Herbstzeit ist Jagdzeit: Wildfleisch taucht verstärkt in den Supermärkten auf. Da ich aus ethischen Gründen, insbesondere wegen der grusligen Massentierhaltung Veggie geworden bin, erscheinen hier auch ab und zu Artikel, die sich nicht nur ums essen drehen.

Auf das Blog des Draußenbloggers bin ich über mein Gartenblog gekommen. Es heißt „Draußen umhergestreift“, doch handeln die letzten sieben Einträge von einer ganz speziellen Form des „Umherstreifens“, nämlich von der Jagd und den Jägern.

Der Erzähler war in jungen Jahren selbst Jäger: Als Naturfreund war er der Propaganda aufgesessen, man betreibe Naturschutz und müsse den Wildbestand hegen und pflegen. Damit, dass man „zwecks Regulierung des Bestands“ auch mal ein Tier erschießen muss, hatte er kein grundsätzliches Problem. Fühlte sich aber nicht wohl dabei, wenn er es dann wirklich einmal tat, ganz anders als viele seiner Jäger-Kollegen.

Seine Serie „Jagd und Jäger“ ist zu einer zornigen und berührenden Abrechnung mit der Heuchelei rund um die Jagd geraten, wie ich sie lange nicht gelesen habe. Sehr sehr lesenswert! Ich liste hier mal die einzelnen Postings und zitiere ein paar Sätze:

  • Jagd und Jäger – Teil 1:

    „Wie gesagt: Ich bin gar kein wirklicher Gegner des Jagens als solches. Die Natur ist nun mal so eingerichtet, dass eins vom anderen lebt und der Mensch ist eben ein Allesfresser. Aber es irritiert mich stark, wenn ich feststellen muss, mit Leuten zu tun zu haben, die kein Widerstreben empfinden, die tödlichen Schüsse abzugeben und bei denen klar eine Gier danach erkennbar ist, das immer wieder zu tun.“

  • Jagd und Jäger – Teil 2:

    „Da reist jemand nach Afrika, sieht zum ersten Mal einen Elefanten in freier Wildbahn – und nimmt dann seine Großwildbüchse und erschießt ihn. Er redete sich in einer aufgekratzten Begeisterung regelrecht in Rage. Besonders darüber, wie jener Elefant sich nach dem Schuss aufbäumte, laut schrie, ein paar Meter auf ihn zu kam und wie er lieber noch einen zweiten Schuss aus naher Distanz auf das Tier abfeuerte. Danach muss der Elefant wohl relativ langsam zu Boden gegangen und gestorben sein. Über diese Schilderung lief mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter.“

  • Hirsch tottrinken! – Jagd und Jäger, Teil 3:

    „Ich konnte meinen Blick nur schwer von dem toten Hirschkopf abwenden. Dessen gebrochene tote Augen schienen das Geschehen aus schmalen Schlitzen, um die die Augenlider noch geöffnet waren, zu beobachten. Der Geruch des Hirsches mischte sich mit dem seines Blutes von der Schnittstelle und den vielfältigen Gerüchen der Getränke und Snacks, des Tabakrauchs und der anwesenden Menschen.“

  • Neue Tierarten (Neozoen) und Katzen nicht erwünscht – Jagd und Jäger, Teil 4:

    „Ganz seltsam fand und finde ich auch die Tatsache, dass ich bei vielen Jägern auf einen blanken Hass auf bestimmte Tierarten gestoßen bin. Zuerst waren es die Katzen, bei denen mir dies auffiel. Der Hass, den manche Jäger auf Katzen haben, nimmt schon geradezu grotesk exzessive Formen an, wie ich beobachten und hören musste. Es wurde wirklich jede Katze gekillt, deren man habhaft werden konnte, und sei es durch absichtliches Überfahren, wenn eine zufällig die Straße überquerte.“

  • Wildarten-Durcheinander – Jagd und Jäger, Teil 5:

    Wolf

    „Ich konnte es kaum glauben, als die ersten Berichte über frei lebende Wölfe in Deutschland in den Medien verbreitet wurden. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die wieder Aufgetauchten auch von der Jägerschaft offiziell willkommen geheißen wurden. Nach allen Erfahrungen, die ich selbst mit Jagd und Jägern gemacht hatte, habe ich damit nicht gerechnet.
    Leider habe ich mich nicht im vollen Umfang getäuscht.“

  • Jagd auf Füchse und als extensivste Tierzucht – Jagd und Jäger, Teil 6:

    „Niemals werde ich vergessen, wie ich im zweiten Jahr meines Jägerdaseins einen Fuchs ausgiebig und lange beobachten konnte. Er war damit beschäftigt Mäuse zu fangen und kam dabei bis direkt unter meinen Hochsitz. Es war einfach ein schönes Erlebnis. Abends erzählte ich das dem Revierinhaber, der auch mein Chef war. Wie aus der Pistole geschossen, stinksauer: “Hatten Sie denn keine Waffe dabei?““

  • Wild – Wildschutz – Menschen – Jagd und Jäger, Teil 7:

    „Es sind nicht die Spaziergänger, Wanderer und anderen Erholungssuchenden, die das Wild scheu machen. Was das Wild wirklich scheu macht, das ist der Jagddruck. Profan und vereinfachend gesagt: die Angst vor dem Erschossenwerden. In allen Gebieten, die nicht bejagt werden, kennt das Wild dieses Scheusein nicht. In solchen Gebieten, in denen die Jagd eingestellt wird, kann man nach einer gewissen Zeit beobachten, dass die Scheu des Wildes zurückgeht.“

Wer nicht nur lesen und auch gleich etwas tun, zeichne doch bitte die Petition „Verbot, bzw Schliessung der Schliefanlagen nicht nur landes- sondern bundesweit“. Ich kannte das Wort auch nicht, es handelt sich um einen besonders üblen, tierverachtenden Auswuchs des Jagdwesens – es kann einem schlecht werden!

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Foto: Ich-und-Du / pixelio.de

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Über Claudia Klinger

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