So, jetzt hat der WWF mal eine Studie in die Welt gesetzt, die auf den ersten Blick geeignet ist, an den gängigen Verhaltensweisen der „alternativen“ Konsumenten gehörig zu kratzen! Gerade in Veggi-Kreise achtet man ja zunehmend darauf, dass die verschiedenen vegetarischen und veganen Produkte kein Palmöl enthalten. Viele Produzenten stellen sich darauf ein und ersetzen das „böse Öl“ durch andere Pflanzenöle. Das allerdings ist, wie die Studie „Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreien Welt“ drastisch klar macht, keine Lösung des Problems, sondern lediglich eine Verlagerung, die zudem Verschlimmerungen mit sich bringen würde.

Warum? Im „Business-as-usual-Szenario“ untersucht die Studie, was eine Ersatz von Palmöl durch andere tropische Öle bedeuten würde. Vor allem würde dafür weit mehr Fläche benötigt, mehr Wälder müssten abgeholzt werden, die Artenvielfalt würde noch mehr leiden. Denn Palmöl ist das Öl mit dem höchsten Ertrag pro Hektar, wie der folgende Vergleich zeigt:

Ertragsvergleich PFlanzenöle pro Hektar

WWF:

„Für die in Deutschland genutzten 1,82 Mio. t Palmöl werden 397.781 ha Anbaufläche hauptsächlich in den Produktionsländern Malaysia und Indonesien, aber auch in Papua-Neuguinea, Lateinamerika und Afrika belegt. Diese Fläche könnte „frei“ werden, wenn in Deutschland Palmöl durch andere pflanzliche Öle ersetzt würde. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die anderen Pflanzenöle benötigen ebenfalls Fläche und …weit mehr als die Ölpalme. Würde man den „Business as usual“-Pfaden folgen und Palmöl durch einen Mix aus Raps-, Sonnenblumen-, Kokos- und Sojaöl ersetzen, so würde Deutschland das 5-fache an Fläche benötigen: 1,85 Mio. ha statt 397.781 ha. ….
…da Palmöl oft nur durch Kokos ersetzt werden könnte, würden 308 Mio. t Treibhausgasemissionen mehr
entstehen – der Großteil davon in Asien.“

Heimische Öl-Produktion – eine Alternative?

Auch diese Alternative wurde in der Studie berechnet. Ergebnis:

„Auch diese Option würde sich negativ auf den Flächenverbrauch und die damit einhergehenden Treibhausgasemissionen auswirken. Zwar würden 290.000 ha in tropischen Ländern „frei“, dafür aber 730.000 ha in Deutschland zusätzlich für den Rapsanbau benötigt. Das entspräche einer Steigerung der derzeitigen Rapsanbaufläche um 50 % auf insgesamt 2 Mio. ha. Die Effekte auf die Artenvielfalt wären allerdings weniger negativ, unter anderem, da Deutschland verglichen mit tropischen Ländern eine geringere Artenvielfalt beheimatet“.

Weil also die Artenvielfalt hierzulande eh schon reduziert ist, wäre es nicht weiter schlimm, wenn noch weit mehr Raps angebaut würde, der schon jetzt vielen Tieren die Lebensbedingungen nimmt.

Verzicht ist am nachhaltigsten

Als ich zum Thema twitterte „Es geht eben um Verzicht, nämlich darauf, immer alles haben zu wollen“ reagierte ein Bekannter mit dem Statement: „Ganz böses Wort! Schlimmer als „Verstaatlichung“ und „Enteignung“. Der WWF formuliert es „sensibler“:

  • Verzicht auf Palmöl als Biokraftstoff sowie konsequente Reduzierung des Energiebedarfs. Fahrrad statt Auto, Video-konferenz statt Geschäftsreise, Schiene statt Straße.
  • Bewussteres Einkaufsverhalten und ausgewogene Ernährung: weniger Süßes und Fettiges, frische Lebensmittel statt Fertigprodukte, weniger und dafür besseres Fleisch.
  • Einkauf zertifizierter Produkte: Wer Produkte mit Palmöl kauft, sollte darauf achten, dass das Palmöl im Produkt z. B. nach dem RSPO-Standard zertifiziert ist. Ist das nicht ausgewiesen, kann man die Palmöl-Scorecard des WWF zu Hilfe nehmen. Auch Bio-Palmöl ist eine weniger schädliche Alternative.

Auch an die Politik und die Unternehmen formuliert der WWF sehr sinnvolle Forderungen – lest die Studie selbst, die sehr viel mehr detaillierte Informationen enthält, als ich sie hier kurz wiedergeben kann!

Gar keine nachhaltige Lösung gibt es offenbar in Sachen Kosmetik:
„Schwieriger wird der Ersatz von Palmöl im industriellen Bereich. Hier steht Kokosnussöl – aufgrund ähnlicher Fettsäureanteile – an erster Stelle und ist technisch bisher die einzige Alternative für Seifen, Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel, Körperpflegeprodukte und Kosmetik.“

Das kann eigentlich nur heißen: weniger ist mehr! Brauchen wir wirklich all die vielen Pflegeprodukte, um ein zivilisiertes Leben zu führen? Darauf muss jede/r eine individuelle Antwort geben. Meine Mutter brauchte nur Seife, ein Shampoo und selten mal eine billige Nivea-Creme. Dabei war sie nicht etwa hässlich oder ungepflegt!

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Über Claudia Klinger

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Ein Kommentar zu WWF: Die Alternativen zu Palmöl wären noch schlimmer!

  1. Anna sagt:

    Bevor ich was kaufe informiere ich mich immer ob Tierversuche dahinter stecken oder nicht. Und kaufe auch kaum spontan. Aber leider kann man sich nicht immer sicher sein. Es sollen keine Tiere mehr leiden.

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