Sojafleisch war meine zweite große Entdeckung nach Seitan aus Weizengluten. Wo Seitan in der Textur eine gewisse Faserigkeit vermissen lässt, kann texturiertes Soja punkten. Zudem ist es leichter selbst zu verarbeiten, da man das getrocknete Produkt nur aufkochen und richtig würzen muss, wogegen es beim Herstellen von Seitan etliche Versuche braucht, bevor man mit der Konsistenz zufrieden ist.

Der Vergleich mag ungerecht sein, da man ein Soja-Steak ja nicht erst selber herstellen muss, wogegen experimentierfreudige Veggies oder Normalköstler auf der Suche nach Fleisch-Alternativen beim Seitan durchaus zum selber-kochen neigen. Es ist aber nun mal Fakt, dass Fertig-Seitan teuer ist und geschmacklich bereits meist so vordefiniert, dass viele lieber selber kochen. Getrocknetes Sojafleisch ist dagegen billig und den Geschmack können wir ihm selber geben.

Peters Tutorial: Vegane Fleischküche – texturiertes Sojafleisch

Obwohl Sojafleisch recht unkompliziert zuzubereiten ist, kann man doch einiges falsch machen und so zu frustrierenden, wenig wohlschmeckenden Ergebnissen kommen. Ein wahrer Meister in Sachen Fleisch-Alternativen ist Peter, der mit seinem Blog „Die Umsteiger – weg vom Fleisch“ und seinen tollen Koch-Videos schon vielen geholfen hat, traditionelle Fleischgerichte aus pflanzlichen Ausgangsprodukten stimmig nachzuempfinden.

Neben den Videos über Einzelrezepte wie „Chicken Wings“, Spare Ribs, Bratwurst und sensationelle Wiener Schnitzel hat er nun kürzlich ein Video-Tutorial zum grundsätzlichen Umgang mit „veganem Fleisch“ aus Soja hochgeladen, das ich allen sehr empfehlen möchte:

Im Video stellt Peter zunächst die verschiedenen Sorten vor, die im Sektor „texturiertes Soja“ angeboten werden: Schnetzel, Würfel, Steaks, Medaillons und Granulat. Peter verwendet die Produkte von Hiela, doch gelten die Tipps und Herangehensweisen ebenso für alle am Markt erhältlichen Varianten von Trockensoja.

Besonderheit: Sojageschmack komplett ausspülen

Bei der Zubereitung geht Peter ein wenig anders vor, als ich (und vermutlich viele andere) es bisher handhabten: nämlich das Trockensoja zunächst in einem Würzsud aufkochen und einweichen lassen, dann ausdrücken, würzen und braten. Das bringt zwar meist ganz akzeptable Ergebnisse, doch bleibt so gelegentlich auch der Sojageschmack noch drin, der zu vielen traditionellen Fleischgerichten einfach nicht passt.

Peters Methode: erst in ungewürztem Wasser aufkochen, dann mehrfach durchspülen, bis das „Abwasser“ klar ist. So verschwindet garantiert jeglicher Sojageschmack!

Die abgegossenen, nun geschmacklich neutralisierten Sojateile kocht Peter dann erneut in einem Sud mit Salz, Sojasoße, Tomatenmark und Hefeextrakt auf und lässt sie zehn bis 15 Minuten ziehen. Auch morgens aufkochen und bis zum Abendessen stehen lassen ist eine Möglichkeit. Im nächsten Schritt werden die Schnetzel ca. 10 bis 15 Minuten knusprig gebraten – und erst DANN gewürzt, je nachdem, was das Ganze werden soll, z.B. für Gyros mit einer Gyros-Gewürzmischung, klein geschnittenen Zwiebeln und Salz. Danach brät Peter das Sojafleisch nicht mehr elend lange weiter, sondern kommt zum Ende, sobald sich die Gewürze ein wenig entfaltet haben und die Zwiebeln angeröstet sind.

Das Video vermittelt also eine „todsichere Methode“, wie man mit Sojafleisch nahezu authentischen Fleischgeschmack ohne Soja-Touch hinbekommt. Danke Peter! Deine vegane „Fleischküche“ macht den Verzicht auf Tierfleisch leicht – und immer wieder staune ich, wenn etwas davon so gut klappt, dass selbst „Normalköstler“ es wundervoll finden. „So wunderbar zartes Fleisch könnte ich mir vom Tier gar nicht leisten“, meinte ein lieber Freund, den ich am Wochenenede mit den bekannten „Wiener Schnitzeln“ bekochte. Was will man mehr?

***

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Diesen Artikel weiterempfehlen:


[diese Buttons übermitteln vor dem Klick KEINE Daten!]

Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
Dieser Beitrag wurde unter Fleisch ersetzen, Rezepte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu Vom Umgang mit Sojafleisch: Steaks, Medaillons, Schnetzel & Co.

  1. Gunther sagt:

    Hallo Claudia,
    Hefeextrakt ist übrigens nur eine andere Bezeichnung für Glutamat, ein sehr umstrittener Geschmacksverstärker, der im Verdacht steht, das Gehirn nachhaltig zu schädigen, darauf würde ich verzichten…
    VLG
    Gunther

  2. Homeveganer sagt:

    Werde ich mal ausprobieren, habe das Video jetzt zum „später ansehen“ markiert. Ich verstehe nur immer nicht, was manche am Soja-Geschmack auszusetzen haben? Auch bei Sojamilch lese ich oft „schmeckt zu sehr nach Soja“. Scheinbar fehlen mir da einige Geschmacksknospen, denn das hat mich noch nie gestört :) Für den Fleischesser auf der Suche nach dem perfekten Immitat könnte das natürlich ausschlaggebend sein. Danke für den Tipp.

  3. Claudia sagt:

    @Gunther: dann verzichte! Ich tu‘ es nicht, denn es ist ein guter natürlicher Geschmacksverstärker, der zwar AUCH mit Glutamat chemisch identische Stoffe enthält, aber nicht nur. Zweitens ist Glutamat nicht an sich mega-schädlich, sondern es kommt auf die Menge an, die man zu sich nimmt. Wie bei fast allem gilt: die Dosis macht das Gift!
    Bin da ganz mit Peter einer Meinung: es geht mir bei bestimmten Gerichten mehr um den Geschmack als darum, sämtlichen Ideen der Gesundheits-Orientierten zu entsprechen!

    @Homeveganer: ich mag Sojasoße, aber nicht den Geschmack des „Abwassers“ der abgekochten Sojaschnetzel. Und ja: bei traditionellen Fleischrezepten stört dieser Geschmack SEHR!

  4. Carina sagt:

    Hallo Claudia,
    danke für diesen sehr interessanten Hinweis. Ich hatte damals schon die Schnitzel aus Peters Youtube Kochvideo nachgebrutzelt, nachdem du dies empfohlen hast und konnte meine Familie begeistern. Heute habe ich die Spareribs ausprobiert und die Soja Big Steaks diesmal auch wie von Peter vorgeschlagen vorher ausgekocht und gespült. Eins habe ich mir zum Mittag gebraten und ich bin sehr begeistert, sooo lecker. Die anderen gibts heute Abend für die Familie.
    Jetzt warte ich auf das bestellte Liquid Smoke und dann werden am Wochenende die Chicken Wings ausprobiert. Bin ganz gespannt, denn das war früher einer meiner Favoriten. Ich finde es toll, dass ich jetzt all die Gerichte, die ich früher so gerne mochte nun wieder genießen kann, nur diesmal ganz ohne Tierleid. Ganz großes Kompliment an dich, Claudia für deine tolle Seite und deine super Anregungen.
    Gruß Carina

  5. Einen Sojageschmack habe ich bei meine Zubereitungen von den Sachen aus texturiertem Soja nicht feststellen können, mich störte eher die schwammartige Konsistenz. Aber das klappt immer besser, und da ich gestern auf den Umsteigerblog aufmerksam gemacht wurde, hoffe ich, daß die Zeit des Ausprobierens bald ein Ende hat.

  6. Pingback: Vegane Ernährung: Vom sanften Zwang, ständig zu kochen » Unverbissen vegetarisch

  7. Ulrike sagt:

    Vielen Dank für diese tolle Anleitung. Habe Sojaschnetzel das erstemal ausprobiert. Habe Käse-Lauch-Suppe gemacht. Möchte behaupten, dass man diese auch „eingefleischten“ Fleischessern hätte servieren können ohne dass denen etwas aufgefallen wäre. Ist jetzt nicht unbedingt mein Ziel möglichst genau Fleisch nachzuahmen. Mir geht es nur darum ohne Fleisch zu kochen und dass es gut schmeckt. Das hat funktinoert und macht Lust mehr auszuprobieren…

  8. Pingback: Kulturelle Trends 2014: Selbstzensur, Matschbirne, Männerrechtler, weniger Fleisch › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  9. Rob sagt:

    Weil ich grade wieder auf der Suche nach Bezugsquellen für die Sojateile war und diesen Post fand, möchte ich hier noch 2 Dinge hinzufügen.

    1) die Sojasteaks können auch in Öl eingelegt werden mit Gewürzen und Zwiebeln lassen diese sich dann perfekt grillen und jeder Omni wird neidisch

    2) ich finde den Grundgeschmack der Teile ziemlich gut. Sogar so gut, das der Sud aus Brühe+Sojasosse bei mir nie weg kommt, sondern noch als kleine Vorsuppe auf den Tisch kommt und mir unglaublich gut schmeckt.

    tschö

  10. Michael sagt:

    Gibt mittlerweile auch extra Sojafleisch für Sportler. Hab ich auf http://www.naturalpowerfoods.de gefunden. Schmeckt mir irgendwie besser als die anderen, weil weniger stark nach Soja. Hat damit noch jemand Erfahrungen gemacht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*