Biologisch erzeugtes Fleisch aus artgerechter Tierhaltung – in diesen ersten Monaten meiner Bewegung in Richtung „vegetarisch“ hab‘ ich mir das noch so alle paar Wochen gegönnt. Schließlich haben die Tiere ein gutes Leben, dachte ich mir, bzw. denke es in Momenten der Schwäche noch immer.

frei laufende Schaafe in Neuseeland

frei laufende Schaafe in Neuseeland

„Mit gutem Gewissen genießen“ schreibt sich z.B. NEULAND auf die Fahnen – und zu recht, denn es gibt wohl kaum eine artgerechtere, tierfreundlichere Haltungsweise hierzulande: freier Auslauf, heimisches Futter, ordentliche Einstreu – man kann sich an den Vergleichsbildern erfreuen und kauft sich mittels des höheren Preises das besagte „gute Gewissen“.

Liest man sich als möchte-gern-vegetarischer Einsteiger jedoch quer durch einschlägige Info-Welten, ändert sich diese Haltung nach und nach. Auch Öko-Schweine leiden, wenn sie geschlachtet werden – muss ich das für meine Ernährung wirklich haben? Die Bilder einer korrekt biologischen Schlachtung sind auch nicht viel angenehmer als die aus dem üblichen Schlachthof.

Und doch: so richtig empören wie als junger Mensch kann ich mich darüber nicht mehr. Die Tierrechtler, die das Tier als Individuum mit eigenem Lebensrecht ansehen, kann ich für ihren moralischen Rigorismus bewundern, doch weiß ich eben auch aus einem schon recht langen Leben, dass ich als „moralisch 150-Prozentige“ alles nur für eine gewisse Zeit durchhalte. Eine „nachhaltige“ Umgewöhnung gelingt nur Schritt für Schritt und über längere Zeit – das jetzt anzugehen, ist mir wichtiger, als stets ohne Sünde zu sein.

Immerhin kann ich schon berichten: mein Appetit auf Fleisch hat drastisch abgenommen! Es scheint fast so, als hätte Fleisch-Essen einen Sucht-Faktor, der verschwindet, wenn man keins mehr konsumiert. Und Fakt ist ja: ich hab früher in aller Regel NICHT das teure Neuland-Fleisch verzehrt, sondern doch den durchwachsenen Speck aus der widerlichen Massentierhaltung. (Alleich schon, weil kein entsprechender Laden in meiner Nähe ist..).

Besser also, man kommt ganz davon weg und erschließt sich eine neue Koch-Routine. Und entdeckt zum Beispiel Räuchertofu als geschmacklich gültigen Ersatz für geräucherten Speck.

Foto: KerstinvdL – Fotolia.com

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Über Claudia Klinger

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10 Kommentare zu Ab und zu Bio-Fleisch?

  1. dirk sagt:

    Ich vermute, wenn überlegene Außerirdische hier landeten und beschlössen uns zu essen, müssten wir das in Ordnung finden, weil wir es selbst stets so hielten. Ausnahmen machen wir für Affen, die uns so ähnlich sind, die verbrauchen wir im Labor. Das dürfen wir bestimmt, wir haben gewonnen, das ist für die Natur Rechtfertigung genug – und weiter als der Löwe sind wir im Bedenken unserer Beziehung zu anderen Wesen nie gekommen.

    Schade finde ich die Distanz, die wir zu solchen Lebenszusammenhängen aufbauen. Dass es z.B. als Zumutung gilt, ein Kind eine Schlachtung sehen zu lassen. Warum nicht Bauernhöfe, auf denen man selber schlachten kann, was man essen will? Nur ab und zu, Arbeitsteilung hat sich ja bewährt. Kochst du anders, mit anderem Gefühl, das Gemüse, dass du im eigenen Garten gezogen hast? Mir scheint das ein großer Schritt, wenn man von Einkauf im Supermarkt ausgeht.

  2. Claudia Klinger sagt:

    Das Kind könnte ja vor Schreck zum Vegetarier werden! Andersrum wär es mir auch nicht sympathisch, wenn Kinder das Schlachten als „ganz normal“ ansehen würden…

    Und übrigens sehe ich uns Menschen nicht als dem Wolf vergleichbar. Der ist ein Fleischfresser bzw. Carnivore, wogegen wir Allesfresser (Omnivoren) sind. Omnivoren sind nicht deshalb erfolgreich, weil sie dauernd ALLES essen MÜSSEN, sondern weil sie aus dem breitesten Spektrum WÄHLEN können. Sich also den jeweiligen Erfordernissen anpassen können, ohne deshalb unter zu gehen oder auch nur doll zu leiden.

    Diesen VORTEIL müssen wir nun einfach mal wieder ANWENDEN und uns zunehmend vegetarisch ernähren. Weil’s richtig ist, weil’s gut ist, weil’s nötig ist.

  3. Menachem sagt:

    Die gute Nachricht zum Umgewöhnen ist vielleicht, das es durchschnittlich nur 66 Tage braucht, bis ein neues Verhalten zur Routine wird. Ich empfinde das als eine äußerst kurze Strecke, zu deren Durchhalten es nach meiner Einschätzung keines allzugroßen eigenen Willens bedarf.

  4. Ruth sagt:

    Ich hatte nach der Umstellung auf eine im Wesentlichen vegetarische Ernährung auch das Gefühl, dass das Fleischessen z.T. suchtbedingt ist. Der Appetit auf Fleisch hat mit der Zeit abgenommen. Es hilft aber auch, dass man einige seiner gewohnten Ernährungs- und Geschmacksmuster jetzt mit vegetarischen Alternativen befriedigen kann, das ist für mich ganz toll: also vor allem vegetarisches Schmalz (dieser Geschmack zum Brot hatte mir sehr gefehlt) und auch V-Wurst, z.B. Bratwurst und so. Dadurch hat man einfach nicht mehr so ein Entbehrungsgefühl. Irgendwie haben ja Essgewohnheiten auch ganz starke Bezüge zu so etwas wie „sich heimisch fühlen“ und so. Jedenfalls für mich.
    Und im Großen und Ganzen bin ich auch der Meinung, dass schon sehr viel gewonnen ist, wenn man den Fleischkonsum stark einschränkt. Es muss nicht immer gleich das Maximalprogramm sein, wenn man irgendetwas verbessern will für sich.
    Ich freu mich über das neue Weblog.

  5. Claudia Klinger sagt:

    Hallo Ruth: Schön, dass du hierher gefunden hast! :-) Und anscheinend bist du mir um einiges voraus mit den Erfahrungen! Vegetarisches Schmalz? Meine Güte, was es doch alles gibt – da hab ich noch viel zu erforschen!
    Das „Maximalprogramm“ soll durchziehen, wer mag (und dann auch kann). Im Moment gibt es für mich noch soviel auszuprobieren, dass ich gar nicht dazu komme, dem Fleisch nachzutrauern. Und die „Ersatzprodukte“ sind ja auch ein weites Feld…

  6. Margit sagt:

    Hallo Claudia, ich halte es schon seit Jahrzehnten so wie im Titel: Ab und zu Biofleisch. Das mag jetzt jeder finden wie er/sie will. Mein Verlangen nach Fleisch auf dem Teller ist von Grund auf äußerst bescheiden. Im Schnitt so alle zwei Wochen mal irgendwas mit „echtem“ Fleisch. Dazwischen wird schon seit vielen Jahren vegetarisch gekocht, auch mit Tofu, Seitan und Tempeh. Wobei ich eher damit ein Problem habe, wo diese Lebensmittel wieder herkommen. Es ist ja gar nicht so einfach, Seitan oder Tempeh zu bekommen, dass keine elendslangen Transportwege hinter sich hat.
    Aber alles 100%ig „richtig“ machen, das geht nun mal nicht.
    Als Kind war ich am Bauernhof meiner Großeltern oft beim Schlachten von Schweinen, Hühnern, Hasen und anderen Tieren dabei und habe auch bei der Verarbeitung mitgeholfen. Das hat meine Lust auf Fleisch schon als Kind ganz schön gebremst – mir tat es einfach leid, „Lisa“ oder „Cäsar“ zu essen, die ich vorher lange Zeit schon kannte.
    Solche Erfahrungen finde ich aber wichtig und Kindern auf jeden Fall zumutbar. Vieles an unseren Ernährungsgewohnheiten würde sich durch „Anschauung“ ändern.
    Liebe Grüße, Margit

  7. Claudia sagt:

    @Margit: deine Bedenken, ständig weit her gereiste Lebensmittel zu kaufen, teile ich! Grade bei „Seitan“ gibt es aber die Lösung, das selber zu machen – es ist sogar mein nächstes Koch-Projekt, ich weiß nur noch nicht, wann ich dazu komme. Es handelt sich dabei ja einfach um Weizeneiweis, an sich nichts Exotisches, wir haben nur keine entsprechende Küchentradition.

    Zur Herstellung gibt es zwei Methoden, eine klassische arbeitsintensive – und eine weitere, die nicht nur schneller und einfacher, sondern sogar preiswerter ist:

    ** Seitan selber machen.

    Sobald ich Methode 2 probiert habe, werde ich berichten! Mich fasziniert die Möglichkeit, damit einen „Grundstoff“ selber machen zu können, den man dann in 1001 Varianten zubereiten kann – auf Sßießen, als Geschnetzeltens, wie Hackfleisch, Asiatisch, mediterran etc. Und ohne dauernd beim Vegan-Versand bestellen zu müssen, geschweige denn aus anderen Erdteilen zu importieren!

  8. Margit sagt:

    Liebe Claudia,
    danke dir für die Antwort und den Link. Das muss ich unbedingt ausprobieren. Klingt gar nicht so kompliziert.
    Bin schon neugierig auf deinen Seitan-Bericht – du bist sicher schneller als ich. Bei mir liegt noch einiges davon im Kühlschrank – das muss erst aufgebraucht werden.
    Liebe Grüße, Margit

  9. Earthling sagt:

    Hallo,
    Es geht auch um die Information die in der Nahrung steckt.
    Diese Informationen sind auch in den „Bio“ Tieren nicht gut.
    Keine Liebe, kein ausreichendes Licht, Bewegungsmangel.

    Beispiele für die Existenz von morphischen Feldern
    http://www.youtube.com/watch?v=nz8zdsLhyag
    Ich habe auf einem Biohof gearbeitet und diese Tiere dort sind leidende Kreaturen.
    Die Wirtschaft macht das Biofleisch, nicht irgend ein Bauer.
    Die Aktien der Biofleisch-Mafia geht Raketenartig in die Höhe.
    Jeder weis das die Welt verdreckt ist und vertraut verzweifelt dem Biosiegel der Nahrungsmittelindustrie.

    Einer meiner Gründe Veganer zu sein:
    „Auf der Fläche eines Grundstückes, das benötigt wird, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten.
    Es werden rund 67% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Tierhaltung und den Futtermittelanbau verwendet.
    Zur Erzeugung von 1 kg Getreide braucht es ca. 100 Liter Wasser, um 1 kg Fleisch zu erzeugen, braucht es 2.OOO bis 15.OOO Liter Wasser.“

    Sehr empfehlen kann ich diesen Vortrag:
    Prof. Dr. Walter Veith – Fleischprodukte 1/7
    http://www.youtube.com/watch?v=lcds_SpMGP0
    Im zweiten Teil wird der gesundheitliche Aspekt angesprochen, den auch der Bio-Fleischesser nicht einfach so verdrängen kann.
    LG

  10. Claudia Klinger sagt:

    @Earthling: ich danke dir für deinen informativen und engagierten Beitrag! Ja, das sind natürlich auch meine Gründe, vom Fleisch wegzukommen. Und ich bin durchaus motiviert, auch andere Produkte vom Tier wenigstens zu vermindern (die Soja-Sachen sind ja z.B. oft ein wirklich sehr akzeptabler Ersatz. ). Allerdings sehe ich das Ganze halt als einen Weg, eine Entwicklung, die auch mit viel Forschen, Ausprobieren, Informieren verbunden ist – und ich rechne damit, dass sich das eigene Potenzial „in Richtung vegan“ auch verändert im Lauf des vegetarischen Lebens. Radikales Umstellen ist für mich nicht das Wahre: dann überkommts mich nämlich irgendwann und ich häng das ganze Veggi-Zeugs frustriert an den Nagel!

    Außerdem: wenn ich mit diesem Blog ein paar Menschen inspiriere, das Fleisch zunehmend wegzulassen, ist das für „die Sache“ effektiver, als wenn ich mich krampfhaft unter die total konsequenten Veganer einzureihen versuche, obwohl ich mich noch nicht danach fühle.

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