfanne dem Käse genug Feuchtigkeit zuführt, damit er so gut verlaufen kann. Ich hab die Nudeln dann auch ein paarmal „durchmischt“, was den Effekt noch steigerte, den Käse besser verteilte und insgesamt meiner Vorstellung klassischer Käse-Bratnudeln entsprach.

Mittlerweile mache ich auch überbackene Brote in der gedeckelten Pfanne – auf kleiner Flamme und mit etwas Olivenöl, damit das Brot nicht anbrennt.

Die beiden anderen Sorten Jeezos unterscheiden sich geschmacklich in Nuancen. Beim „Monti“ war ich skeptisch, denn ich mochte „Räucherkäse“ noch nie. Zum Glück ist die vegane Variante nicht so heftig rauchig, wie ich es von entsprechenden Kuh-Käsesorten kenne. Man spürt fast nichts davon, wenn man es nicht weiß. Der Monti schmeckt einfach „vollmundiger“ – ein Glück, sonst hätte ich ihn nicht gegessen!

Alle drei Sorten sind übrigens mittlerweile Palmöl-frei. Und natürlich nicht billig.

Veggie-Käse: meine aktualisierte Best-Of-Liste

Das Update der „Champions“ meiner „besten veganen Käse“ sieht nun also so aus:

  • Jeezo Bianco (Mozarella Style) – ein kalt und warm überzeugender Schnittkäse mit dem milden Käsegeschmack, der zu allem passt. Wunderbarerweise auch sehr gut verlaufend und sogar etwas „Fäden ziehend“.
  • Jeezo Santi – ein gelber schnittfester Käse, der an Gouda bzw. Butterkäse erinnert. Ansonsten wie der Bianco: gut verlaufend, warm UND kalt wohlschmeckend und voll Käse-like.
  • Jeezo Monti (leicht geräuchert): dito, in einer würzigeren, ganz leichtg „rauchigen“ Variante;
  • No Muh Melty – ein weicher, streichfähiger Käse, der mir geschmacklich sogar besser als Scheibletten mundet; Auch toll für “überbackene Käsebrote”. Zwar verläuft er nicht so, wie man es von Milchkäse kennt, das schadet dem Geschmack und Mundgefühl aber nicht.
  • No Muh / Rezent würzig – dieser schnittfeste Käse ist ein Wunder! Wer Sorten wie Gruyerzer und Bergkäse mag, wird ihn vermutlich auch mögen. Wer allerdings nur milde Käse gut findet, wird sich mit Grausen abwenden! :-)
  • Parmazano, die vegane Parmesan-Variante. Als ich den zuerst versuchte, hab ich noch gespottet! Er ist halt viel leichter, mehr Pulver als “Geriesel”. Aber der Geschmack ist top und auf Nudeln ist er mir ein geschätzter Ersatz für Parmesan geworden.

Falls jemand weitere Sorten kennt, die auch “Champion-Qualitäten” aufweisen, bitte in den Kommentaren rühmen!

Vom Appetit auf Käse

Insgesamt stelle ich fest, dass mein Appetit auf Käse trotz der mittlerweile guten Alternativen deutlich zurück gegangen ist. Auch vegane Käse, die den Originalen nahe kommen, verleiten mich nicht dazu, auch nur annähernd soviel Käse zu verbrauchen wie früher. Auf bzw. zum Brot nehme ich mittlerweile meist gebratenes Gemüse (derzeit vor allem Zucchini), eingelegte Artischocken oder getrocknete Tomaten, bereite mir eine vegane Leberwurst oder bleibe gleich bei Marmelade.

In einem gerade erschienenen veganen Kochbuch von Rüdiger Dahlke (Peacefood), das ich demnächst hier ausführlicher vorstellen werde, las ich, dass die Bakterien in Magen und Darm auf das jeweilige Essen spezialisiert seien. Verschwinden tierische Eiweiße, verschwänden auch die entsprechenden Bakterien und mit ihnen der Appetit.

Ob das wissenschaftliche Wahrheit ist, kann ich nicht beurteilen, aber es passt zu dem, was ich erlebe. Nicht mal ein ausnahmsweise mit-verspeistes Stück Limburger (etwas, das vegan nie und nimmer hergestellt werden wird!) hat mir den alten Appetit auf Käse nicht zurück gebracht. Im Gegenteil, ich merkte: ich brauch‘ das nicht mehr!

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Über Claudia Klinger

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19 Kommentare zu Bester veganer Käse – ein Update

  1. Homeveganer sagt:

    Danke für die Übersicht! Meine Käsesucht habe ich schon längst überwunden, aber den Jeezo werde ich auch mal probieren. Du hast mich jetzt neugierig gemacht :-)

  2. BhaktiYogini sagt:

    Da geht’s dir so wie mir… früher hab ich soooooooooo gerne Käse gegessen, aber seitdem ich vegan geworden bin, habe ich gar keine Lust mehr darauf (ab und zu verirrt sich trotzdem mal eine Packung Wilmersburger o.ä. in den Einkaufskorb ;-) ).

    Die Info mit den Bakterien finde ich sehr interessant…
    Im Buch „Milch besser nicht“ habe ich gelesen, dass der Körper „von heute auf morgen“ aufhören kann, Laktase zu produzieren (wird ja eigentlich nur im Kindesalter benötigt). Das ist bei mir mittlerweile scheinbar der Fall – sollte sich irgendwo Sahne, Milch, Butter etc. verstecken, dann merke ich das gleich und muss mich dann zügig Richtung WC bewegen. Das wusste ich vorher auch nicht (ich dachte wenn der Körper Laktase produziert, dann immer) und hat sich dann bei mir bewahrheitet, warum also nicht auch das gleiche bei den Darmbakterien?
    Danke für die Info!

  3. Elvira sagt:

    Ich freue mich, dass ich offensichtlich nicht alleine bin mit dem Verlust des Appetits auf Käsiges. Mein Argument als Vegetarier, warum ich nicht gleich vegan lebe, war stets mein großer Käse-Appetit. Ich habe Käse wirklich sehr, sehr gerne gegessen. Mein Mann isst nicht vegan und somit stehen jeden Morgen mindestens zwei Käsesorten auf dem Frühstückstisch. Mittlerweile reizen sie mich nicht mehr. Allerdings vermisse ich immer noch die mit Käse überbackenen Gerichte. Ein Toast oder die Pizza sind mit Pizzaschmelz kein wirklicher Ersatz. Darum werde ich den Jeezly Bianco auf alle Fälle ausprobieren.

  4. Christiane sagt:

    Mit dem nachlassenden Appetit auf Käse geht’s mir genauso. Auch ich habe früher leidenschaftlich gerne Käse gegessen. Und beim Umstieg auf vegan habe ich natürlich diverse vegane Käsesorten ausprobiert.
    Mittlerweile vermisse ich ihn gar nicht mehr. Nur wenn ich über unvegane Rezepte stolpere, die Käse als Zutat fordern, bin ich schon sehr am Rätseln durch was ich den Käse am besten ersetze.
    Beim unveganen Käse stört mich am meisten (außer dem Geschmack), dass sich die Zutatenlisten grauslich anhören. Wie sieht das bei dem Jeezo aus?

  5. Anna sagt:

    „Wilmersdorfer“? o.Ô

  6. Alex sagt:

    Wer eher milden Käse mochte, wird die Wilmersburger Scheibenkäsesorten mögen, denke ich. Die „Classic“-Sorte kommt einem Edamer oder Butterkäse schon ziemlich nahe, meine ich mich zu erinnern.
    http://www.wilmersburger.de/scheiben

  7. Claudia sagt:

    Herzlichen Dank für Eure Kommentare! Das Verschwinden der Lust auf Käse scheint also ein allgemeines Phänomen zu sein – interessant!

    @Christiane: hier die Zutatenliste von Jeezo Bianco

    Wasser, Pflanzliche Öle (23 %, davon 70% Sheabutter und 30% Kokosfett), Kartoffelstärke, Modifizierte Stärke, Meersalz, Emulgator: Natriumpolyphosphat, Natriumcitrat, Zitronensäure-Ester von Mono- und Diglyceriden, Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (pflanzliche Quellen), vegane Aromen, Konservierungsmittel: Sorbinsäure, Farbstoff: Betakarotin.

  8. Ina sagt:

    Wilmersburger Pizzaschmelz schmilzt, wenn man ihn vorher etwas einweicht, z.B. in Soja-Reis-Drink. Ich habs allerdings nicht zum Überbacken genommen, sondern für Quesadillas. Hat super funktioniert.

  9. Ralf Maier sagt:

    der santi von jeezo hat vor kurzem einen stuttgarter pizzadealer so sehr überzeugt, dass er jetzt alle seine pizze auch mit veganem käse anbietet. ein guter freund von mir hat ihm drei vegane käse zur auswahl gebracht, sie haben gemeinsam alle drei ausprobiert und sind zum ergebnis gekommen, dass der santi allen ansprüchen gerecht wird. ich habe die pizza inzwischen probiert, sie ist sehr, sehr lecker!! hier ein link zum video mit dem käsetest: https://www.youtube.com/watch?v=_LL7-eO_mb8

  10. Bettina sagt:

    Lebe erst seit ca. 2 Monaten vegan und auch mich reizt der Käse nicht mehr. Ich war früher ein totaler Käsejunkie. Ich hab Käse überall dazugegeben. Aufs Brot, in die Suppe (ja verrückt), ich hab Käse geliebt. Aber mit dem Appetit auf Kuhmilch ist mir der Käse dann auch vergangen. Und mittlerweile hab ich auch kein Verlangen mehr danach.
    Ist das Peace Food Buch gut? Wollte mir das auch kaufen. Das bezieht sich viel auf die China Study, oder? Muss ich die erstmal fertiglesen… :)

  11. Roxi sagt:

    Off-Topic: „jeezo“ ist im englischsprachigen Raum eine modernere Bezeichnung für nen Hardcorechristen/Jesus-Freak.. thihi, ob die das wussten?! ^^

  12. Anne sagt:

    Meine Nummer 1 ist ganz klar: Wilmersburger Scheiben Classic. Saugeil!!
    Der Wilmersburger Pizzaschmelz ist zum Überbacken auch super, wenn man ihn vorher etwas mit Sojasahne vermischt schmilzt der gut und zieht sogar ein paar Fäden. Gibts beides im Reformhaus oder bei Edeka.

  13. Pingback: Vegane Ernährung: Vom sanften Zwang, ständig zu kochen » Unverbissen vegetarisch

  14. Traidu2911 sagt:

    Mono- und Diglyceride von Speiseresten sind im Verdacht, Krebs zu verursachen

  15. anne sagt:

    bei mir ist’s leider genau anderstrum. ich habe nie viel käse gegessen und jetzt kan ich mich kaum zurückhalten wenn meine oder die mitbewohner von meinem freund käse im Kühlschrank haben. vielleicht probier ich mal wieder vegane käse. mich haben die nie wirklich begeistert.

  16. Julia sagt:

    Simply-V macht Frischkäse auf Mandelbasis. Ohne Soja- super lecker!!! In den Sorten Classic, Kräuter, Paprika und nuss-Nougat. Die Kräutervariante ist meine liebste und genauso wie jeder normale Kräuterfrischkäse. Auch gut um Tomatensaucen sahnig zu kriegen.

  17. Arnd sagt:

    Mal eine tiefergehende Frage.

    Den Zutaten zufolge ist das alles KEIN Käse, das dt. Lebensmittelgesetz hat hier schon recht. Es ist ein Kunstprodukt aus Fett, Wasser, Verdickungsmitteln, Farb- und Aromastoffen.
    (s. mein Gastbeitrag von 2013)

    Meine Frage, warum gibt es keinen echten veganen Käse? Denn es gibt ja auch veganen Joghurt. Der darf lt. Recht in Deutschland zwar auch nicht „Joghurt“ heißen, ist es aber im Wesentlichen, d.h. er ist das Resultat eines auf Joghurt-Kulturen basierenden Fermentationsprozesses – keineswegs nur eine eingedickte Sojamilchpampe mit künstlichem Joghurt-Aroma.

    Wikipedia: Sojajoghurt

    Worauf ich hinaus will: Wenn es möglich ist, Joghurt-Kulturen auf Soja zu „dressieren“, wieso geht das selbe nicht mit Käse-Lab?

  18. Leo sagt:

    Ich habe mir den Jeezo Santi bestellt und kann die vielen guten Kommentare nicht nachvollziehen. Der „Käse“ schmeckt total künstlich. Schade!

  19. Claudia Klinger sagt:

    Du kannst an vegane „Käse“ nicht diesselben Geschmackserwartungen stellen wie an Kuhkäse. JEDER vegane Käse ist „künstlich“ – maximal gibts eine „Käse-Anmutung“ – mal besser, mal schlechter.

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