Die Überschrift mag manchen etwas zu drastisch vorkommen, doch leider ist es wirklich wahr: Wovor Experten seit Jahren warnen, ist heute für immer mehr Menschen tödlicher Alltag in den Krankenhäusern. Resistente Keime, Bakterien aus der andauernd Antibiotika missbrauchenden Massentierhaltung verbreiten sich durch Menschen, die dort arbeiten, durch Gülle, die in Unmengen auch auf Gemüsefeldern ausgebracht wird, durch das Fleisch selber – und sogar durch die Luft!

Killerkeime – eine unheimliche Entwicklung

170.000 Menschen in europäischen Krankenhäusern erleiden jährlich Infektionen, die nicht mehr mittels üblicher Antibiotika bekämpfbar sind. Amputationen und Tod sind die Folge. Dass neuerdings nicht mehr allein unhygienische Zustände in Krankenhäusern die Ursache sind, sondern neuartige, mutierte Bakterien aus der Massentierhaltung die Gefahr potenzieren, zeigt die ARTE-Doku “Killer-Keime – Gefahr aus dem Tierstall”:

Hier ein paar Fakten aus dem beeindruckenden Film:

  • Allein in Deutschland werden 1.700 Tonnen Antibiotika in der industriellen Tierzucht eingesetzt.
  • 50% der Schweinehalter sind MRSA-positiv; 70% aller Ställe sind MRSA-verseucht;
  • Das Robert Koch Institut stellte fest, dass sich die Keime auch über das Tauwasser von tiefgefrorendem Fleisch verbreiten, 30% der untersuchten Masthähnchen-Proben waren MRSA-verseucht;
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung fand MRSA auch im Frischfleisch Hähnchenfleisch war zu 22 Prozent, Putenfleisch zu 42% befallen;
  • ESBL-bildende Darmbakterien (=gegen mehrere Antibiotika resistent) wurden in 30% der Fleischproben aus Supermärkten gefunden;
  • Jeder, der Fleisch zuhause zubereitet, ist potenziell betroffen und verteilt die Keime leicht in der ganzen Küche; Gelangen diese in den Magen, geben sie ihre “Resistent-Information” an die natürliche Darmflora weiter; Als Träger ist man noch nicht gleich krank, doch gelangen die Bakterien in die Blutbahn (z.B. durch kleine Verletzungen, aber auch durch Behandlungen auf der Intensivstation), kann es zur Sepsis kommen;
  • In Niedersachsen (63 Mio Masthühner!) wurden MRSA und ESBL-Keime, die über die Abluft der Ställe in die Umwelt gelangen, in einem Radius von einem Kilometer rund um die Betriebe gefunden.
  • Gefahr aus der Gülle: Im Jahr kommen 2 Mio Tonnen Tierkot auf die Felder – und damit auch die resistenten Keime aus den Ställen; Fritz Tietkemaier (Mikrobiologe Fachhochschule Münster) hat auf dem Markt gekauftes Gemüse getestet und fand infektiöse Keime auch auf Bio-Gemüse – 14 von 30 Proben (Kartoffeln, Tomaten, Gurken..) waren kontaminiert.

Man könnte etwas ändern, wenn man wollte

Der Film zeigt nicht nur die Ursachen der Keimbelastung auf, sondern auch Wege, sie einzudämmen oder gar ganz zu beseitigen. Dies wäre mit einem völlig anderen, sehr viel restriktiveren Antibiotika-Management und mit einer Abkehr von der Tierhaltung in Mega-Ställen durchaus möglich:

Keine engen Aufzucht-Zeitpläne, Therapie einzelner Tiere und nicht ganzer Ställe, wenn eines erkrankt. Kein Vertrieb von Antibiotika über Tierärzte (deren halbes Einkommen so zustande kommt) sondern über Apotheken, nur ein “zuständiger” Veterinär pro Hof und vor allem: Haltung in kleineren Einheiten, Bio-Aufzucht mit EINSTREU, keine Spaltenböden und vieles mehr.

In Dänemark hat man mittels verschiedener Methoden die Gabe von Antibiotika in den Ställen um ein Drittel reduziert – dennoch breiten sich die Keime immer weiter aus, immer mehr Patienten in den Krankenhäusern tragen die resistenten Keime und müssen aufwändig isoliert werden. In Deutschland und Frankreich wird noch kaum gegen die Gefahr vorgegangen, die Situation ist also noch viel gefährlicher. 90% der Krankenhäuser seien auf den Umgang mit infizierten Patiten und dadurch verursachten Infektonen gar nicht vorbereitet, sagt ein Experte im Film. Für mich heißt das im Klartext: es ist praktisch lebensgefährlich, ein Krankenhaus zu betreten!

Am Ende zeigt der Film eine Bio-Geflügelzucht ganz ohne resistente Keime: Einstreu, viel Platz, Zugang zum Freiland, genug Zeit für die Aufzucht, so dass auch Krankheiten einfach “durchgemacht” werden können. Ein Bio-Schweinestall ohne Antibiotika-Einsatz und einer anderen Ernährung der Schweine dient ebenfalls als leuchtendes Beispiel. Würden Tiere nurmehr so gehalten, wäre Fleisch wieder Luxus – aber das Problem resistenter Keime gelöst.

Kommt es zu keiner Umkehr, werden Zustände wie VOR der Erfindung der Antibiotika eintreten. Jede Infektion kann dann wieder tödlich sein – im Regelfall, nicht als Ausnahme.

Fleischverzicht reicht nicht

Wie man an alledem leicht sieht, bedeutet der Fleischverzicht zwar eine Verringerung der Gefahr, aber sicher ist man deshalb lange nicht: Über die Luft, über Krankenhaus-Aufenthalte, selbst über Bio-Gemüse kann man sich die Keime einfangen. Und die Massentierhaltung nimmt ja nicht etwa ab, weil in Deutschland immer mehr Menschen weniger Fleisch essen oder gar Veggies werden. Ganz im Gegenteil werden in Norddeutschland immer mehr Mega-Ställe erbaut, der Export in alle Welt boomt.

Profitgierige Tierfabrikanten, unterstützt durch eine massentierhaltungsfreundliche Gesetzeslage und willfährige Politiker setzen unser aller Leben aufs Spiel. Ganz normal, ganz demokratisch, ganz legal!

***
Film-Wiederholung auf ARTE:
Sa, 25.01. um 13:05 Uhr

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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6 Antworten auf Die Massentierhaltung bringt uns um – vegan-vegetarisches Leben schützt nicht!

  1. Pingback: Die Massentierhaltung bringt uns um – veg...

  2. Elvira sagt:

    Im gerade veröffentlichten Fleischatlas kommt man auch zu der traurigen Wahrheit, dass, selbst wenn ad hoc alle Deutschen Vegetarier würden, das Problem nicht behoben, sondern nur verlagert wird. Bedingt durch den wachsenden Fleischkonsum in den asiatischen Ländern und in Afrika.

  3. gerade veganer lebensstiel und am besten noch roh wuerde das problem endgueltig stoppen. keime koennen sich nur im sauren milieu einnisten. eine intakte darmflora und ein gesunder ph wert sowie ein starkes immunsysthem sind die garantie. das eigentlich problem sind nicht bakterien, keime und mikroorganismen, sonder ein vergifteter koerper und ein saures milieu mit faeulnissbakterien und antibiotikum.

  4. Claudia Klinger sagt:

    @hubertus: sorry Hubertus, da bin ich andrer Meinung. Auch Roh-Veganer verzehren Bio-Gemüse und kommen mal ins Krankenhaus, können sich die MRSA-Keime also einfangen – die dann “ganz natürlich” ihre Resistenz-Information an die vorhandene Darmflora weiter geben. Das allein ist ja noch nicht der Schaden, der tritt erst dann ein, wenn sie in die Blutbahn gelangen. Und ich glaube nicht dran, dass Roh-Veganer gegen alle Infektionen gefeit sind – abgesehen davon, dass diese extreme Ernährung nun wahrlich nicht massenkompatibel ist, sondern nur einer kleinen Elite möglich.

    Politisch und gesamtgesellschaftlich halte ich es auch für einen Fehlweg, alles aufs Individuum zu schieben und die gesamte Landwirtschaft von der Verantwortung zu entlasten. So nach dem Motto: selber schuld, könntest dich ja roh-vegan ernähren…

  5. Manfred Gerber sagt:

    Ob Keime auf dem Gemüse landen, hängt mit der Kulturart der Bauern zusammen. Beim Umweltbund betreiben wir einen rein pestizidfreien Anbau(auch keine Biopestizide) und düngen und desinfizieren die Blätter mittels alkalischer Blattdüngung.
    Diese Blattdüngung tötet als Nebenwirkung Bakterien und Pilze auf der Blattoberfläche ab. Zudem enthalten die Lebensmittel deutlich mehr Calcium und Magnesium, als konventionelle oder Biolebensmittel. Mehr Info auf:
    http://www.umweltbund.de/pflanzenbau

  6. Artur Jauk sagt:

    Die Fleischproduktion wird auch subventioniert. Wenn diese wegfallen würde, dann würden die meisten sehen wie teuer das Ganze in Wirklichkeit ist.

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