Zufällig hatte ich bei Peter (Die Umsteiger – weg vom Fleisch) mitbekommen, wie er eine neue Fleischalternative rühmte: Ganz großartig seien diese “Wie-Bacon”-Würfel – und auch die anderen Varianten (wie Rind, wie Huhn) seien sehr gut, wenn auch nicht ganz so umwerfend.

Klar, dass mich das neugierig machte! Mit wenigen Klicks fand ich den Hersteller und staunte nicht schlecht, denn da heißt es tatsächlich:

“Veganer Fleischersatz, der wieFleisch schmeckt. Ohne Soja, ohne Tofu. wieFleisch aus Gemüse!”

Zu meinem Erstaunen enthalten die “Gemüsezubereitungen mit Fleischgeschmack” auch kein Weizeneiweiß (Gluten, Seitan) und nicht mal Lupinenmehl, mit dem seit einiger Zeit versucht wird, eine weitere Fleischalternative zu etablieren – mit nach meinem Empfinden eher weniger Erfolg.

Transparenz-Info: Bevor Ihr weiter lest, sollt Ihr wissen, dass ich die Firma, die die neue Alternative unter dem Namen “WieFleisch” vermarktet, sofort anmailte und ums Zusenden einer Warenprobe bat! Schließlich sind Fleischalternativen ein Schwerpunktthema dieses Blogs und wenn Peter etwas in diesem Sektor gut findet, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Weil ich weiß, dass es etliche Menschen gibt, die aus unterschiedlichen Gründen weder Sojafleisch, noch Seitan, noch Tofu als Fleischalternative akzeptieren, fand ich “WieFleisch” umso spannender: Es basiert tatsächlich auf Zwiebeln, Karotten, Erbseneiweiß und Erbsenfasern – warum da wohl vorher noch niemand drauf gekommen ist? Reich an Ballaststoffen, Eisen und Proteinen, ohne Konservierungsstoffe – was will mensch mehr? Nun muss es nur noch schmecken, ich war sehr gespannt!

Was ankam, waren drei Familienpackungen (!) mit jeweils 500 Gramm Wiefleisch der drei Sorten “wie Bacon”, “wie Huhn” und “wie Rind”. Du lieber Himmel – für einen Single-Haushalt war das eine ganze Menge, ich hatte eher mit den 200-Gramm-Packungen gerechnet. Die Schnetzel und Würfel in den Kunststoffbeuteln sehen so aus:

wie Huhn, Bacon, Rind

Von links nach rechts: Wie Huhn, wie Bacon, wie Rind. Auf jeder Packung klebte ein Aufkleber mit der Zutatenliste, die bei allen drei Sorten gleich lautete:

Zutaten: Gemüse 38% (Karotten, Zwiebeln), Wasser, 20% Erbsenprotein, Erbsenfaser, Kartoffelstärke, Sonnenblumenöl, natürliche Aromen, Salz.

Nährwertangaben pro 100g:
Brennwert 160kcal / 675kJ;
Einweiß: 20 gr;
Kohlenhydrate: 8,9 gr
Fett: 3,8 gr;

Zur Haltbarkeit steht zwar auf den Packungen, man müsse sie nach dem Öffnen binnen drei Tagen verbrauchen, aber daran hab’ ich mich nicht gestört sondern alle drei aufgeschnitten. Schließlich soll sich so ein Produkttest nicht über Wochen hinziehen, zur Not würde ich es halt einfrieren. Optisch sahen die Teile schon mal recht appetitlich aus:

Erster Geschmackstest: Schon “pur” ganz angenehm

Der erste Geschmackstest aller drei Sorten war vielversprechend. Es ist ja durchaus üblich, dass die Hersteller von Fleischalternativen das “Geschmack geben” nicht vorwegnehmen, sondern weitgehend uns überlassen. Bei Trockenssoja geht es nicht anders, bei Tofu hat das viele nachhaltig abgeschreckt, so dass es mittlerweile doch etliche vorgewürzte Sorten gibt.

Mit WieFleisch haben die Hersteller tatsächlich die gute Mitte getroffen: alle drei Sorten schmecken schon ein bisschen nach ‘was, aber nicht zu sehr. Die Bacon-Variante hat auch mir sofort am besten gemundet, danach folgten Rind und Huhn so ziemlich auf gleicher Höhe.

Die Teile sind natürlich nicht dafür gedacht, “roh” verspeist zu werden, man darf also keinen Wow-Effekt erwarten wie bei einem guten Fertiggericht. Dennoch war ich jetzt schon sicher, dass die Bacon-Variante – entsprechend gewürzt und gebraten – ihren Dienst als Schinkenwürfel-Ersatz sehr gut leisten würden. Die Wie-Rindfleisch-Variante erinnerte mich tatsächlich ein wenig an den Geschmack von Trockenfleisch. Wie-Huhn schmeckte dagegen eher neutral, was allerdings ein sehr subjektiver Eindruck ist. Ein Freund, der später ebenfalls probierte, fand nämlich, es schmecke tatsächlich ein wenig “wie Huhn”. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen! Anders als er hätte ich mir die Würfel und Schnetzel auch einen Tick salziger gewünscht, doch verstehe ich, dass die Hersteller da nicht vorgreifen wollen. Viele Veggies bemühen sich ja eher um eine weniger salzige Kost.

Die Konsistenz der WieFleisch-Produkte ist nun das, was wahrlich beeindruckt! Sie kommt wirklich näher ran an die Originale als die meisten anderen Alternativen, die ich kenne (nur MockDuck kann Geflügel besser faken, ist aber als Fertiggericht nicht wirklich vergleichbar). Genau der richtige Biss, nicht zu weich, aber auch nicht zäh, nicht auseinander fallend und nicht so extrem faserig wie Sojafleisch, aber ohne dass man das vermisst. Auch erinnert NICHTS an das Oszillieren zwischen Gummi-artig und schwammig, das man vom selbstgemachten Seitan kennt. Großes Lob den Erfindern an dieser Stelle!

Wie Fleisch – angebraten

Ein paar Schnetzel von jeder Sorte hab ich dann erstmal mit Salz und Pfeffer gewürzt und kräftig angebraten. Leider bin ich keine gute Food-Fotografin, aber ein Bild ist immer besser als nichts:

Eine weitere Variante mit Zwiebeln und Mangold zeigt das erste Foto weiter oben in diesem Artikel. In den nächsten Tagen hab’ ich mir oft solche schnellen Imbisse mit WieFleisch zubereitet, hier zum Beispiel Wie-Huhn auf Salat:

Am schnellsten aufgebraucht waren die Wie-Bacon-Würfel, die mir mit Abstand am besten schmeckten. Ich verwendete sie überall, wo normalerweise Räuchertofu zum Einsatz gekommen wäre. Die Wie-Huhn-Variante kam als Geschnetzeltes in Champignon-Sojasahne-Soße, die Wie-Rind-Streifen ergaben ein gutes Gulasch. Wie immer hängt das Gelingen all dieser Gerichte von der Zubereitung ab: die Würzung bzw. das vorherige Marinieren, die Kräuter und das Begleitgemüse “machen” den Geschmack. Wenn das Ausgangsprodukt für die vegane “Fleischeinlage” dann eine derart gute Konsistenz mitbringt wie das innovative “Wiefleisch”, die sich auch gebraten und gekocht nicht wesentlich verändert, ist das optimal.

Ich war also rundum angetan, von Wie-Bacon sogar richtig begeistert! Dass man die geöffneten Beutel binnen drei Tagen verbrauchen soll, erwies sich zum Glück als reine Schutzbehauptung. Ich brauchte über eine Woche, um die 1,5 Kilo zu verwerten und noch immer waren die Schnetzel im Kühlschrank voll in Ordnung – nicht der Schimmer schlechten Geruchs oder sonstiger Veränderungen.

Alles super also? Kein Haken an der Sache?

DOCH!!! Und zwar ein ganz gewaltiger, der mich sogar von einer weiteren Bestellung absehen lässt.

Verpackung und Kühlmaterial: eine krasse Umweltbelastung!

Auf den ersten Blick meinen es die Hersteller (Peter Zenz GmbH) gut mit der Umwelt, denn sie versenden die Pakete immerhin CO2-neutral:

Allerdings ist es angesichts der Verpackung mehr als fraglich, ob so ein Produkt überhaupt versendet werden sollte, wenn es einen derart massiven Kühl- und Verpackungsaufwand benötigt, wie es “Wiefleisch” offenbar braucht.

Was zwecks Belieferung von nur drei Tüten Fleischalternative á 500 Gramm bei mir ankam, war ein schickes, innen und außen mit Alufolie kaschiertes Paket aus extrudiertem Polystyrol (XPS), das einiges an Plastikmaterial enthielt:

Alu-Verpackung

Über Alu-Verpackungen schreibt der BUND / Friends of the earth:

Für die Herstellung von Aluminium werden große Mengen Rohstoffe und Energie benötigt. Zum Abbau des Vorstoffes Bauxit werden brasilianische Regenwälder und sibirische Urwälder gerodet und große Landstriche zur Energiegewinnung durch Staudämme unter Wasser gesetzt. Bei der Erzeugung fallen hochgiftige Abfallprodukte an, wie schwermetallhaltige Schlämme, klimaschädliche Fluorkohlenwasserstoffe, das ätzende Fluorwasserstoff sowie Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid – die Mitverursacher von saurem Regen.

Da wir uns an Plastiktüten als schier unvermeidlich gewöhnt haben und das, was Plastik in der Umwelt anrichtet, allgemein bekannt ist, halte ich mich mit den Tüten hier nicht weiter auf. Aber was jetzt kommt hat mich schier aus den Socken gehauen:

Was Ihr auf dem Bild seht, sind die Kühlpacks, die zur Kühlung des eigentlichen Paket-Inhalts offenbar erforderlich waren, diesen an Gewicht aber bei weitem übertrafen! Ich hab’ das Ganze auf der Küchenwaage ausgewogen: Es sind stolze 2,4 Kilo Kühlpacks, die hier 1,5 Kilo Fleischalternative begleiten.

Angesichts dieser Verpackungs- und Kühlungs-Orgie wirkt der Aufkleber “Responsible Delivery” fast schon ein wenig zynisch. Selbst wenn das bloße Transportgewicht durch Ausgleichsmaßnahmen des Transportunternehmens “neutralisiert” wird, bleibt doch immer noch der Fakt, dass das enthaltene Gefriergel erst hergestellt, in die Tütchen-Matten gepackt und herunter gekühlt werden muss (=Energieeinsatz). Ob das Gefriergel für sich genommen irgendwie schädlich ist (ich hatte es schnell an den Fingern), konnte ich nicht ermitteln, da beim Hersteller der Kühlpacks keine Angaben über deren Inhalt gemacht werden.

Fazit: Ein tolles Produkt in einer viel zu aufwändigen, aufgrund des XPS-Dämmststoffes unverrottbaren Verpackung, die nurmehr verbrannt werden kann (das sogenannte “thermische Recycling”). Umgeben von zweifelhaften Kühlelementen, die das Gewicht des Pakets fast verdreifachen.

Und all das dafür, damit ich in Gemüse-Schnetzel mit dem “richtigen Biss” und gut gefakter Fleischanmutung beissen kann, sofern ich per kochen, braten, würzen alles richtig mache.

Ist es das wert? Für mich nicht.

Die Alternative: Bringt WieFleisch in die Läden!

Ob der Verpackungs- und Kühlaufwand wirklich so groß sein muss, um irgendwelchen Vorschriften zu genügen, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich bei Veganwonderland kühlungsbedürftige Ware bestelle, wird mir angeboten, optional ein oder zwei kleine (!) Kühlpacks dazu zu kaufen. Die Waren kommen in Pappkartons, übers Wochenende wird auf Wunsch nicht versendet, damit keine lange Pause entsteht. Ob das auch mit Wiefleisch so gehen könnte? Ich weiß es nicht. Aber: Warum die Produkte nicht über Läden vertreiben? Die Bio-Läden und erst recht die Vegan-Läden bieten ja bereits Fleischalternativen verschiedenster Art an. Warum nicht auch WieFleisch?

Im Grunde bräuchte es “vegane Metzger”, die sämtliche Fleischalternativen anbieten und auch selbst zubereiten. Dass man sich sein Soja-Steak selber einweichen/vorkochen und marinieren muss, ist doch ziemlich vorgestrig. Auch die Seitan-Zubereitung könnten vegane Metzger machen – und vorgewürztes WieFleisch wäre in solchen neuen Feinkost-Läden gewiss ein Renner!

***

Update: Die Akquise von Metzgereien und Gastronomie-Betrieben für WieFleisch sollte der Peter Zenz Gmbh nicht schwer fallen, da sie (wie ich erst nachträglich ergoogelt habe) mit der Marke “Zenz-Fleisch” seit 30 Jahren im klassischen Fleischgeschäft aktiv ist.

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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29 Antworten auf WieFleisch: kein Gluten, kein Soja, kein Tofu – neue Fleischalternative ausprobiert

  1. Homeveganer sagt:

    Danke für den Tip, das werde ich sicher irgendwann mal probieren. Das Problem mit Verpackung/Versand ist halt (noch) unser Minderheitenproblem :) Viele Hersteller sind sicher gar nicht in der Lage, dass sie damit große Ketten beliefern könnten. Ich muss mir auch immer wieder die ein oder andere Leckerei bestellen :) Unser schlechtes Gewissen sollte sich dabei aber in Grenzen halten. Ich denke 7x pro Woche Wurst und Fleisch beim Metzger um die Ecke gekauft richten weitaus mehr Schaden an, als unsere gelegentlichen Fresspakete ;)

  2. Pingback: Von Fleischalternativen und kleingärtnerischer Nutzung › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  3. Sczilla sagt:

    Wenn ich mir die Zutatenliste so anschaue, kommt der Geschmack wohl hauptsächlich von den zugesetzten “natürlichen” Aromata. Mich schreckt derlei immer ab, weil ich mir nicht sicher bin, ob mein Körper mit solcher Vorgaukelei zurecht kommt.

  4. Claudia sagt:

    @Scilla: ich finde die Zutatenliste vergleichsweise super – jedes klassische Tier-Würstchen hat weit mehr fragwürdige Zusatzsstoffe.

    Wenn Nicht-Fleisch wie Fleisch schmecken soll bzw. in die Richtung gehen, muss der Geschmack ja irgendwoher kommen.

  5. sunrose sagt:

    Ich verstehe immer nicht so ganz, warum überhaupt ein Fleischersatz solcher Art nötig sein soll. Wenn ich mir die Zutaten anschaue, dann weiß ich, dass ich die gleichen Sachen auch so essen und daraus ein leckeres Gericht machen kann. Und dann ist es wenigstens noch frisch, nicht derart “tote” Materie. Als ich Kind war gab es bei uns immer vegetarische Frikadellen auf Getreidebasis, die Mischung hat meine Mutter immer selbst gemacht, die haben mindestens so lecker wie Fleischklößchen geschmeckt, weil die Gewürze gestimmt haben. Das ist möglich.

  6. Claudia sagt:

    @sunrose: natürlich ist das MÖGLICH und es gibt wohl kaum Menschen, die auf ihrem Weg Richtung pflanzliche Ernährung noch keinen Getreideburger probiert haben.
    Ja, das kann durchaus “lecker” sein – aber es ist eben ETWAS GANZ ANDERES! Das ist ungefähr so, wie wenn du jemandem sagst, er/sie solle auf Nudeln ganz verzichten und statt dessen Zucchini-Spaghetti und derlei Rohzeugs essen – manche wollen, können und machen das, aber nicht sehr viele!

  7. Rainer sagt:

    Sehr interessant. Wenn du dich so sehr dafür interessierst könntest du auch mal like meat ausprobieren.
    Ich war bei Hodenhagen in dem Tier und Vergnügungspark. Da gibt es ein Restaurant. Als Vegetarier, der immer etwas neugierig ist, wollte ich dann die vegetarischen “Chicken”nuggets.
    Als sie mir das Essen brachten, dachte ich erst, es seien echte mit Fleisch. Also ein Stück vorsichtig auseinander gepuhlt. Selbst da sah es auch noch aus wie Fleisch. Ich wollte mich beschweren und rief die Kellnerin. Schließlich wollte ich doch doch die vegetarischen Nuggets. Die gute Frau versicherte mir, dass das garantiert die vegetarischen seien. Sie hatte sogar einen Zettel dabei, wo die Firma das Produkt kurz vor stellt. Und selbst als ich es dann gegessen hatte, schmeckte es fast genau so wie die “normalen”! Nur wenn man sich darauf konzentriert und man genau weiß wie die Fleischnuggets schmecken, erkennt man den Unterschied. (Ein Freund von mir, der normalerweise Fleisch isst, war total verblüfft.)
    Wenn ich dich neugierig gemacht habe, kannst du ja mal nach likemeat googlen oder dein Glück im tegut versuchen. Dort werden die Produkte auch manchmal verkauft. Kommt aber auf die Nachfrage an.

  8. Sczilla sagt:

    @Claudia: Den Einsatz von Aromaten finde ich (egal wo) bedenklich, weil im Zuge dessen gerne minderwertige Zutaten verwendet werden. Der fehlende Eigengeschmack wird dann durch Aromazusätze ausgeglichen. Normalerweise erkennen wir schlechte Zutaten am schlechten Geschmack. Durch Aromastoffe wird unser eingebautes Warnsystem übertölpelt.

    Ich probiere gerne Neues aus, auch wenn es nicht „vollwertig“ ist; damit ich weiß, was so auf dem Markt ist. Bei Aroma aber setze ich eine strikte Grenze; ich mag keinen Beschiss.

    Vor einigen Jahren kamen Molkedrinks in Mode. Sie wurden als „gesund“ verkauft. Tatsächlich ist Molke ein Abfallprodukt aus der Herstellung anderer Milchprodukte, das man sonst teuer entsorgen müsste. Also hat man den Schuh umgedreht und daraus ein neues Lifestyle-Produkt kreiiert (das sich bis heute am Markt gehalten hat).

    Im rezensierten Produkt werden +20% Erbsenfasern & Erbsenprotein verwendet. Erbsenfasern werden hergestellt aus den (als nicht genießbar verworfenen) Schalen der Erbsen-Hülsenfrüchte. Erbsenprotein ist ein Extrakt – man kann es gewinnen aus Früchten, die für die direkte Vermarktung nicht gut/schön genug sind. Beides sind Produkte, die aus Gemüseabfall hergestellt wurden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden – ich bin sehr dafür, dass man Lebensmittel vollständig verzehrt und möglichst wenig übrig lässt. Vorgenannte Produkte werden vor ihrer weiteren Verwendung aber stark denaturiert, unter hohem Energieeinsatz (z.B. Sprühtrocknung).

    Ersatzprodukte via Aroma interessant für potenzielle Umsteiger interessant zu machen, ist der „Sache“ nicht dienlich. „Schmeckt wie Fleisch“ ist ein genauso falsches Argument wie „Milch von glücklichen Kühen“ – daran zu glauben ist Selbstbetrug.

    Trotzdem sollte man solche Produkte natürlich immer wieder testen – aber anschließend dann auch kritisch beleuchten, wie zumindest Du es machst. Vielleicht kommt dabei ja irgendwann ein Kleinod zutage, dass man unbedingt empfehlen kann.

    Danke für Deine Arbeit und den Ansatz, bereits Zweifelnden zu aufzuzeigen, wo eine Brücke stehen könnte.

  9. Claudia sagt:

    Tja, liebe Sczilla, da müssen wir wohl damit leben, dass wir unterschiedlicher Meinung sind. :-)

    Die ganze “neue Welle” des veganen Vegetarismus hat nicht zuletzt durch Fleischalternativen (die schmecken bzw. zubereitet werden können, wie traditionelle und moderne Fleischgerichte, an die man gewohnt ist) ihren Erfolg. Weil den Menschen so nicht abverlangt wird, auf Gewohntes und Geschätztes ganz zu verzichten.

    Bei klassischen Vegetariern ist Käse das “Fleisch” – damit lässt sich auch leicht der nötige Eiweißanteil aufnehmen. Lässt man Milchprodukte aber ganz weg, sieht die Sache anders aus. Aus “Grünzeug” kann man keine entsprechenden Eiweißmengen aufnehmen, man müsste ungemein viel und oft Hülsenfrüchte (und sehr spezielle Getreide ) verzehren, was nicht alle mögen – und schon gar nicht in der erforderlichen Häufigkeit und Menge. Bei Nüssen sind aus Kalorien-Gründen der Aufnahme Grenzen gesetzt.
    (Siehe dazu “Proteine in der pflanzlichen Ernährung”)

    Kurzum: ich halte Fleischalternativen wie Tofu, Sojavleisch, Lupinensteaks, Seitan und WieFleisch für unverzichtbar für eine vegane (oder fast vegane) Ernährung. Und ich freue mich jedes Mal, wenn Fleischesser meine Gerichte essen und erstaunt sagen: Hey, das hätte ich gar nicht bemerkt, dass das kein Fleisch ist!

    Die paar Aromen in diesem und jenem bringen mich gewiss nicht um. Ich hatte z.B. auch kein Problem mit Erdbeeraroma aus Sägespänen – ist doch toll, dass das funktioniert, angesichts der Unmengen Erdbeerjoghurts u.a. Soviel Erdbeeren könnte man gar nicht anbauen, um den Bedarf zu decken!

    Was “Abfall” ist, ist eine Frage der persönlichen Bewertung. Ich bin auch dafür, alles zu verwerten, wenn es irgend geht. Molke (unvegan) hat durchaus gute Werte, siehe hier.

    Echten “Eigengeschmack” wirst du bei keiner Fleischalternative finden – schließlich ist das kein Fleisch und der Geschmack kommt immer durch Zutaten zustande. Wie denn auch sonst?

    Tierleid vermeiden ist mir im übrigen wichtiger als bei jedem Kinkerlitzchen die aktuellen Bewertungen in Sachen “Gesundheit” zu berücksichtigen. Darüber will ich aber nicht zur Asketin bzw. sprichwörtlichen Grünzeug & Körnerfresserin werden. Muss ich zum Glück auch nicht dank vieler interessanter Fleischalternativen!

  10. Sascha sagt:

    Sczilla schieb:
    >„Schmeckt wie Fleisch“ ist ein genauso falsches Argument wie „Milch von glücklichen Kühen“ – daran zu glauben ist Selbstbetrug.

    Da besteht ein SEHR großer Unterschied. Schmecken hat auch wenig mit Glauben zu tun.
    Wenn etwas “wie Fleisch” schmeckt liegt es oft an den Gewürzen, die typisch für ein gewisses Fleischgericht sind. Beispiel: Gyros.

    Claudia schrieb:
    >Echten “Eigengeschmack” wirst du bei keiner Fleischalternative finden – schließlich ist das kein Fleisch

    Eine Ausnahme sind Kichererbsen. Manchmal schmecken die echt nach Huhn… 8o (Quelle: Jamie Oliver, meine Zunge)

  11. Claudia sagt:

    @Sascha: richtig! “Schmeckt wie Fleisch” ist eine subjektive Aussage über die Geschmacksanmutung eines Nahrungsmittels – wogegen “Milch von glücklichen Kühen” eine wertende und meist falsche Aussage über das Leben der Kühe ist. Seltsam, dass das Scilla nicht selber gemerkt hat!

  12. Solveigh sagt:

    Gewürze sind das A+O.
    Habe neulich zum 1.Mal Austernpilze gegessen, die mich enorm an Kalbsfleisch erinnert haben.
    Habe mir die Zutaten der Soße geben lassen- und nun gibts 1 x/ Woche Austernpilze. Nun kann ich getrost auf viele andere getestete “Vleischsorten” gut verzichten…

  13. Felix sagt:

    Ich weiß, auch das ist subjektiv, aber ich find das Wiefleisch momentan sehr teuer. Probiert habe ich bisher erst Bacon, das ist schon wirklich tauglich. Und von den Zutaten her sehr angenehm zu lesen.

    Aber die Singlepackung kostet aufs Kilo gerechnet 20 Euro… da komm ich mit Tofu und Seitan nen halbes Jahr hin ;)

  14. Cello sagt:

    Muss ich unbedingt mal ausprobieren!

  15. Hallo Frau Klinger,

    wie bereits schon per Mail mit Ihnen besprochen hier nun auch für Ihre User zum nach lesen:

    Zur Versandverpackung ist zu sagen, dass uns der relativ hohe Anteil an Verpackungsmaterial
    und Kühlpads sehr bewusst ist und wir aus diesem Grunde immer auf der Suche nach Alternativen sind,
    um den Verpackungsanteil zu minimieren.
    So haben wir bereits neue Kühlpads im Einsatz. Das Kühlgel ist biologisch abbaubar.
    Allerdings müssen wir aus rechtlichen Gründen eine ausreichende Kühlung gewährleisten
    und die große Menge an Kühlelementen bei Ihrer Lieferung war auch den sommerlichen Außentemperaturen geschuldet.

    Abschließend möchte ich mich nochmals für Ihren Produkttest bedanken.

    Vegane Grüße
    Das Wiefleisch-Team

  16. Pingback: Was gibts heute Leckeres? - Seite 4

  17. Flo sagt:

    Ich habe die WieFleisch Produkte (unter anderem Namen) tatsächlich in einem Rewe entdeckt.
    2,99€ für eine 175g Packung (alle drei Sorten).

  18. Margit sagt:

    Liebe Claudia,
    bin jetzt beim Nachlesen – habe ein Jahr aufzuholen – auf deinen Produkttest gestoßen. Sehr interessant! Allerdings ist das mit der Verpackung und dem Versand schon ein großer Haken an der Sache. Mal schauen, ob es bei uns in Ö irgendwo auch Wiefleisch gibt.
    Jedenfalls immer wieder sehr inspirierend dein Blog!
    Liebe Grüße, Margit

  19. Michaela sagt:

    Liebe Claudia,

    Dein Blog war der allererste Kontakt mit – ich nenne es jetzt mal so – “vegetarischen Seiten im Netz” – der in mir wirklich das “nun heb ich den Hintern mal hoch und probier das einfach aus” – Effekt hatte.

    Hab mir Dein Buch ebenfalls bestellt (bin noch am Lesen, finde es aber bis jetzt schon ziemlich klasse!) – und ich muss sagen: mir gefällt genau dieses NICHT EXTREME, die NICHT VERURTEILENDE, der FEHLENDE MAHNENDE ZEIGEFINGER der viele Vegetarier/Veganer auf Anhieb auch bei mir so unsympathisch erscheinen lassen – und DIE MICH IMMER DAVON ABIELTEN, überhaupt für mich mal das Thema vegetarische Ernährung anzugehen. Mehr und mehr – ich möchte ja auch nicht nur Kichererbsen und Bohnen essen, Käse ebenfalls nicht – probiere ich auch Fleischalternativen aus. Und es ist so wie Du sagst: die mittlerweile geschmackliche Vielfalt macht es viel leichter für Umsteiger, mehr und mehr vegetarische und sogar vegane Produkte in den Alltag zu integrieren. Dank Dir habe ich mich auch mal wieder an das Thema “vegetarische Würstchen” rangewagt (Danke für den Tipp mit der Weißwurst!) und ich muss sagen: da besteht ein Himmelweiter Unterschied zu meinen ersten Verkostungen vor 10 Jahren. (Damals dachte ich nur: bäh, ihgitt, niemals kommt vegetarisch oder gar vegan für mich in Frage).

    Sogar meinem Freund, dem ich gnadenlos alles auftische – und der zum Glück auch alles probiert, schmeckt das eine oder andere. Insofern werde ich “Wie Fleisch” auch einmal ausprobieren.

    Danke jedenfalls für Deine Frische Schreibe in diesem andernorts so dogmatisch trockenen und festgefahrenen Thema. Damit bringst Du viel mehr Menschen in Kontakt mit vegetarischer und sogar veganer Ernährung als jedweder stereotype Vorzeige-100%-ich-lasse-nichts-anderes-gelten-und-alles-muss-perfekt-sein-Veganer.

    Lieben Gruß aus München, Michaela

  20. Claudia Klinger sagt:

    Hallo Michaela,

    herzlichen Dank für deinen wertschätzenden Kommentar, der mich sehr freut. Ja, ich kann auch gar nicht anders schreiben, schließlich hab ich selbst so meine Phasen und könnte nicht auf Dauer (!) 100% vegan leben. Dass heute immer mehr Menschen pflanzliche Produkte, auch Fleischalternativen ausprobieren, finde ich toll! Du hast da noch ein weites Feld interessanter Experimente vor dir -

    dafür wünsch ich die viel Freude!

  21. Amina sagt:

    Ergänzend: Weil ich gehört hatte, wiefleisch soll ok sein, hab ich bei uns im kaufland zugegriffen, aber leider ohne Lesebrille, wiefleisch natursteak und Schnitzel waren dann doch wieder Tofu. Geschmacklich ok, aber zu zuckrig. Wer testet das eigentlich? Veganerinnen*r oder Normalesser? Aber warum kriegen sie das mit der Konsistenz nicht hin?? Denken die Hersteller für Veganerinnen*r muss alles schön weich sein?

  22. Claudia sagt:

    @Amina: Von “wiefleisch” gibts auch Schnitzel und Steak? Wäre mir neu… die getesteten Würfel haben mit dem üblichen Tofu-Kram nichts gemeinsam!

  23. Michaela sagt:

    Huhu,

    Amina, ich denke Du meinst etwas anderes als das von Claudia getestete Produkt – ich habe eben extra nochmal auf der Website von https://www.wiefleisch.de/ nachgeschaut – da steht nix von Schnitzeln etc. – und soweit ich weiss, verkaufen die bislang auch nur direkt.

    LG, Michaela

  24. Pierre sagt:

    Amina meinte wohl eher like meat Produkte….das gibts nämlich dort auch und sind aus Soja…..

  25. Judith sagt:

    Hallo Claudia,
    in verschiedenen Edeka-Märkten wurde kürzlich testweise eine “Veggiethek” eingereichtet. Das ist eine Frischtheke, die meist in der Nähe der Fleisch-/Käsetheke angesiedelt ist. Das Warensortiment bestimmt jeder Markt selbst. In dem Edeka in unserer Nähe werden dort unter anderem z.B. auch wieBacon und wieHuhn angeboten. Möglicherweise wäre das ja eine Alternative bezügl. des Verpackungsthemas? Es nehmen einige Märkte an dieser Aktion teil, vielleicht findest Du ja auch einen in Deiner Nähe?
    Liebe Grüße,
    Judith

  26. Judith sagt:

    Kleine Korrektur noch nachgereicht: es muss “Vegithek” heißen….

  27. Anne sagt:

    Hey Leute,

    ich habe diesen Artikel mit großem Interesse gelesen, nur die letzten Kommentare lassen mich etwas nachdenken. Meint ihr mit den genannten Produkten das sog. “Sojaschnetztel” (http://www.soja.net/sojaschnetzel/) oder handelt es sich bei den Produkten gar nicht um Soja-Produkte? Mir persönlich ist das in unseren Supermärkten noch überhaupt nie aufgefallen, dass es solche “Vegitheken” geben soll. Ist das denn nur in bestimmten Märkten?

    Gruß
    Anne

  28. Claudia sagt:

    Liebe Anne: wie bereits die Überschrift des Artikels sagt: “kein Gluten, kein Soja, kein Tofu”.
    Im übrigen könntest du auch dem Link zum Hersteller “WieFleisch” folgen und würdest dort mehr Infos zur Fleischalternative finden. Unter anderem auf der Seite “Partner” den Link zu einer Übersicht über die Märkte, wo es schon eine Veggiethek gibt:

    http://suedwestfleisch.de/html/vegithek_testmaerkte.html

  29. Thomas sagt:

    Energie (zur Kühlung) stammt hierzulande zunehmend aus regenerativen Quellen.

    Aluminium stammt zu mehr als der Hälfte aus Recycling, nur der kleinere Teil wird aus Bauxit neu hergestellt. Wikipedia: “Aluminiumherstellung ist (…) nur in der Nähe preiswert zur Verfügung stehender Elektroenergie wirtschaftlich, beispielsweise neben Wasserkraftwerken, wie in Rheinfelden.”

    Wenn das Produkt gut ist, schafft es vielleicht auch mal den Weg in die Läden und kann dann dazu beitragen, mehr Menschen vom hohen Fleischkonsum runterzuholen. Da finde ich es verkehrt, es jetzt wegen der Verpackung abzuwürgen.

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