Allein in deutschen Krankenhäusern sterben jährlich ca. 30.000 Menschen an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Keimen (s. Ärzteblatt). Üblicherweise wird dieses Thema als „Hygiene-Problem“ diskutiert: dass man die Keime nicht wegbekommt, erscheint als Ursache des Übels, nicht etwa die gruslige Tatsache, dass die vorhandenen Antibiotika gegen immer mehr Keime nicht mehr wirken.

Und warum wirken sie nicht mehr? Das liegt, wie sich immer deutlicher zeigt, an den häufigen Gaben von Antibiotika in der Massentierhaltung, die die Entwicklung resistenter Keime massiv begünstigen.

In diesen Tagen soll eine im Auftrag des nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministeriums durchgeführte Studie über die Hähnchenmast veröffentlicht werden, aus der der SPIEGEL vorab berichtete:

„Danach seien in 83 Prozent der untersuchten Mastdurchgänge antimikrobiell wirksame Mittel verabreicht worden. Mäster hätten bis zu acht verschiedene Antibiotika ins Futter gemischt. …… Die Überwachungsbehörden haben dem NDR-Bericht zufolge die Daten von 962 Hähnchenmastdurchgängen aus 182 Betrieben im ersten Halbjahr 2011 ausgewertet. Die Studie legt demnach den Schluss nahe, dass Mäster Antibiotika trotz Verbots als Wachstumsdoping einsetzen.“


Zwar ist letzteres verboten, doch wer könnte je nachweisen, dass der jeweilige Einsatz der Antibiotika NICHT der Bekämpfung von Krankheiten im Bestand dient? Wenn 35.000 Hühner in einem Stall stehen, sind – was ja nicht wundert – immer einige krank. Behandeln kann man in der Massentierhaltung eben immer nur alle auf einmal. Und es geht nicht nur um Hähnchen: Laut SPIEGEL („Resistente Keime erobern die Umwelt“) schätzte das Bundesamt für Risikoforschung für 2010, dass Schweine im Schnitt 5,9 und Rinder 2,3 Mal Antibiotika bekamen, bevor sie auf der Schlachtbank landeten.

Helfen Grenzwerte?

Der Gesetzgeber will die Verbraucher mit Grenzwerten schützen: gegen Ende der Mast (bei Hähnchen nur 35 Tage!) wird eine Pause eingelegt, damit die Antibiotika-Konzentration unter diese Werte sinkt. Allerdings haben Wissenschaftler an der Universität Uppsala heraus gefunden, dass resistente Keime auch schon bei kleinsten Mengen unterhalb der Grenzwerte entstehen.

Zurück ins Mittelalter? Oder doch Fleisch-Verzicht?

Das Thema wird zwar brav immer mal wieder quer durch die Presse gereicht, aber so richtig scheint es die Öffentlichkeit nicht zu interessieren. Sonst wäre der Fleischkonsum ja deutlich rückläufig, denn – eigentlich – lässt man doch etwas eher weg, wenn man weiß, dass man sich durch den Verzehr großen Gefahren aussetzt. Gegen Infektionen keine Mittel mehr zu haben, wird uns in mittelalterliches Elend zurück versetzen. Allein die 30.000 Sterbefälle in den Krankenhäusern sollten doch Grund genug sein, massiv gegen die Ursachen vorzugehen. Was hat man vergleichsweise nicht alles getan, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken! Da ging es auch um eine für Deutschland als superwichtig eingeschätzte Industrie.

Statt dessen exportieren wir die antibiotika-verseuchten Hähnchen auch noch in alle Welt, insbesondere nach Afrika.

Wenn der Staat nichts tut und die Unternehmen machen, was sie wollen, bleibt nur die Macht des einzelnen: Kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen – so einfach ist das!

Wer nicht gänzlich verzichten will, hat ja durchaus Alternativen: Bio-Fleisch, Wild, Fleisch von frei lebenden Tieren (argentinische Rinder, neuseeländische Schafe etc.). Klar kann man auch all das im Sinne einer Veggi-Moral kritisieren, doch wird man damit weniger Menschen erreichen als mit der Empfehlung, doch zumindest die Produkte der Massentierhaltung zu vermeiden, wo es geht.

Erst gestern hab‘ ich wieder mal einem Fleisch-essenden Freund Seitan vorgekocht. Es hat ihm toll geschmeckt, er wird es in seiner Familie ausprobieren!

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Über Claudia Klinger

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Ein Kommentar zu Resistente Keime: Massentierhaltung kostet Menschenleben

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