Ich hatte mich ja schon fast gewundert, dass ich meine Chronik der Fleischskandale ganze drei Monate lang nicht ergänzen musste. Was nun ans Licht kommt, betrifft alle, die es mit den Tieren gut meinten, ihnen ein weitgehend artgerechtes Leben gönnen wollten und deshalb Neuland-Fleisch kauften. NEULAND ist der einzige Anbieter, der nicht auf „bio“, sondern auf „artgerechte Haltung“ als Alleinstellungsmerkmal setzte und damit bisher ungemein erfolgreich war. NEULAND-Fleisch ist zwar teurer als das übliche Massentierhaltungs-Fleisch, jedoch deutlich günstiger als „bio“, da NEULAND-Bauern ihre Tiere konventionell füttern und ihre Felder mit Pestiziden düngen dürfen.

Der Massenbetrug am Kunden

Wie DIE ZEIT heute berichtet, hat der wichtigste Geflügel-Lieferant von NEULAND einen jahrelangen Massenbetrug „eingeräumt“. Landwirt L. aus Wietzen in Niedersachen habe konventionell gehaltenes Geflügel gekauft, geschlachtet und an NEULAND geliefert, das dann als besonders artgerecht und umweltfreundlich bei den Kunden gelandet sei. Noch jetzt sei dieses Hühnerfleisch auf dem Markt:

„Das Fleisch wurde in ausgewiesenen Metzgereien verkauft und an viele Firmen-Kantinen geliefert, unter anderem an das Versicherungsunternehmen Allianz und das Internetunternehmen Google. Das Fleisch ist noch heute unter Neuland-Label auf dem Markt.“
ZEIT ONLINE, 15.4.14

Um zu erfahren, wie der Betrug aufgeflogen ist und was NEULAND dazu sagt, soll man sich die gedruckte ZEIT kaufen, heißt es. Zum Glück haben wir Internet und können selber schauen, wie die Dinge aus Sicht von NEULAND aussehen. Und ja, es gibt bereits eine Reaktion:

In der heutigen Online-Ausgabe der ZEIT wird der Eindruck erweckt, das NEULAND seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen ist und Geflügelfleisch noch immer unter dem NEULAND-Label auf dem Markt ist. Dem Eindruck widerspricht NEULAND e.V. und nimmt wie folgt Stellung:

Sollte es sich bestätigen, dass der Landwirt L. aus Wietzen einen Massenbetrug an Geflügelfleisch begangen hat, sind wir tief enttäuscht. Wir haben seit vielen Jahren mit dem Landwirt vertrauensvoll zusammen gearbeitet und erst 2013 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bekommen. Ende 2012 gab es mit dem Landwirt Diskussionen bezüglich der Umstellung der bei NEULAND zugelassenen Hähnchenrassen. Der NEULAND e.V. hatte mit seinen Trägerverbänden beschlossen auf schnellwachsende Linien zu verzichten und nur noch langsam wachsende Rassen einzusetzen, da diese dem Anspruch von NEULAND nach besonders tiergerechter Haltung mehr nachkommen. Diese Umstellung wollte der Landwirt nicht mitgehen. Bei der Regelkontrolle 2013 wurde dieser Sachverhalt festgestellt und auch die vermarkteten Mengen erhoben. Beim Datenabgleich sind Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Da der Landwirt auch einen Geflügelschlachthof betreibt, wurde im Aufrag vom NEULAND e.V. eine Warenflussanalyse beauftragt. Nachdem durch die Gesellschaft für Ressourcenschutz, als von NEULAND beauftragte Kontrollstelle, die entsprechende NEULAND-Vermarktungseinrichtung in Bad Bevensen besucht wurde, um die Daten beim Landwirt abzugleichen, hat dieser per Mail am 9.12.13 um 14.00 Uhr bei NEULAND e.V. gekündigt. Eine Kontrolle konnte nicht mehr durchgeführt werden. Daraufhin wurde die noch am gleichen Tag geschlachtete Geflügellieferung gestoppt.

Presseerklärung weiter lesen

Besser gar kein Fleisch – und auch keine Eier!

Wieder einmal zeigt sich, dass man sich niemals sicher sein kann, was für ein Fleisch man kauft. Auch dann nicht, wenn es „tierfreundlich gelabelt“ ist und von einem seriösen Anbieter stammt. Auf der sicheren Seite ist nur, wer ganz ohne Fleisch auskommt (ich empfehle, mal „Mock Duck“ auszuprobieren, eine ziemlich gute Alternative!).

Die Stellungnahme von NEULAND lässt im übrigen einen Blick auf die Umstellungsschwierigkeiten zu, die das – sehr zu begrüßende! -von Bund und Ländern angestrebte Verbot der Tötung männlicher Kücken mit sich bringen wird. Der Neuland-Zulieferer aus Wriezen war nicht bereit, langsamer wachsende Rassen aufzuziehen, da das seinen Gewinn geschmälert hätte. Wie soll es also in großem Maßstab gelingen, Hühnerrassen durchzusetzen, die sowohl Eier legen als auch „Fleisch ansetzen“, aber beides natürlich nicht in gewohnter Menge und Schnelligkeit?
Es steht zu befürchten, dass die Massentierhalter Umwege finden werden wie etwa das Exportieren in Nachbarländer, wo die Tötungen dann dennoch statt finden – nur eben nach einem qualvollen Tiertransport, nicht gleich nach der Geburt.

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Über Claudia Klinger

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