…und sieht Bezeichnungen wie Veggie-Schnitzel und „vegetarischer Fleischsalat“ kritisch.

Am 16.Dezember hat der Bundestag einen Antrag der CDU/CSU/SPD angenommen, in dem die Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ definiert werden. Die Opposition hat sich bei der Abstimmung enthalten. Zu den Gründen des Antrags heißt es:

„So enthalten manche als „vegan“ beworbene Produkte Zusatzstoffe, Vitamine oder Aromen tierischen Ursprungs, die nicht ausgewiesen werden müssen. Die Verbraucher haben ein Anrecht auf „Wahrheit und Klarheit“. Wir brauchen daher einheitliche Kriterien für die freiwillige Auslobung von veganen und vegetarischen Lebensmitteln. Wo „vegan“ oder „vegetarisch“ draufsteht, muss auch „vegan“ oder „vegetarisch“ drin sein.“

Soweit ganz ok! Die Begriffe werden dann auch entsprechend den Kriterien der Verbraucherschutzminister der Länder sehr vernünftig definiert:

Vegan sind danach Lebensmittel, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme) oder Verarbeitungshilfsstoffe oder Nicht-Lebensmittelzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu demselben Zweck wie Verarbeitungshilfsstoffe verwendet werden, die tierischen Ursprungs sind, in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form zugesetzt oder verwendet worden sind.

Vegetarisch sind Lebensmittel, welche die Anforderungen veganer Lebensmittel erfüllen, bei deren Produktion jedoch abweichend davon Milch, Kolostrum, Farmgeflügeleier, Bienenhonig, Bienenwachs, Propolis oder Wollfett/Lanolin aus von lebenden Schafen gewonnener Wolle oder deren Bestandteile oder daraus gewonnene Erzeugnisse zugesetzt oder verwendet worden sein können.“

Brisant: Keine Veggie-Schnitzel mehr?

Während man mit den im Antrag festgelegten Definitionen ganz zufrieden sein kann, lässt ein weiterer Passus Schlimmes befürchten:

„Bezeichnungen für Lebensmittel oder Produktnamen müssen Verbrauchererwartungen und damit der allgemeinen Verkehrsauffassung entsprechen. Hersteller vegetarischer und veganer Lebensmittel greifen zunehmend darauf zurück, Bezeichnungen wie beispielsweise „Soja-Rinderschnitzel“ oder „vegetarischer Fleischsalat“ zu verwenden, um ihrer Zielgruppe einen Eindruck zu vermitteln, wie das Produkt zu verwenden ist und welchen Geschmack, welche Konsistenz es hat. Das von der Bundesregierung finanziell unterstützte Internetportal Lebensmittel-klarheit.de hilft dabei, verwirrende Bezeichnungen frühzeitig zu ermitteln. Falls die dort gewonnenen allgemeinen Erkenntnisse ergeben sollten, dass bestimmte Bezeichnungen zu Verwirrung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern führen, wäre eine Befassung der Deutschen Lebensmittelbuchkommission (DLMBK) hilfreich.“

Wie sollte man denn Veggie-Schnitzel oder Würstchen nennen, damit noch erkennbar bleibt, was für ein Produkt mit der Bezeichnung gemeint ist? Die Vorstellung, dass man aufgrund gängiger Begriffe die Fleischalternativen mit den Fleischwaren verwechselt, ist eine steile These, die ganz offensichtlich den Interessen des Fleischerhandwerks dienen soll. Auf Klimaretter.info heißt es dazu im Artikel „Bei vegan geht’s jetzt um die Wurst„:

„Widerstände gegen Bezeichnungen wie „Sojaschnitzel“ ortete Elvira Drobinski-Weiß von der SPD-Fraktion zuvörderst in den Reihen des Fleischerhandwerks. Sie halte es aber für ziemlich abwegig, dass ein Fleischesser das Sojaschnitzel für ein echtes Schnitzel halten könnte. Es gebe überhaupt keine Hinweise aus der Verbraucherforschung, dass es in den Supermärkten jetzt zu massenhafter Verwirrung oder Täuschung von Schnitzelkäufern komme. Für diese könnten dagegen Bezeichnungen wie „Sojaschnitzel“ oder „Tofuwürstchen“ ein hilfreicher Hinweis sein.“

Ziemlich unverschämt, dass die Fleischer die Begriffe „Wurst“ und „Schnitzel“ allein für ihre tierischen Produkte reserviert sehen wollen. Dabei sind das Bezeichnungen, die eher ein Format beschreiben als den jeweiligen Inhalt. Hoffen wir, dass sie damit nicht am Ende durchkommen! Ob ein Produkt allerdings „Soja-Rinderschnitzel“ heißen muss, ist tatsächlich fraglich.

***

Update 29.12.: Agrarminister will „vegane Currywurst“ verbieten. Der CSU-Politiker sieht darin eine Irreführung der Verbraucher und hat in dieser Sache schon Verbündete.

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Über Claudia Klinger

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2 Kommentare zu Wahrheit und Klarheit: Politik definiert vegan und vegetarisch…

  1. Hans Bindewald sagt:

    Der „Postillon“ hat das konsequent weiter gedacht: Die Aussage „Das ist mir Wurst“ muss auf den Prüfstand

  2. Christoph Lange sagt:

    Jajaa, aber was ist denn mit Gemüse und Getreide, das ja sogar in den meisten und vor allem im strengsten (Demeter) Bioverbänden beim Anbau mit Tierknochenmehl gedüngt werden darf?!
    Damit ist auch Gemüse in den wenigsten Fällen tatsächlich vegetarisch oder gar vegan.

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