Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Milchwirtschaft: Vom Loch im Bauch der Kuh

Wer sich Vegetarier nennt, ernährt sich von Pflanzlichem und Produkten „vom lebenden Tier“ – so die Definition und wohl auch für die meisten Praxis. Milch im Kaffee, Joghurt, Sahne, Quark und jede Menge Käse als vielfältige Fleisch-Alternative: das alles gleich auch noch aufzugeben, wenn man sich schon vom Fleisch verabschiedet, ist für viele ein zu großer Schritt.

Auch an mir selber hab‘ ich das erfahren: erstmal hatte ich versucht, mich „so vegan wie möglich“ zu ernähren, doch war mir diese Umstellung binnen Kurzem dann doch zu viel und ich ließ die Zügel wieder lockerer. Schließlich ist die Milchwirtschaft nicht ganz so grausam wie die „Fleischproduktion“ und das Käse-machen ist immerhin eine tolle menschliche Kulturleistung. So beruhigte ich jenen Teil in mir, der einfach nicht will, dass Tiere für meine Ernährung allzu viel leiden, wohl wissend, dass auch in der Milchwirtschaft keine glücklichen Kühe existieren: ihr Kalb wird ihnen weggenommen, damit sie weiter Milch in riesigen Mengen produzieren – und nach dem dritten Kalb und Jahr werden sie geschlachtet, obwohl sie noch weitere 20 Jahre leben könnten.

Mehr Motivation zur Veränderung als diese schlichten Fakten verschaffen mir immer mal wieder Berichte, auf die man zwangsläufig stößt, wenn man am Thema dran bleibt. So schickte mir heute ein „normal essender“ Freund einen Link zum langen GEO-Artikel „Animal Farm“ von Oliver Lück. Es ist die Geschichte von Jan Gerdes und Karin Mück, die ihren Bauernhof zu einem Altersheim für Tiere gemacht haben – und natürlich auch die Geschichte der Schweine, Kühe, Pferde und Hühner, die das unglaubliche Glück haben, dort einfach nur leben zu dürfen.

Und jetzt kommt das, was mich wieder mal schwer geschockt hat und so den Appetit auf Milch erneut in den Keller drückt:

Anfangs mussten sie die schreckhaften Hühner noch bei jedem Schritt begleiten. Sie waren zwar an Menschen gewöhnt, Wind und Regen aber waren ihnen fremd. Die Enten mussten erst schwimmen lernen, sie kannten kein Wasser. Und auch Manuela, eine Kuh aus dem Versuchslabor einer Universität, hatte vier Jahre lang nur gekachelte Räume gesehen. Sie wurde mit einem Loch im Bauch, so große wie das Bullauge einer Waschmaschine, nach Butjadingen gebracht. Diese Öffnung, eine so genannte Pansenfistel, wird den Tieren seitlich herausgeschnitten. Es gibt einen Schraubverschluss, durch den man in den Pansen der Kuh greift und den Mageninhalt herausnimmt und untersucht. So kann Futter entwickelt werden, das die Milchkühe noch effizienter werden lässt. Heute hat Manuela nur noch ein kleines Loch, aus dem hin und wieder Pansensaft herausspritzt, oder es zischt, da Gase entweichen. Das Geld für die nächste Operation wird noch gesammelt.

Es mag für manche vertretbar sein, Kühe „zu Forschungszwecken“ so zu behandeln, mich widert dieses für die Forscher so bequeme „Loch im Bauch der Kuh“ extrem an. Zeigt es doch aufs Extremste das Elend der gesamten Massentierhaltung: die Kuh wird als reine Maschine gesehen, die „optimiert“ werden muss, damit das Produkt weniger kostet. Und die Menschen, die sich daran beteiligen, müssen ihre Menschlichkeit, die Fähigkeit, mit der leidenden Kreatur mitzufühlen, unterdrücken bzw. ignorieren. Was für eine miese Veranstaltung, jenseits aller Würde und Ästhetik!

Seit einer Woche bin ich zum Glück sowieso fast wieder ganz „auf Soja-Milch“. Es ist nicht dasselbe, das stimmt, aber man gewöhnt sich dran. Der massive Käse-Verbrauch ist schon länger Vergangenheit, seit ich mir die Fleisch-Alternativen Seitan und Sojafleisch erschließe. Es geht also immerhin in die richtige Richtung – wenn auch eher „schubweise“ als kontinuierlich und 100%ig konsequent.

Autor: Claudia Klinger

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