Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Keine Kennzeichnung veganer und vegetarischer Lebensmittel – Bundesregierung lehnt Bundesratsinitiative ab

Punktgenau zur Grünen Woche macht die Bundesregierung der Nahrungsmittelindustrie ein Geschenk: Eine Regelung zur Kennzeichnung veganer und vegetarischer Lebensmittel soll es auf absehbare Zeit nicht geben.

Lange schon fordern Verbraucher eine klare Definition und Kennzeichnungspflicht rein pflanzlicher Nahrungsmittel. Die von Foodwatch, VEBU und Veganer Gesellschaft getragene E-Mail-Kampagne hatten über 86000 Menschen mitgezeichnet und im September 2013 forderte der Bundesrat auf Initiative Niedersachsens die Bundesregierung auf, bei der EU eine entsprechende Regelung anzumahnen und auch eine nationale Regelung zu prüfen (siehe Bericht auf Foodwatch).

Dies alles hat der Bundesregierung offenbar nicht gefallen. Laut einer Meldung auf Top Agrar Online wurde die Bundesratsinitiative nun knallhart abgelehnt. So sieht die Bundesregierung

„…aktuell keine Veranlassung für einen entsprechenden Vorstoß auf EU-Ebene. Auch eine nationale Regelung hält man nicht für angebracht. Bereits nach geltendem Recht hätten die Verbraucher die Möglichkeit, sich anhand von Verkehrsbezeichnung und Zutatenverzeichnis über die Zutaten eines Lebensmittels und somit auch über Inhaltsstoffe tierischer Herkunft zu informieren. Zudem trage die Wirtschaft durch Eigeninitiativen schon jetzt dem Bedürfnis von Vegetariern und Veganern Rechnung, beim Kauf „auf einen Blick“ erkennen zu können, ob ein Lebensmittel keine tierischen Bestandteile enthält.“

So so! Man kann also „auf einen Blick erkennen“, welche der winzigst aufgedruckten Inhaltsstoffe mit den kryptischen Bezeichnungen tierisch und welche pflanzlich sind? Nicht im Ernst!

Ethische Gründe zählen nicht

Aus der Absage geht im übrigen auch hervor, dass für die Regierung allenfalls gesundheitliche Aspekte ernst zu nehmen wären, nicht aber ethische Gründe, Tierprodukte zu meiden:

„Ohnehin stünden gesundheitliche Aspekte objektiv bei einer Kennzeichnung von Lebensmitteln für Personen mit vegetarischer oder veganer Ernährungsweise nicht im Vordergrund. Auch deshalb halte man es für ausreichend und angemessen, die deutschen Interessen auf EU-Ebene erst dann einzubringen, wenn die EU-Kommission einen entsprechenden Rechtsetzungsvorschlag unterbreite, so die Regierung.“

Diese Meldung auf Top Agrar Online (15.01.2014 Alfons Deter) ist bisher das einzige, was ich dazu finden konnte (offenbar haben unsere Qualitätsjournalisten das Theme nicht auf dem Schirm). Wirklich überraschend ist diese Missachtung berechtigter Verbraucherinteressen allerdings nicht. So schrieb vegan.eu schon im Oktober:

Die Initiative des Bundesrates ist sehr zu begrüßen, sie stößt aber  nach einem Bericht der WZ leider bei der gegenwärtigen Bundesregierung und speziell beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf wenig Gegenliebe. Auf EU-Ebene werde lediglich geprüft, welche Kriterien für vegane und vegetarische lebensmittel aufgestellt werden könnten. Einer nationalen Regelung gebe man keine Chance.

Unausgesprochen bleibt dabei, dass eine nationale Regelung nur dann keine Chance hat, wenn sie nicht gewollt wird. Zudem liegt es eben auch an der Bundesregierung, durch aktives Engagement dafür zu sorgen, dass die EU nicht nur prüft, sondern eine Kennzeichnungspflicht durchsetzt.

Die Haltung des Verbraucherschutzministerium ist jämmerlich und zeigt, dass dies Ministerium sich tatsächlich nur dem Namen nach für Verbraucherschutz einsetzt. Die Lebensmittelproduzenten haben kein Interesse an einer Regelung, da die derzeitige Situation es ihnen ermöglicht, die verschiedensten Tierbestandteile durch eine undeklarierte Einmischung in Lebensmittel zu entsorgen.

Autor: Claudia Klinger

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