Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Sonnenblumen-Hack ausprobiert: gut gemeint, aber…

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Als ich das „Sonnenblumen-Hack“ im Netz entdeckte, fand ich es erfreulich, dass es mal wieder eine neue Fleischalternative gibt. Ich bat die Macher um ein Testprodukt und bekam auch gleich alle vier Varianten: Bolognese, Chili sin Carne, Pilzpfanne und Sonnenblumen-Hack pur. Warum ich nach zwei Testessen nicht weiter probiere, lest ihr in diesem Artikel.

Sonnenblumen-Hack

Die Chili-Packung ist nicht im Bild, weil die mein Freund getestet hat

Auf ihrer Webseite beschreibt die „Sunflower Family“ ihr Produkt so:

„Gesund, nachhaltig UND genussvoll – passt das zusammen? Ganz klar: Ja! Wir wollen zeigen, dass man bei einer pflanzenbasierten Ernährung weder auf Nährstoffe, noch auf Geschmack verzichten muss. Unsere Produkte machen das gesund-genussvolle Leben ein klein wenig einfacher und vielfältiger. Und dazu verzichten wir ganz bewusst auf Soja, tierische Inhaltsstoffe und künstliche Zutaten – niemals aber auf echten Genuss!“

Ein steiles Versprechen! Fleischalternativen sind ein Schwerpunkt dieses Blogs und ich kenne z.B. den Aufwand, den es bedeutet, z.B. eine wirklich gut schmeckende Bolognese aus Soja-Schnetzeln zu bereiten. Dabei kommt es auch immer auf die Konsistenz einer Fleischalternative an, denn es geht ja nicht nur um die Würzung: auch Konsistenz und Textur müssen halbwegs stimmen, um ein „rundes“ Geschmackserlebnis zu erzeugen. Ich zweifelte, ob man das aus Sonnenblumenkernen würde erzeugen können. Andrerseits: Hersteller schaffen es, sogar sogar, täuschend echte, spürbar faserige „Ente“ zu produzieren, aus Weizeneiweiß, das ja auch keine Struktur mitbringt.

Mit dem Sonnenblumen-Hack soll man alles kochen können, was auch mit tierischem Hack möglich ist. Einen „leichten Geschmack nach Sonnenblumenkernen“ stellen die Hersteller in Aussicht und beschreiben ihn als „leckere nussige Note“. Dass man das Hack nicht einweichen, sondern nur mit Wasser „benetzen“ muss, wird als weiterer Vorteil berichtet. Und alles hat natürlich Bio-Qualität. Ich war gespannt!

Verpackung und Menge

Die Fleischalternativen kommen in bunt bedruckten Kartons, die fast doppelt so groß sind als es der Inhalt erfordert. Hier Packung und Inhalt der „puren“ Version:

Die Tüten mit dem Hack enthalten in allen vier Varianten genau 76 Gramm Granulat. Das soll für vier Portionen reichen, da sich das Hack durch die Wasserzugabe natürlich „vermehrt“. Allerdings frage ich mich schon, warum ausgerechnet 76 Gramm? Es wirkt irgendwie pingelig und auch ein wenig geizig. Warum nicht zumindest 100 Gramm? Das wäre auch für eigene Rezeptentwicklungen einfacher. Und: die extreme Sparsamkeit in der Berechnung dessen, was als „Portion“ gilt, regt mich auch bei klassischen Herstellern von Lebensmitteln auf. Schade, dass auch die vegane „Sunflower Family“ dieser Philosophie folgt.

In den drei Varianten Chili, Bolognese und Pilzpfanne enthält die Packung dann noch eine Tüte mit Gewürzmischung, die alleine ganze 55 Gramm wiegt. Auf der Rückseite jeder Packung ist ein Rezept für die Zubereitung angegeben, das tatsächlich sehr einfach umzusetzen ist.

Hammer-Preise: Mehr als sieben mal so teuer wie Sojahack!

Bei einer Netz-Recherche am 10.Oktober fand ich folgende Preise (Euro) für die einzelnen Varianten:

  • Sonnenblumen-Hack pur: 3,69 (violey.com), 3,99 (alles-vegetarisch.de), 4,49 (Tofukind), 4,44 (Amazon)
  • Sonnenblumen Bolognese: 5,49 (violey.com), 5,99 (alles-vegetarisch.de), 5,99 (Tofukind), 9,90 (Amazon)
  • Sonnenblumen Pilzpfanne: 5,29 (violey.com), 5,99 (alles-vegetarisch.de), 5,99 (Tofukind),
  • Chili sin Carne: 5,49 (violey.com), 5,99 (alles-vegetarisch.de), 5,99 (Tofukind), 9,69 (Amazon)

Angesichts dessen, dass gemischtes Bio-Hack (400 Gramm) schon ab 3,99 erhältlich ist, sind das wahrlich stolze Preise! Und für alle, die meinen, man solle diesen (für noch Fleich Konsumierende durchaus wichtigen) Vergleich nicht anstellen, sondern Fleischalternativen nur mit ebensolchen vergleichen:

  • Soja-Hack Granulat 500g (!): 3,39 (vekoop.de), 9,90 (vegetarischerversand.de), 7,99 (amazon)
  • Soja-Hack Granulat bio 250 g (!): 1,89 (Tofukind) 2,69 (biozentrale.de), 2,50 (Luxplus.com),

Legt man den kleinsten Preis für die pure Variante Sonnenblumen-Hack (4,49 für 76 Gramm) zu Grunde, so kosten 100 Gramm 5,91 Euro. Der kleinste Preis für Bio-Sojahack (1,89 Tofukind) entspricht einem 100 Gramm-Preis von 0,76 Cent. Das Sonnenblumenhack kostet also 7,77 mal soviel wie Sojahack – ntürlich beides in bio.

Ausprobiert: Chili sin Carne

Da ich Chili sin Carne nicht so mag (und auch CON CARNE nicht mochte) übergab ich die entsprechende Packung gleich einem lieben Freund, der gerne und oft Chili con Carne zubereitet. Für Fleischalternativen ist er offen und war verschiedentlich begeistert von meinen Kochkünsten, bei deren Ergebnissen er Fleisch tatsächlich nicht vermisst hat. Insbesondere bei den Soja-Fleischalternativen war seiner Aussage nach gar nicht mehr merkbar, dass es sich nicht um tierisches Fleisch handelte.

Leider ist er nicht dazu gekommen, ein Foto zu machen, doch kann ich berichten, wie es ihm gemundet hat:

Genau nach Rezept zubereitet, empfand mein Testesser das Chili als extrem überwürzt. Er warnte mich davor, die ganze Packung Würzmischung zu verwenden. Die sei wohl für Leute gedacht, deren Geschmacksnerven so desensibilisiert sind, dass sie kaum mehr etwas schmecken. Dabei sei die Schärfe durchaus akzeptabel, das gehöre schließlich zum Chili. Nicht dazu gehörten allerdings andere Geschmackskomponenten, die mit ihrer Dominanz den Eindruck eines normalen Chili sin Carne extrem störten – insbesondere nannte er das vorherrschende Liebstöckl (Maggikraut), das dazu führe, dass alles penetrant nach Maggi schmecke.

Und die Konsistenz des Hack-Anteils? Die fand er seltsam schwammig, undefinierbar, jedenfalls ohne Biss. Das Sonnenblumenhack im Chili hat ihn insgesamt enttäuscht, er würde es nicht kaufen. Gab es gar nichts Lobenswertes? Doch! Die Optik hat immerhin gestimmt.

Ausprobiert: Sonnenblumen-Bolognese

Sonnenblumen-Bolognese

Für meinen Test der Bolognese-Variante nahm ich nur die Hälfte der Zutaten. Entgegen der Warnung auch die Hälfte der Würzmischung, denn ich wollte es so original wie möglich testen. Zusätzlich zu den Tomaten und Zwiebeln gab ich am Ende noch eine Knoblauchzehe (gepresst) dazu.

Mit der vorgeschriebenen Menge Wasser (bzw. der exakten Hälfte davon) erschien mir die Bolognese noch zu kompakt. Ich gab noch etwas Wasser dazu, was das „Hack“ noch weiter aufquellen ließ. Irgendwie wurde das Ganze nicht richtig „soßig“ und weiter verwässern wollte ich den Geschmack ja nicht.

Wie es geschmeckt hat? Nun ja, undefinierbar, wischiwaschi. Von Ferne an Bolognese erinnernd, nicht überwürzt, aber charakterlos. Und das trotz der immens vielen Zutaten dieser Mischung, von deren Vielfalt ich kaum etwas schmeckte:

Zutten Würzmischung Sonnenblumen-Bolognese

Kein Gewürz schmeckte also vor, doch gab es durchaus eine Geschmackskomponente, die mir auffiel, allerdings als störend, absolut nicht zu „Bolognese“ passend. Schlecht zu beschreiben, es schmeckte in etwa so wie Gerichte mit Trockensoja, das vor der Zubereitung nicht genug gewässert wurde. Dann bleibt manchmal der etwas gewöhnungsbedürftige Sojageschmack, der bei richtiger Zubereitung (bzw. Behandlung durch den Hersteller) nicht vorhanden ist.

Könnte das womöglich der „der leichte Geschmack nach Sonnenblumenkernen“ sein, der laut Sunflower Family dem Gericht „eine leckere nussige Note“ mitgibt? Wenn ja, kann ich darauf gut verzichten!

Sonnenblumen-Bolognese

Was übrigens die Portionsgröße angeht: Meine Hälfte hätte für zwei Personen reichen sollen. Nun ja, vielleicht mit Vor- und Nachspeise und noch einem Salat dabei.

FAZIT: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Es tut mir zwar ein bisschen leid für die Hersteller, die sehr glücklich über ihre Entwicklung sind (was auch auf jeder Packung steht), aber wahr ist: Meine Bolognese hätte allenfalls das Zeug gehabt, in einer Studierenden-WG als schneller Sattmacher zu funktionieren. Ein Notgericht, wenn der Kühlschrank leer ist und das Geld für den Lieferdienst nicht reicht.

Dass sich im Netz auch sehr positive Kommentare finden, steht dem nicht entgegen. Viele sind ja schon glücklich, wenn es überhaupt eine vegane Alternative für ein Fleischgericht gibt. Wenn dann noch weitere Labels dran hängen, die auf der grade aktuellen Werte-Skala punkten können (bio! sojafrei!), dann tritt der Geschmack oft in den Hintergrund. Bzw. man redet ihn sich schön oder hat sowieso nur wenig besser schmeckende Vorerfahrungen, wenn überhaupt.

Kurzum: Für mich ist Sonnenblumen-Hack keine Fleischalternative, die ich öfter verwenden werde. Es kann zwar sein, dass man das pure Hack in einem guten, selbst gekochten und gewürztem Rezept als Hack-Ersatz verwenden kann, das dann geschmacklich nicht stört. Es ist dann aber auch fast entbehrlich, denn es hat eben nicht den gewohnten Biss, den nicht nur Fleisch, sondern auch Soja-Hack (aus Granulat, mehr noch aus feinen Schnetzeln) mitbringt.

Die übrigen Packungen werde ich in der Nachbarschaft weiter geben, vielleicht finden sich da ja noch Fans.

Autor: Claudia Klinger

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3 Kommentare

  1. Vielen Dank für euren Test! Das Sonnenblumen-Hack ist mir im Bioladen schon aufgefallen, durch den hohen Preis war es mir einen Kauf aber noch nicht wert, da daneben ja auch das sehr gute und günstigere Sojahack steht. Jetzt weiß ich, ich kann die Sonnenblumen getrost weiter im Regal lassen ;-).

  2. @Bhakti Yogini:

    danke für deinen wertschätzenden Kommentar! Reaktionen sind sehr wichtig für das Gefühl, nicht für die Schublade zu schreiben! Und so ein Test macht ja auch Arbeit, selbst ohne dass ich alle 4 Versionen selbst abgearbeitet hätte.

  3. Nein, du schreibst nicht für die Schublade – ich lese ja zumindest mit ;-).
    Aber ich kenne das „Problem“: die allermeisten Leser sind „stille Leser“…

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