Derzeit jagt ein Lebensmittel-Skandal den anderen: erst das Pferdefleisch, dann die Bio-Eier, die keine waren, jetzt wurden zigtausende Tonnen verseuchtes Futtermittel entdeckt, das zu großen Teilen bereits verfüttert wurde. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium veröffentlichte den Fund gestern in einer Pressemitteilung:

Die betroffene Sendung Mais, die insgesamt 45.000 Tonnen umfasste, wurde über den Hafen in Brake importiert. 10.000 t dieser Lieferung konnten in Brake gesperrt werden, 25.000t in einer Lagerhalle in Bremen wurden ebenfalls gesperrt. Ca. 10.000t wurden jedoch an 13 Futtermittelhersteller in Niedersachsen ausgeliefert, die den Mais zur Herstellung von Mischfuttermitteln für Rinder, Schweine und Geflügel verarbeitet und an insgesamt 3560 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen sowie 14 landwirtschaftliche Betriebe in Nordrhein-Westfalen ausgeliefert haben.

Aflatoxin B 1 ist ein Schimmelpilzgift, das u. a. von dem natürlich vorkommenden Pilz Aspergillus flavus gebildet werden kann und eine starke krebserzeugende Wirkung zeigt. Lebensmittel und Futtermittel unterliegen deshalb strikten Höchstmengenregelungen.

Die Verfütterung belasteter Futtermittel an Tiere kann zu einem Risiko für die Sicherheit der erzeugten Lebensmittel führen. Nach einer ersten vorläufigen Einschätzung ist eine Belastung der Muskulatur (Fleisch) bei allen Tierarten und Nutzungsgruppen oberhalb der geltenden Höchstgrenze jedoch nicht zu erwarten. Schon geringe Höchstmengenüberschreitungen in Futtermitteln, die an Milchkühe verfüttert werden, können jedoch zu Höchstmengenüberschreitungen in der erzeugten Rohmilch führen.

Nun sind alle wieder entsetzt und ich lese hier und da Kommentare, dass es nun auch die Vegetarier treffe und man „gar nichts mehr“ essen könne. Dass man gut auch ohne Milchprodukte auskommen kann, hat sich offenbar noch nicht allgemein herum gesprochen. Trotz der vielen Artikel über Veganismus, die zunehmend hier und da auch in der Mainstreampresse erscheinen.

Skandale: Die Masse machts

Hätten wir noch kleine übersichtliche Höfe, die ihr Futter selbst anbauen oder in entsprechend kleinen Mengen einkaufen, wäre es kein Problem für einen Bauern, einen Fehlkauf wegzuwerfen. Da aber in unserer Massenfleisch- und Milchwirtschaft immer gleich zigtausend Tonnen (Futtermittel, Gammelfleisch etc.) gehandelt werden, wäre es für die jeweiligen Akteure ein Riesenverlust, so eine Menge einfach zu entsorten. Also sehen sie zu, dass sie den Mist los werden, Gift hin oder her. Es verteilt sich ja am Ende, wird auf verschwindend kleine Mengen „verdünnt“ – was soll da schon passieren?

Gut, dass jetzt GRÜNE in Niesersachsen genauer hinschauen! Der Takt der Skandale dürfte sich erhöhen, ob es etwas nützt, wird man sehen! Eine wirkliche Veränderung würde allerdings die Abkehr von der Massentierhaltung bedeuten – und entsprechend die Abkehr vom massenhaften Verzehr von Tierprodukten.

Ich hätte übrigens bei meinem „Ausstieg aus der Fleischwirtschaft“ nicht gedacht, dass ich auch bald auf Milch und Käse verzichten würde. Wie es doch dazu gekommen ist und wie es auch recht gut geht, steht in meinem letzte Woche erschienenen Buch „Unverbissen vegetarisch – der lockere Einstieg in ein fleischfreies Leben“.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Diesen Artikel weiterempfehlen:


[diese Buttons übermitteln vor dem Klick KEINE Daten!]

Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Futtermittel mit krebserregendem Schimmelpilz verseucht

  1. Olaf sagt:

    Hallo!
    Du glaubst doch nicht wirklich, daß sich durch die rot/grüne (v.a. die) Regierung irgendetwas ändert in Niedersachsen? Jetzt gibt es erst einmal wieder groß Getöse von wegen „Roß und Reiter nennen“ usw. (auch auf Bundesebene) – und dann verläuft alles wieder im Sande, weil ja, angeblich, Fantastilliarden Arbeitsplätze an der (Ekel-) Landwirtschaft(sindustrie) und Lebensmittelindustrie hängen – und es nur nicht um Gewinnmaximierung der Eigentümer/Aktionäre geht. Die entsprechenden Lobbyisten werden schon durch „intensive Gespräche“ dafür sorgen, daß alles weiterhin „in geordneten Bahnen“ läuft …
    Na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Gruß

  2. Olaf sagt:

    Ach so, ich (wie wohl so viele …) vergaß:

    Kann sich noch jemand daran erinnern, daß es auch schon 2005 einen Pferde-/Gammelfleischskandal in NDS und NRW gab? 90 Tonnen vergammeltes Pferde-, Rind- u. Schweinefleisch wurden gefunden (Die mehrfache Menge war da wahrscheinlich schon, zum Glück der „seriösen Produzenten“, verzehrt …) und Pferde- als Rindfleisch deklariert.
    Und was ist passiert? Nichts!
    Und dabei ist es eben wirklich vollkommen egal, welcher Coleur die Regierungen auf Landes- u. Bundeseben (EU-Ebene usw.) sind, die haben erst einmal von nichts keine Ahnung und holen sich dann ihre Berater aus den entsprechenden Wirtschaftsunternehmen … Hm, wer gut schmiert, der gut fährt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*