Vegetarisch-veganes Grillen: Raclette

Das Grillen mittels eines Raclette-Ofens ist ursprünglich eine Schweizer Erfindung, die mittlerweile Freunde auf der ganzen Welt gefunden hat. Angesichts der gängigen Tisch-Raclette-Öfen mit kleinen Pfännchen, in denen Käsescheiben mehr geschmolzen als gegrillt werden, erscheint manchem die Bezeichnung „Raclett grillen“ fraglich. Sie hat allerdings ihre Berechtigung, wenn man die Geschichte dieser kulinarischen Entdeckung bedenkt.

Raclettepfännchen

Die ging nämlich so: Nach urtümlicher Walliser Art wird ein halber Laib besonders gut schmelzender Vollfettkäse so nahe ans Feuer gelegt, dass er dort langsam zerläuft. Dabei wird er gleichzeitig geschmolzen, geräuchert und gegrillt, wodurch sich der unverwechselbare Geschmack des am Feuer zubereiteten „echten Raclettes“ entfalten kann.

Da wir heute nicht mehr bzw. nurmehr selten um die hierfür erforderlichen Lagerfeuer sitzen, wurde der moderne Raclette-Ofen (kurz „Raclette“) entwickelt, der als Tischgerät das Braten/Grillen der Käsescheiben in den typischen Raclette-Pfännchen ermöglicht. Wer ein passendes Raclette aussuchen will, sollte die Tischgröße und die Anzahl der Gäste bedenken: der Markt bietet für jede Tischgröße Passendes, rund, rechteckig, oval, ausladend oder auch platzsparend, quasi die 2-Personen-Variante.

Veganes Raclette – geht das?

Da das klassiche Raclette auf gut schmelzendem Käse basiert, erscheint ein „veganes Raclette“ auf den ersten Blick kaum machbar. Streng genommen dürfte es aber auch kein vegetarisches (= nichts vom toten Tier) geben, da die meisten klassischen Raclette-Käse mit tierischem Lab aus Rindermägen hergestellt werden. Vegetarier müssen also darauf achten, dass für den zur Verwendung kommenden Käse nur mikrobielles Lab genutzt wurde. Aber was machen Veganer?

Da gibt es mehrere, gut kombinierbare Strategien:

  • Zum einen grillt man in den Pfännchen auch beim klassischen Raclette nicht nur Käse, sondern auch Maiskörner, Tomatenscheiben, vielerlei in Scheiben geschnittene Pilze, Paprikastreifen, dünne Möhrenstücke, gut gewürzte Kartoffelscheiben, Süßkartoffeln, Broccoli, Zwiebeln – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und mittels pikanter Würzung, sowie Brot und Salat als Beilagen wird man auch so satt und zufrieden.
  • Zum andern gibt es mittlerweile vegane Käse-Alternativen, die sich auch fürs Raclette eignen, wenn sie auch nicht ganz so gut schmelzen wie Käse aus Milch. Bezüglich der Schmelzeigenschaften bei gleichzeitig gutem Käse-Geschmack werden vielfach die neuen Scheibenkäse von Jeezini gelobt, die es in mehreren Geschmacksrichtungen gibt. Die „Wilmersdorfer Scheiben“ schmelzen nicht wirklich, sondern werden nur weich, wie einige Blogs berichten. Auch „Tofutti“ wird stellenweise empfohlen, der allerdings ein wenig „bröckelig“ daher kommt.
  • Da manchen die veganen Käse nicht munden, wird auch selbst gemachte Cashew-Creme als Alternative zum Käse verwendet. Sie soll sehr käsig schmecken und gut gratinieren. So kann man z.B. dünne Kartoffelscheiben ins Pfännchen geben und die Creme darüber verteilen.
  • Noch eine Möglichkeit fürs Raclette sind die Fleischalternativen aus Seitan (Weizenfleich) und Soja. In Streifen geschnittene vegane Würstchen, dünne Scheiben vom Lupinen-Bratstück, vorab vorgekochte und marnierte Soja-Medaillons eignen sich gut.

Alles in allem haben Veganer eine Riesenauswahl und müssen nicht fürchten, beim Raclette als bedauernswerte Verzicht-Leister da zu stehen. Ganz im Gegenteil kann die Einladung zu einem veganen Raclette vielleicht manchem klassischen Vegetarier oder Normalköstler zeigen, dass Tierkäse beim Raclette kein MUSS ist. Es geht auch ohne, und sogar richtig gut!

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Foto: Joujou / pixelio.de

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