VeganblumeWährend Tag 2 der veganen Schnupperwochen 2012 gab‘ es ein sogenanntes „Argumentationstraining“. Typische Fragen und Vorwürfe, die von Fleisch-Essern oft vorgebracht werden, sollten in Kleingruppen bearbeitet und beantwortet werden. Dank der vielen Infos über das Elend der „Nutztiere“, die wir in mehreren Vorträgen bekommen hatten, war das auch kein Problem- mit einer Ausnahme.

Der Vorwurf „auch Pflanzen haben doch Gefühle!“, der zeigen soll, wie unsinnig der Verzicht auf Tierprodukte doch sei, da für die vegetarisch-vegane Ernährung ja jede Menge Pflanzen sterben, verunsicherte etliche Teilnehmer/innen. So sehr, dass sich nicht alle Gruppen auf eine gemeinsame Antwort einigen konnten – außer der, dass man Pflanzen nun mal essen müsse, um zu leben.

Diese erste Antwort ist auf jeden Fall richtig, sinnvollerweise lässt sie sich mit dem Hinweis ergänzen, dass der Verzicht auf Tierprodukte auch den massenweisen Konsum von Futterpflanzen vermeidet, der ein Vielfaches dessen beträgt, was für eine direkte pflanzliche Ernährung erforderlich ist.

Pflanzen nehmen ihre Umwelt wahr – aber empfinden sie Schmerz?

Ob Pflanzen in irgend einer Weise etwas fühlen, ist in einer ethisch-moralischen Diskussion aus meiner Sicht die falsche Frage. Es kommt darauf an, ob sie SCHMERZEN empfinden wie Tiere und Menschen. Selbstverständlich nehmen Pflanzen ihre Umwelt wahr, mit der sie als stationäre Wesen noch sehr viel verbundener sind als Tiere und Menschen. Licht, Wasser, Wind, Schwerkraft, chemische Absonderungen anderer Pflanzen unter und über der Erde – die Pflanze „kommuniziert“ mit ihrer Umwelt und entwickelt sich bei günstigen Bedingungen prächtig, in Mangelsituationen krepelt sie dahin oder stirbt ab.

Aber empfindet sie auch Schmerz? In meiner Gruppe hab‘ ich spontan pflanzliche Gefühle im Sinne des Schmerzempfindens verneint, worauf mich eine Teilnehmerin fragte: woher willst du das wissen?

Wissen versus Intuition

Klar, wir können uns nicht versuchsweise „in die Pflanze hinein versetzen“, sondern sind für die Beurteilung dieser Frage auf rationales Wissen angewiesen. Viele Pflanzenfreunde und Naturliebhaber rufen auch ihre Intuition zum Zeugen an: im aufmerksamen Umgang mit Pflanzen stellt sich Liebe, Wertschätzung, ja Bewunderung ein: wir sorgen für gute Bedingungen, pflegen und hegen die Pflanze, sprechen vielleicht innerlich mit ihr – von da aus ist es dann nur ein kleiner, oft unbemerkter Schritt, die Pflanze als „Geistwesen“ zu vermenschlichen.

wunderschöner Samenstand

Obwohl mir dieses Empfinden als langjährige naturnahe Gärtnerin nicht fremd ist, halte ich es doch für falsch, von einem Schmerzempfinden ähnlich unserem auszugehen. Denn die Logik und der Blick auf die evolutionäre Entwicklung steht dagegen: Schmerz ist ein Alarmsignal, vermittelt über ein zentrales Nervensystem, das Pflanzen so nicht haben. Es hat den einzigen Sinn, dem Wesen zu signalisieren: da stimmt etwas nicht, tu was dagegen! Halte deine Finger vom Feuer fern, halt dich aus der Brombeerhecke ‚raus – und bei innerlichen Schmerzen sollten wir mal schauen, was wir so essen und trinken, bzw. evtl. einen Arzt aufsuchen.

Wir Menschen (und auch die meisten Tiere) haben im Unterschied zur Pflanze die Möglichkeit, uns von hier nach da zu bewegen. Wir können wählen, wohin wir gehen, was wir essen und trinken, wir können handeln und entscheiden, was wir tun oder lieber lassen. Für so ein Wesen ist SCHMERZ eine ungemein sinnvolle Orientierung. Welchen Sinn aber sollte Schmerz für ein statisches Wesen haben, das nicht die Wahl hat, an seiner Lage irgend etwas zu ändern? Derlei Überflüssigkeiten (ja: Gemeinheiten!) entwickelt die Evolution nach allem, was wir wissen, nicht. Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass die Pflanze Schmerz erlebt, wenn ich sie beernte oder mähe.

Vom pflanzlichen Bewusstsein

Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Frage nach dem Bewusstsein von Pflanzen: aus meiner Sicht und „Gärtnerinnen-Intuition“ haben sie ein Bewusstsein, da sie ihre Umwelt wahrnehmen. Allerdings ist dies kein individuelles Bewusstsein: da ist kein „Ich“, das Angst hat, zu sterben, das auf ein persönliches Leben zurück und in eine ungewisse Zukunft voraus schaut. Es gibt nur das Empfinden des Augenblicks und Reaktionen darauf, ohne „jemanden“, der das erlebt. Die Geschichte eines Baumes ist zwar in seine Physis in Gestalt der „Jahresringe“ eingeschrieben, doch ist er sich seines Alters nicht in unserem Sinne „bewusst“. Dass eine Pflanze Wurzeln einer anderen Art per Chemie als „nicht-eigene“ erkennt, steht dem nicht entgegen.

Lupinen

Dies alles bedenkend, sehe ich kein ethisch verwerfliches Verhalten darin, sich von Pflanzen zu ernähren – mal davon abgesehen, dass wir keine Wahl haben. Zwar tut es mir leid, wenn eine Pflanze nicht gut wächst oder gar eingeht, die ich im Garten ansiedeln wollte, doch ist dies dann eine Folge der Gesamtumstände: die Bodensituation und das Klima haben eben nicht gepasst. Wächst sie aber gut, sogar so gut, dass ich etwas Essbares von ihr ernten kann, sehe ich das als Erfolg.

Menschliche Ethik im Umgang mit Pflanzen

Meine persönliche Intuition im Umgang mit den Pflanzen erlebt sie nicht vornehmlich als Individuen, sondern viel mehr als Art, als „Gattungswesen“. Auf einer Brache siedeln sich bestimmte Arten an, die wieder verschwinden, wenn der Boden nährstoffreicher wird. Gewisse Pflanzen sind derart dominant, dass sie andere verdrängen – aber die meisten Pflanzenarten verdrängt der Mensch durch seine Versiegelungswut und die Profit-orientierten Machenschaften der Saatgut-Konzerne wie Monsanto & Co.

Etik in Bezug auf Pflanzen ist für mich also der Kampf um die Artenvielfalt – sowohl im eigenen Garten, wo ich mich mit Nachbarn und Vereinsvorständen über „naturnahes Gärtnern“ auseinander setze und unseren hohen Anteil an Wildkräutern verteidige, als auch im politischen Sektor, in dem es darum geht, die Konzern-freundlichen Verregelungen in Sachen Anbau und Vertrieb „alter Sorten“ zu bekämpfen.

Eine vegane Ernährung passt da sehr gut dazu, denn das bewusste Bemühen um genug gesunde Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe in der Pflanzennahrung führt fast automatisch hin zu diesem politischen Kampf um die Erhaltung der Artenvielfalt.

Ich esse Pflanzen also ohne schlechtes Gewissen. Wohl aber des öfteren mit dem Gefühl der Dankbarkeit, dass es so wunderbare Gewächse gibt!

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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19 Kommentare zu Auch Pflanzen haben Gefühle – Antwort auf ein anti-veganes Argument

  1. Matthias sagt:

    Toller Beitrag! Ich kann dir fast völlig zustimmen, besonders da wir keine Wahl haben :-). Nur bei einem Teil hab ich doch arge Schwierigkeiten.
    Du schreibst:
    „Allerdings ist dies kein individuelles Bewusstsein: da ist kein “Ich”, das Angst hat, zu sterben, das auf ein persönliches Leben zurück und in eine ungewisse Zukunft voraus schaut.“
    Wie erklärt sich dann die Notblüte? Bäume, die kurz vor dem Sterben sind, bilden besonders viele Blüten/Früchte aus. Offensichtlich in Wahrnehmung ihres baldigen Ablebens.

  2. Claudia Klinger sagt:

    @Matthias: danke für den Kommentar! Ich hatte tatsächlich daran gedacht, die „Notblüte“ noch zu besprechen, es dann aber als „zu gärtnerisch“ weggelassen.

    Das zu frühe Blühen, das wir Notblüte nennen, ist eine Reaktion auf Stickstoffmangel (siehe Wikipedia). Also das, was ich mit dem Satz meinte: „Es gibt nur das Empfinden des Augenblicks und Reaktionen darauf, ohne “jemanden”, der das erlebt.“
    Vermutlich braucht es eine Mindest-Mangelzeit, bevor die Blüte beginnt. Genau wie es eine gewisse Zeit dauert vom Wassermangel bis zum Verdorren.
    Aber nur WIR sind es doch, die das ins menschliche Denken und Fühlen übersetzen und als „Angst vor dem Ende“ interpretieren.

  3. Ms. Beaverhausen sagt:

    Einen schönen Artikel hast du da geschrieben. Deine Argumentation überzeugt mich, sie ist gut zugänglich.

    Meine spontane Antwort auf jemanden der mir vorwirft, dass es nicht richtig sei Pflanzen zu essen, „weil Pflanzen auch Gefühle haben“ wäre einfach „Nein“ zu antworten.
    Die längere Antwort besteht aus viel Biologen-Geschwafel und ich bin mir unsicher, ob ich dir die Pinnwand damit zuspammen soll :) Versuch es kurz zu fassen: Pflanzen haben kein ZNS und leiden nicht an Schmerzen. Tiere haben ein ZNS und leiden an Schmerzen. Ab wann ein Tier ggf. zu primitiv ist um zu leiden, kann ich nicht festlegen, deshalb esse ich generell keine Tiere.

    Deiner Ausführung zur Ethik im Bezug auf Pflanzen kann ich nur zustimmen.

    Die angesprochene Notblüte hat nichts mit einem Ich-Empfinden zu tun, das hast du ja schon angeführt, es ist eine Stressantwort (Signalstoffe/Änderung der Genexpression/Blühinduktion), bei der es darum geht, die Gene noch zu verbreiten, bevor der Orgamnismus keine Ressourcen mehr dafür hat. Erbinformationen zu verbreiten hat nichts mit einem Ich zu tun, es ist schlichtweg ein Kennzeichen des Lebens, das jeder Organismus aufweist.
    Wieder kann ich dir nur zustimmen, dass es der Mensch ist, der seine eigene Angst (vor dem Tod) auf die Pflanze projeziert.

  4. Claudia sagt:

    @Ms. Beaverhausen – danke für deinen Kommentar, fürs Lob und die Ergänzungen zur Notblüte! :-)

  5. delmenhorst sagt:

    Hallo,

    Ich bin der Meinung, dass man auch von Pflanzen nur so viel verbrauchen sollte wie man wirklich benötigt.

    Auch beim Essen steht für mich die Dankbarkeit zu den Dingen genauso wie deren Achtung deshalb immer im Vordergrund.

    Vielleicht ist der Mensch an sich ja irgendwann einmal soweit, dass er völlig ohne Essen auskommt und sich lediglich von Wasser, Luft und Liebe ernähren kann.

    Unsere Nahrung wird in den Zellen ja schließlich auch nur in Photonen, also Licht, gewandelt.

    das erinnert mich irgendwie an die Pflanzen.

    Viel lieb &
    Gruß aus

    delmenhorst

  6. Anne sagt:

    ich finde es nicht ganz richtig, den pflanzen von grund auf ein schmerzempfinden oder ähnliches abzusprechen. das argument, das man viel weniger pflanzen „verbraucht“ wenn man sich rein pflanzlich ernährt finde ich besser.
    habe ich auch schon öfters gebraucht und damit war die diskussion auch beendet.

    rein pflanzliche ernährung hält den schaden am geringsten. sowohl bei der anzahl der getöteten lebewesen als auch bei der auswirkung auf die umwelt und die eigene gesundheit.

    aber ein schöner artikel!

    LG anne

  7. Claudia sagt:

    @delmenhorst: das bezweifle ich, denn unser Organismuss braucht jede Menge unterschiedliche (!) Stoffe, um zu funktionieren – nicht nur „Licht“.
    Abgesehen davon möchte ich aufs Essen ganz sicher nicht verzichten – selbst wenn ich es nicht bräuchte, würde ich es um des Genusses und wg. der sozialen Aspekte tun.

    @Anne: gutes Argument, ja!

  8. Anbei zwei interessante Quellen zum Thema … sicher haben Pflanzen ein Bewusstsein, jede Form von Leben hat Bewusstsein, um auf das Umfeld reagieren zu können:

    http://www.biocommunication.at/pdf/publications/BiocommPlants.pdf

    http://www.amazon.de/Das-geheime-Leben-Pflanzen-emotionalen/dp/3596219779/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1333559540&sr=1-1

    Gruß IP

  9. Also wenn man von den Erfahrungen der Leute mit dem „grünen Daumen“ ausgeht, müssten Pflanzen schon „irgendwie“ fühlen!

    In schlechten bzw. zu kleinen Pflanzkübeln fühlen sie sich jedenfalls NICHT wohl. ;-)

  10. andreas sagt:

    sorry fuer die korrektur, ja pflanzen empfinden schmerzen, so ruft mais wespen heran wenn raupen an den pflanzen fressen, die mimose bewegt sich und die akazien haben tausene anilopen die sie angefressen haben umgebracht. das erforder planendes verhalten. wurzeln wechseln ihre wachstumsrichtung in minuten. pflanzen wachsen besser oder schlechter durch beschallung und der luegendedektor test mit dem pflanzenmoerder ist immer noch beeindruckend, da er beweist das pflanzen ein erinnerungsvermoegen haben und stess emfpinden. das alles sind wissenschaftliche fakten, ebenso die frage in der zwischenzeit toeten pflanzen menschen? das argument das tiere mit pflanzen gefuettert werden ist klar, aber einerseits koennen wir die menscheit nicht mit futtermais ernaehren, der macht schon die tiere krank, und fuer hochwertige pflanzennahrung haben wir nicht die resourcen, grass ist nicht sooo extrem nahrhaft, wohl aber das natuehrliche futter fuer schafe, ziegen etc. menschen sind allesfresser und insekten sind da auch eine auswahl. wer ethnisch handeln will (was bei leben rein biologisch nur eingeschraenkt geht) kann nur versuchen so wenig leid wie moeglich zu schaffen. und hydrotomaten aus holland oder salat aus spanien (von den wintererdbeeren gar nicht zu reden) gehoeren deffinitiev nicht dazu, es verursacht unmengen an leiden untern den pflanzen aber auch an den menschen die als sklaven dafuer arbeiten. weniger essen, bewusster essen, weniger wegwerfen. lokaler einkaufen und im eigenen garten ziehen, bis wir eines tages replikatoren haben und essen direkt aus energie gewinnen koennen, ist ein weg. und was man nicht selber machen kann, der lokale bauernmarkt versorgt mit pflanzen und tierischen produkten was man braucht. ok keine pfefferminze aus israel und bananen werden dann auch seltener am speiseplan stehen. die frage ist ob das soo schlecht ist?

  11. Stephie sagt:

    Hach ja, diese Diskussion hatte ich auch schon zur Genüge. Wenn man etwas schon zig Mal gehört hat, fällt es auch wirklich schwer, da noch nett zu bleiben und die gleichen Argumente wieder und wieder zu wiederholen.. Trotzdem: Mittlerweile wurde das Argument ja noch ausgeweitet und es wird immer wieder behauptet, dass man auf den Flächen, auf denen das Tierfutter angebaut wird, keine Nahrung für Menschen anbauen könnte. Wie hier schon geschrieben wurde, Futtermais wäre für uns Menschen ja nix. Dabei geben mittlerweile selbst Landwirte zu, dass nur ein Teil der Fläche, die für die Tiernahrung benötigt wird, nicht für menschliche Nahrung genutzt werden kann. Es bleibt dabei: Da, wo man Tiernahrung anbaut, könnte man auch zum Großteil Nahrung für Menschen anbauen. Und wenn man nicht gerade in den Anden lebt, könnte auch die Fläche, auf der Tiere „gehalten“ werden (also die riesigen Mastanlagen) für den Anbau menschlicher Nahrung genutzt werden. Egal wie man es dreht und wendet: Man bekommt nie mehr Fleisch raus als man Pflanzen reingesteckt hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ja nicht 100% eines Tiers zu menschlicher Nahrung werden. Also selbst wenn Pflanzen Liebe, Hass, Schmerzen oder was auch immer empfinden könnten, wäre es noch verantwortungsloser, Pflanzen zu quälen, um Tiere zu quälen, damit man dann Nahrung hat.

  12. Claudia sagt:

    Danke Stephie!

    Ich empfinde das Argument von Seiten Fleisch-Essender auch immer als ein vorgeschobenes.

    Denn es ist schon ein Unterschied, ob sich ein Grashalm nach dem Licht ausrichtet (und man also vermenschelnd sagen kann: er LEIDET unter Dunkelheit) oder ob hoch entwickelte Säugetiere den Grausamkeiten der Massentierhaltung und Schlachtung ausgesetzt werden – inkl. z.B. der mehreren Hunderttausend Schweine, die nicht ausreichend betäubt zerteilt werden bzw. im Kochwasser landen!

    Da zu sagen: aber Pflanzen leiden doch auch – sorry, das ist einfach nur oberzynisch und ziemlich ignorant. Das Abwehr- und sog. „Warnverhalten“ der Pflanzen sind bio-chemische Reaktionen – es gibt da kein personales Individuum, das mit Bewusstsein leidet!

  13. Michael sagt:

    Schöner Artikel. Interessanterweise hat sich mein Bewusstsein gegenüber Pflanzen geändert, seit Vegetarier bin. Ich habe zwar kein Mitleid gegenüber Pflanzen oder fühle mich schlecht, wenn ich sie esse. Aber mein Respekt bzw „Dankbarkeit“ ist gewachsen bzw. entstanden.

  14. Michael sagt:

    @andreas: Tut mir leid, dass ich dich korregieren muss, aber laut dessen was ich vor vielen Jahren in den zwei Semestern Botanik gelernt habe, fühlen Pflanzen keinen Schmerz in unseren Sinne. Auch die Mimose fühlt keinen Schmerz, trotz der Möglichkeit auf äußere Reize reagieren zu können. Die Bewegungen der Mimose bei Erschütterungen usw. sind auf physikalische Prozesse zurückzuführen (Stichwort osmotischer Druck usw.), die nicht vergleichbar mit dem menschlichen oder tierischen Schmerzempfinden sind. Eher könnte man das mit einem rasanten Wachstum aufgrund äußeren Reizen vergleichen als wirklich mit einer Bewegung, die aufgrund von Schmerzempfinden entsteht.

  15. Claudia sagt:

    Wozu sollte die Evolution die materielle Basis für Schmerzempfinden bei Wesen entwickeln, die nicht weglaufen können? Das wäre doch komplett überflüssig – ja regelrecht „teuflisch“!

  16. mondscheinblume sagt:

    Wozu sollte die Evolution die materielle Basis für Schmerzempfinden bei Wesen entwickeln, die von andren Tierarten (z.B. Menschen) versklavt werden können? Das wäre doch komplett überflüssig – ja regelrecht „teuflisch“!

    Apropos teuflisch, die Teufelsranke kann riechen. Es gibt Akazienarten, die über die Population einer Anteleponart entscheiden. Es gibt Pflanzen, die haben ein gewisses Sozialverhalten: sie stellen bei Verwandten ihr Wurzelwachstum ein, um sich gegenseitig keine Nährstoffe wegzunehmen. Bei Fremden kämpfen sie aber um jeden Millimeter. Warum schleudern manche Pflanzen ihre Samen weit weg? Doch nicht etwa, damit sie nicht im Schatten der eigenen „Mutter“ eingehen?

    Pflanzen haben kein zentrales Nervensystem, kein Gehirn. Das ist ihr größtes Problem. Die Menschen haben nämlich die Weisheit mit Löffeln gefressen und können deshalb darüber entscheiden, wer leben darf und empfinden kann und wer nicht. Und wenn nun jemand aufschreit „Aber die Wissenschaft!“ – die hat längst bewiesen, daß Pflanzen sehen, riechen, fühlen, kommunizieren und sich verdammt nochmal wehren. Allerdings kann sich die Wissenschaft so manches Verhalten bei Pflanzen nicht erklären. Noch nicht. Das liegt einzig und alleine daran, daß Pflanzen so anders sind im Vergleich zu Tieren. Ein guter Wissenschaftler wird auch niemals sagen „Eine Pflanze kann definitiv nicht fühlen.“ Ein guter Wissenschaftler wird sagen „Ich weiß es nicht“ oder „Nach aktuellem Wissensstand ist es unwahrscheinlich, ausschließen kann man es aber nicht.“

    Gerade ein Lebewesen, das nicht die Flucht ergreifen kann, sollte aus evolutionärer Sicht Schmerz empfinden können. Gerade weil es nicht wegrennen kann, sollte es sich anders zur Wehr setzen können. Ist genau das nicht der Fall? Wenn Pflanzen keinerlei Schmerzempfinden haben, warum wehren sie sich dann dagegen stumpf weggefressen zu werden? Warum töten sie ihre Fressfeinde sogar? Pflanzen sind u.a. Giftmischer und Auftragsmörder.

    Klar, das sind alles nur Späßchen, irgendwelche Reaktionen um das Überleben zu sichern. Das hat nichts mit Schmerzempfinden zu tun. Wozu dient den Tieren das Schmerzempfinden nochmal? Doch nicht etwa dem Überleben?

    Pflanzen sind übrigens lernfähig und das bedeutet sie können sich in gewisser Weise „erinnern“. Und das sogar ohne Gehirn und ohne zentralem Nervensystem. Was ist eigentlich mit Tieren ohne ZNS? Darf man die nach Belieben abschlachten, quälen und ausbeuten?

    Ich meide das Thema Schmerzempfinden der Pflanzen bei Vegetariern und Veganern, weil sie gerne mal einfach davon ausgehen, daß etwas das so anders ist auf keinen Fall Schmerzen empfinden kann. Wenn sie wenigstens den Mut hätten zu sagen „Vielleicht empfinden Pflanzen Schmerzen, aber für mich sind sie nicht so viel Wert wie Tiere und deshalb ist es meinem ethischen Empfinden nach in Ordnung sie zu töten und/oder zu nutzen.“

    Es gibt bis zum heutigen Tage Menschen, die den Tieren das Schmerzempfinden ebenfalls aberkennen. Da schreien alle auf, weil das doch wissenschaftlich bewiesen sei und außerdem schreien Tiere ja vor Schmerz. Tun einige Pflanzenarten auch, wir hören es nur nicht. Ich fürchte selbst wenn die Wissenschaft morgen einem Gänseblümchen die Fähigkeit sich mit Menschen zu verständigen beibringen würde und das Gänseblümchen sagt „Ja, wir empfinden Schmerzen.“, würden die meisten Menschen sagen „Das Gänseblümchen hat sich geirrt. Hat ja kein Hirn und kein ZNS.“.

    Für mich persönlich sind Pflanzen den Tieren ebenbürtig. Ich gehöre zu den allesfressenden Menschen und bin zum Teil in der Primitivität aufgewachsen. Zu jeder Zeit nahm ich mir nie mehr, als ich für mein Überleben benötigte – weder von den Tieren, noch von den Pflanzen. Ich persönlich bin überzeugt davon, daß Tiernutzung in der Zivilisation völlig unnötig ist. Ich für mich kann es aber nicht verantworten zu sagen „Die einen schone ich, die Pein der anderen ignoriere ich.“ Wenn das ein Vegetarier/Veganer kann und vor allem dazu stehen kann, dann respektiere ich das. Es sich aber so einfach zu machen… das finde ich traurig.

    Es wurde die Mimose als Beispiel erwähnt und gleich von zwei alten Semestern Botanik zerschlagen. Ich frage gerne nochmal: was sind Schmerzen? Elektrische Signale. Auch Pflanzen werden von einem elektrischen Strom durchflossen. Bei der Mimose verändert sich die Konzentration bestimmter geladener Teilchen. Das setzt die Kettenreaktionen in Gang, die für ihr typisches Verhalten verantwortlich sind. Die Pflanzen fühlen sicherlich keinen Schmerz in „unserem“ Sinne, aber wieso sollten sie das auch? Sie sind keine Tiere. Sie sind eine völlig andere Art von Lebewesen. Ist aber nur „unsere“ Art Schmerz zu empfinden die richtige?

    Um es ganz deutlich zu machen: es geht mir hierbei nicht darum Deine Lebensart anzugreifen. Ich werfe weder Vegetariern noch Veganern ihren Pflanzenkonsum vor – ich esse und nutze sie doch selbst. Es geht mir lediglich darum für jene zu sprechen, die von uns bisher kaum verstanden werden; nicht zuletzt weil uns gerade in der Wissenschaft die Technik hierfür (noch) fehlt. Vielleicht sind wir irgendwann dazu in der Lage. Ich hoffe ich erlebe das noch mit.

  17. Anna Scheerbart sagt:

    Prinzipiell würde ich dem Ansatz des Artikels zustimmen. Wobei ich nicht denke, dass Fleischesser eine Antwort darauf erhalten wollen. Doch denke ich, Schmerzempfinden aus praktischen oder logischen Gründen auszuschließen ist nicht richtig. Bei allen Pflanzenarten ist eine Tendenz zu Wanderung zu beobachten, wenn dies auch für uns Menschen meist zu langsam geschieht. Die Pflanzen gehen dabei manchmal von ihrer ganzen Spezies aus, als die Bewegung erfolgt durch die Sprösslinge. Aber einige Pflanzen sind auch fähig durch heruntergeknickte Blätter, die wurzeln weiter zu wandern. Oder, wie bei Erdbeeren durch Ausläufer. Erst seit einigen Jahren gibt es Forschungen zu Baumkronen und dort hat man festgestellt, dass die Bewegungen nicht zufällig und durch Wettereinflüsse/Wind entstehen, sondern Pflanzen absichtlich andere Zweige „wegpeitschen“.
    Ein anderer Aspekt des „Pflanzen durch Essen wehtun“ ist, Pflanzen produzieren ihre Früchte eigentlich genau aus dem Grund: Damit sie gegessen werden. Zumindest der Fruchtkörperverzehr ist also absolut erwünscht! Die Süße, Säure und Bitterniss ist extra so gesteuert, dass Tiere genau zum richtigen Zeitpunkt mit Fressen = Verbreiten der Samen beginnen! Anderen Pflanzenteile, wie Blätter oder gar Stiele und Wurzeln sind da schon fragwürdiger. Bedenkt man jedoch das große Ganze, so hat die Pflanze den Vorteil „gepflanzt“, gepflegt und optimal versorgt zu werden, damit verhältnismäßig kleine Teile gefressen werden. Dies ist am Ende ein guter Deal! Ich persönlich muss allerdings sagen, dass ich schon bei Pflanzen, die verstauben, an Straßen stehen, zu stark beschnitten werden, etc. das Gefühl eines Schmerzes habe, zumindest was die reine Anschauung angeht. Eine solch gequält Pflanze umhegt und gepflegt, sieht meist schon wenige Augenblicke nach dem Abwaschen oder gar Umtopfen „erfeuter“ aus. Dieses Empfinden mag ich MIR auch nicht nehmen lassen! ;)

  18. Claudia Klinger sagt:

    Danke für Eure Kommentare! Bin derzeit etwas sehr eingespannt und schaffe es nicht immer, hier „zeitnah“ zu antworten.

    Ich liebe und bewundere Pflanzen, bin eine Hobbygärtnerin und tue viel, damit sich alle möglichst wohl fühlen. Dennoch denke ich, dass sie, wie Mondscheinblume ja selber sagt, keine unserem Empfinden vergleichbaren Schmerzen leiden:

    „Wozu sollte die Evolution die materielle Basis für Schmerzempfinden bei Wesen entwickeln, die von andren Tierarten (z.B. Menschen) versklavt werden können? Das wäre doch komplett überflüssig – ja regelrecht “teuflisch”!“

    Natürlich interagieren sie trotzdem auf sinnvolle Weise mit ihrer Umwelt, sonst gäbe es sie ja nicht!
    Veganes Bemühen dreht sich im übrigen um: „Leid vermeiden wo es möglich ist.“ Solange wir aber die „Lichtnahrung“ nicht wirklich beherrschen, MÜSSEN wir Pflanzen essen – auf Tiere können wir jedoch gut verzichten.

    Auch muss ich sagen, dass meine persöliche Solidarität umso größer ist, je näher mir das lebendige Wesen steht. Eine Mücke erschlage ich schon mal, Fische sind mir weit ferner als Schweine und Menschenaffen. Das ist nun mal Tatsache und ich finde das auch „evolutionär natürlich“.

    Derzeit gibt es den Trend, Tierisches aus der Ernährung zu streichen, andrerseits ist man dabei, Retortenfleisch zu entwickeln. Wer weiß, vielleicht macht man das eines Tages auch mit pflanzlichen Zellen, dann leidet niemand mehr und das Paradies ist erreicht! (Erleben werde ich das aber wohl nicht mehr…)

  19. John sagt:

    Danke für den Artikel. Ich glaube dass viel mehr hinter den Pflanzen steckt als wir denken. Nur weil wir Dinge nicht sehen, heißt es nicht, dass es sie nicht wirklich gibt. Einen zusätzlichen interessanten Bericht über dieses Thema habe ich hier entdeckt:

    http://motivationsgeschichten.blog.de/2014/09/01/cleve-backster-geheimen-gefuehle-emotionen-pflanzen-19280270/

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