Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Schnupperwochen Tag 2: Mein Abschied von der Milch

Schnupperwochen Tag 2 - ProgrammWer hier derzeit erstmalig ‚rein liest, dem sei ehrlicherweise gesagt: ich hab‘ gerade eine hochgradig inspirierte Phase und würde am liebsten einen Artikel nach dem anderen schreiben – aber das ist nicht immer so!

Dass es jetzt so ist, liegt an den wunderbaren Schnupperwochen von BerlinVegan, deren zweiten Tag ich gerade hinter mir habe. Eigentlich würde ich diesen Tag jetzt genauso gern „herunter berichten“ wie den Tag 1, doch fühle ich mich dazu grade außerstande, bzw. kann gewiss nicht ALLEN THEMEN gerecht werden.

Es hat mich zuviel Neues berührt, was ich gar nicht gedacht hätte. Denn immerhin bin ich doch schon seit Sommer 2010 mit persönlichem Veränderungseinsatz „im Thema“! Und das sogar als Bloggerin, die neben den eigenen Motiven immer auch das hilfreiche Zusatzinteresse hat: darüber könnte ich vielleicht einen spannenden Artikel schreiben!

Trotzalledem hab‘ ich offenbar einiges ignoriert, was die Vertreter der „Fleisch-Wende“ (= Versuch einer Begriffswahl, die ALLE einschließt) mit beachtlichem Engangement ins Web stellen. Es ist eben alles insgesamt zuviel, als dass man das als veränderungswilliger „kritischer Normalesser“ gleich alles für sich sinnvoll integrieren könnte. Und auch als „unverbissen vegetarisch“ (faktisch aber stracks in Richtung vegan..) lebende Newbee kann man nicht mit allem gleich viel anfangen – und ignoriert dann tendenziell die Infos derjenigen, die Motive bedienen, die bei einem selbst nicht so im Vordergrund stehen.

Auch Gesundheit ist ein Argument

Ihr mögt ja vielleicht drüber lachen, aber mich hat heute zum ersten Mal das „Gesundheitsmotiv“ kalt, bzw. ziemlich heiß erwischt! Bisher hat mich nur die Grausamkeit der heute üblichen und mehrheitlich (noch!) für normal bzw. unverzichtbar gehaltenen „Fleischsproduktion“ angekotzt, bei einigem Hinschauen dann auch grundsätzlich die fabrikartige Degradierung von Tieren (fühlenden Wesen) zu bloßem Produktionsmaterial.

Kein Gedanke an persönlichen Gesundheitsgewinn! Ich hatte ja schon so viele wechselnde Wahrheiten über „gesunde Ernährung“ gelesen, dass ich mich darum nicht mehr groß kümmere. Was heute als GUT gilt, kann morgen das Falsche sein – da richte ich mich lieber nach meinem Gefühl und dem alten Spruch „die Dosis macht das Gift“.

Allerdings hatte ich durchaus Bedenken, Milchprodukte GANZ zu streichen: Der Mensch braucht doch das Kalzium für die Knochen, sonst entwickelt sich Osteoporose – so die herrschende Lehre, die an mir nicht spurlos vorbei gegangen ist. Das Thema hab‘ ich auch deshalb besonders im Blick, weil meine Mutter mir da einiges vorgelitten hat, was echt nicht schön war!

Ostheoporose – die „reiche Frauen-Krankheit“

Im umfangreichen Vortrag über Milch, der viele Infos und Statistiken aus vielen Ländern einbezog, erfuhr ich nun, dass Ostheoporose eher dort verstärkt auftritt, wo massiv Milchprodukte verzehrt werden. Und dass in Weltgegenden, die gerade erst „lernen“, Milchprodukte als erstrebenswerten Luxus anzusehen, die Ostheoporose signifikant ansteigt, die auch „reiche-Frauen-Krankheit“ genannt wird, weil nur Betuchte sich die angesagten Nahrungsmittel leisten können. (Rund um die Milch werde ich einen extra Beitrag schreiben).

Meine Bedenken in Sachen Milchverzehr-Stopp verschwanden jedenfalls im Lauf des Vortrags vollständig. Schön! Sowas nehme ich gerne als mental entlastende Info mit, doch hatte mich die Angst vor Ostheoporose ja im richtigen Leben nicht wirklich belästigt. Das alles war ja bisher nur Gedanke, Spinnerei, kein Erleben.

Eine neue, ganz persönliche Hoffnung

Anders mein Augenleiden. Seit zwei Jahren hab ich eine „chronische Uvitis“, eine ständig wiederkehrende Augenentzündung („Regenbogenhaut-Entzündung). Die Standardmedizin weiß darüber wie so oft nicht viel, in 80% der Fälle ist die Ursache ungeklärt. Man drückt halt die Entzündung mittels Kortison-Tropfen weg, von dem man dann abhängig ist. Es gab in zwei Jahren meiner Geschichte mit diesem Leiden genau zwei Theorien von Arztseite: „eine Art Rheuma/Autoimmun-Erkrankung“ und „trockenes Auge“.

Was da vom Arzt tatsächlich bei den Untersuchungen gesehen wird, sind Eiweiß-Ablagerungen, wo keine sein sollten. Wie die zustande kommen? Darüber wissen sie nichts und probieren halt dies und jenes aus. Im Milch-Vortrag hörte ich nun, dass genau solche „rheumatischen“ Eiweiß-Ablagerungen eine Folge des Milchprodukte-Konsum sein können. Und dass bei vielen Menschen ihr Rheuma und all seine Varianten, genauso wie diverse unerklärliche Allergien (die ich auch habe) mit Weglassen der Milchprodukte verschwanden oder sich deutlich besserten. Dass Ärzte das oft sogar wissen, ihren Patienten aber eine Tierprodukt-freie Ernährung nicht zu empfehlen wagen, weil sie fürchten, sie als Patienten zu verlieren.

Wow! Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass ich auf einmal einen „neuen Link im Kopf“ zur ganz persönlichen Betroffenheit habe. Das ergänzt meine sowieso schon vorhandene Motivation nochmal um einen „egoistischen“ Aspekt – was bitte soll daran falsch sein?

Mit Staunen lese ich hier und da im Web, dass es Leute gibt, die es sogar falsch finden, mit Gesundheitsgründen für vegane Ernährung zu werben! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Grund haben würde, Alt-Bundeskanzler Kohl wertschätzend zu zitieren, nämlich mit den Worten „es kommt drauf an, was hinten raus kommt“. Für mich ist das weniger Tierleid und weniger Umweltbelastung. Wenn nun noch dazu kommt: mehr Gesundheit für mich persönlich – ja wunderbar!

Massive Infos und ein Argumentationstraining

Die Vorträge über „Rinder“ und „Eier“ waren ebenfalls großartig. Aber natürlich auch deprimierend, wenn man wieder mal so zusammen gefasst vorgestellt bekommt, wie furchtbar die „Megamaschine“ arbeitet. Vor dem Video, in dem die männlichen Küken geschreddert werden, verließ eine Mutter mit ihren Kindern sinnvollerweise den Raum. Mich regen die Themen dazu an, eigene Info-Seiten zu planen – diesem Blog hier wird der Stoff so schnell nicht ausgehen.

Im anschließenden „Argumentatíonstraining“ waren in Gruppenarbeit Fragen zu beantworten, die typischerweise von Fleisch-Essenden gestellt werden – durchaus auch provozierend gemeinte. Wir hatten ja nun genug Infos vernommen, so dass es kein Problem war, auf bekannte Vorhaltungen wie „für Milch sterben keine Tiere“ zu reagieren.

Eines der Themen hat einige so sehr berührt, dass sich zwei Gruppen nicht auf eine Antwort einigen konnten, nämlich das Fleisch-Esser-Argument gegen Veganer: „Auch Planzen haben Gefühle“. Einzige Entgegnung, die unproblematisch und wahr ist: Wir müssen Pflanzen essen um zu leben, wogegen wir auf Tierprodukte verzichten können. Ob Pflanzen nun Gefühle haben oder nicht – wer will das wissen?

veganes Buffet - DetailDas Buffet vom zweiten Tag war wieder sehr gut, machte optisch allerdings ein wenig den Eindruck, als wär man bei der Fleischer-Innung! :-) Viel vegane Wurst und sogar eine Art Hackfleisch/Zwiebelmett sollten zeigen, dass auf „Fleischiges“ nicht verzichtet werden muss. Mein Ding wird das vegane Zwiebelmett allerdings eher nicht werden.

***
Hier nun noch ein paar Info-Links rund ums Thema „Milch“:

Autor: Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.