Wie wohl viele Neu-Vegetarier suchte ich erstmal nach Fleischersatzprodukten, die möglichst nahe ans „Original“ ran kommen. Darüber mögen Erfahrene (und erst recht Veganer) ruhig spotten, aber eine neue, Fleisch- Wurst- und Speck-freie Kochroutine muss sich ja erstmal entwickeln.

Der „Vegetarische Grillmix“ begegnete mir über den Sommer gleich in mehreren Supermärkten. Er besteht aus einem „Klößchenspieß“ mit sechs Pseudo-Fleischbällchen, einer Fast-wie-Boulette und einem Maisburger, die man allesamt einfach so auf den Grill werfen kann. Ich hab‘ sie in der Pfanne gebraten und war zunächst begeistert: Wow, so nah ans „Echte“ war bisher nichts Anderes gekommen! Kaum jemand würde überhaupt bemerken, dass diese Klößchen und der vegetarische Hamburger KEIN Fleisch enthalten, wenn man sie mit entsprechenden Zutaten (Ketchup, Senf) serviert. Mein Fleisch-essender Gast hat das bestätigt: nur weil er Bescheid wusste, fiel ihm die etwas „brotigere“ Textur der Speisen auf.

Die Fleisch-ähnlichen Bestandteile des Grillmix basieren auf Weizeneiweis. Als Zutaten werden Rapsöl, Zwiebeln, Ballaststoffe (Inulin, Kartoffelfaser), Hühnereiklapulver, Senf, Weizenmehl, Bouillon (ohne Fleisch / Ei), Weizenstärke, Zwiebelgranulat, Knoblauchgranulat, Dextrose, Zucker, Antioxidationmittel, stark tocopherolhaltige Extrakte und als Farbe Zuckerkulör genannt. Es ist also eine Fertig-Gericht-typische, Komposition aus vielen denaturierten Bestandteilen – aber das wusste ich ja und geschmeckt hat es wirklich super!

Vegetarisches vom Fleisch-Vermarkter?

Da ich ganz gerne eine Packung mit NUR diesen Fleischbällchen gehabt hätte, schaute ich nach den Herstellerangaben: da firmiert eine Artland Convenience GmbH aus Badbergen, daneben prangt das Logo „VION Food Group“. Eine kurze Recherche im Web ergab zu meiner Bestürzung: das ist ein multinational aktiver niederländischer Food-Konzern (siehe z.B. vionfreshmeatde.com) mit Miliardenumsätzen und intensiver Fleischproduktion.

Kann man von einem solchen Hersteller guten Gewissens ein vegetarisches Produkt genießen? Noch bin ich ja erst dabei, meine Haltung zu all diesen Dingen zu entwickeln und bin mir da nicht sicher. Einerseits wird hier umfangreich Massentierhaltung unterstützt, die ja der wesentliche Grund ist, warum ich „aus Fleisch aussteige“. Andrerseits: Soll nicht auch so ein Konzern am eigenen Produkt bemerken dürfen, dass die Zeiten sich ändern und immer mehr Menschen vegetarisch leben wollen?

Nachdem ich den vegetarischen Grillmix ein zweites Mal genossen hatte, verschwand für mich der Grund, diese Frage für die Zukunft zu beantworten. Denn es ist wie mit allen kunstvoll zusammen komponierten Fertigprodukten: Der Geschmack mag stimmen, im ersten Moment sogar begeistern – es ist aber immer derselbe „optimierte“ Geschmack und den hat man ganz schnell über!

Ich muss eben doch neue Koch-Welten mit Frischprodukten der eigenen Wahl erschließen. Das ist gesünder und die geschmackliche Abwechslung kommt dabei ganz von selbst.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Diesen Artikel weiterempfehlen:


[diese Buttons übermitteln vor dem Klick KEINE Daten!]

Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
Dieser Beitrag wurde unter Fleisch ersetzen, Produkte abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Getestet: Vegetarischer Grillmix

  1. dirk sagt:

    Nein, Spott ist das nicht. Es ist eher so, das sich ein Vegetarier den Geschmack des auf der Packung abgebildeten Gerichts gar nicht vorstellen kann. So sieht nichts aus, was schmeckt. Vorstellen kann ich mir, dass mit Soja oder Weizenkleber die Konsistenz recht gut imitiert werden kann. Aber ist das gesund? Ob auch der Geschmack trifft, das kann ich nicht beurteilen. Ich habe schon öfter die Krause Glucke (Pilz) in Scheiden geschnitten, paniert und gebraten. Das schien für manchen Fleischfresser ganz o.k.

  2. gwegner.de sagt:

    Ich glaube, wenn man versucht, Fleisch zu ersetzen durch etwas, das dem nahe kommt wird man scheitern. Weil man immer dem Fleisch nachtrauert. So ähnlich als ob ein Alkoholiker versuchen würde sich mit alkoholfreiem Bier zu entwöhnen.
    Viel besser ist es, Geschmack an den pflanzlichen Alternativen zu finden! Zuchini lecker gewürzt auf den Grill, Schafskäse in Paprika mit Rosmarin und Knoblauch, und und und… Wenn man das Grillen damit beginnt, sind die meisten schon satt bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, dass es ja auch noch Fleisch geben könnte/müsste…
    BTW: Ich hab noch nicht ein einziges Mal Tofu gegessen…

    und zu Deiner Frage oben im Artikel: ich bin der Meinung, dass man die industrielle Lebensmittelindustrie nicht unterstützen sollte. Egal ob vegetarisch oder nicht. Die Zusatzstoffe und Produktionsmethoden sind alles andere als gesund und/oder ökologisch. Für die Massenproduktion wird so billig importiert, wie möglich, dafür fallen u.a. wieder Urwaldbäume und lokale Märkte werden zerstört. Besser ist es, lokal und frisch zu kaufen als fertig aus der Massenproduktion – auch, wenn in diesem Fall keine Tiere direkt verarbeitet werden.

  3. Claudia Klinger sagt:

    Klar ist frisch und lokal das Beste! Und wenn ich derzeit all die Sendungen über Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und all das sehe, wird mir nochmal extra schlecht. Hab gerade gestern noch allerlei Fertigpacks ausgemistet….

    Die veganen Alternativen in den Bio-Läden und bei den Spezialversendern werde ich aber durchaus mal probieren (und setze sie in der „Gesamtschädlichkeit“ auch nicht den groß-industriellen Massenprodukten gleich). Klar trifft nichts davon den Geschmack, den man kannte – aber warum soll man auf alternative Eiweißprodukte verzichten, wenn sie für sich genommen GUT schmecken? Der Geschmack ändert sich im Lauf der Erfahrung. :-) Allerdings auch nicht so sehr, dass mir der vegane „Landjäger-Ersatz“ kürzlich schon geschmeckt hätte….

  4. Pingback: Fleischersatz: Über Moral und Geschmack » Unverbissen vegetarisch

  5. Pingback: Acht Monate unverbissen vegetarisch – ein persönlicher Rückblick » Unverbissen vegetarisch

  6. Link sagt:

    Die Maximalisten machen alles zu nichte.Es ist schon ein wunderbarer Fortschritt,wenn ein Fleischproduzent vegetarische Alternative anbietet. Es ist viel mehr Wert, als wenn man die Maßstäbe der fleischlosen Clubs der Vegetariern erfüllt.
    Wenn es sein muß, müssen alle vegetarische Produkte so hergestellt
    werden, daß von ALLEN (ohne Clubmitgliedschaft) gerne angenommen werden! Das ist ein Erfolg für Tierschützer und Umwelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*