Darf ein bekannter Wursthersteller vegetarische, gar vegane Produkte entwickeln und vermarkten? Seltsamerweise treibt diese Frage so manche Veggies um, mich allerdings nicht. Ganz im Gegenteil hab‘ ich mir das immer gewünscht!

Warum? Dazu muss ich ein wenig ausholen: Wie man beim Stöbern in diesem Blog leicht erkennen kann, ist es ziemlich Fleischersatz-lastig. Ich hab‘ eine Menge ausprobiert: „Seitan selber machen„, als Steak, im Kochbeutel und als Wurst. Ich war (und bin!) total begeistert von den Wiener Schnitzeln aus Sojafleisch und hab‘ auch immer gerne Fleischalternativen ausprobiert – sowohl von den bekannten Vegan-Versendern als auch aus dem Supermarkt.

Fleischalternativen

Mit alledem war ich mal mehr, mal weniger zufrieden. An die Eigenkreationen stellte ich nicht so hohe Erwartungen, da mir die Zeit zu vielen Experimenten zwecks „Optimierung“ fehlte. Recht nah dran war da schon ein toller Erfolg! Die gekauften Fertigprodukte, die ja Ergebnisse langwieriger Entwicklung sind, fand ich allerdings  oft enttäuschend, denn was Geschmack und Konsistenz anging lagen sie doch meist ein wenig „neben“ dem, was man erwartet, wenn auf dem Produktbild eine Wurst oder ein Schnitzel prangt (Ausnahme: Schinkenwurst-Aufschnitt etc. – das scheint einfach zu sein).

Na klar, ist ja kein Fleisch!
– der Einwand ist richtig, ich hab das auch immer „entschuldigend“ dazu geschrieben, aber im Hinterkopf hatte ich durchaus den Gedanken: Da sollte mal ein Großhersteller ran, jemand mit Jahrzehnte langer Erfahrung in Sachen: Wie bekomme ich den richtigen Geschmack und die passende Konsistenz in eine weitgehend geschmacklose Fleisch & Fett-Masse?

Entdeckt: Vegetarische Mini-Frikadellen – eine Annäherung

Als ich irgendwann 2015 im Supermarkt die vegetarischen Frikadellen der Rügenwalder Mühle entdeckte, griff ich zu. Zwar sind die „nur vegetarisch“, aber ich war neugierig, wie sie es hinbekommen haben. Bisher hatten mich gekaufte „Vleischbällchen“ eigentlich immer enttäuscht, meine veganen Tofuletten waren dagegen sehr erfolgreich, auf Partys musste ich dazu schreiben, dass sie vegan sind.

Und ja, die Rügenwalder schmeckten wirklich toll, jedenfalls genau so, wie man entsprechende Mini-Bouletten aus Fleisch kennt, sogar „originaler“ als meine Tofuletten. Klar, wenn man Ei nimmt, wird es einfacher. Macht mal was voll Veganes, das so gut schmeckt, dachte ich mir. Dann kauf‘ ich das vielleicht öfter (allerdings nur, wenns nicht mehr im Hartplastik-Topf kommt!).

Ausprobiert: Veganes Hack und vegane Hamburger der Rügenwalder Mühle

Nach dieser Vorgeschichte ist sicher klar, warum ich mich freute, als mir zwei neue, nun komplett vegane Produkte der Rügenwalder Mühle zum Ausprobieren angeboten wurden: das vegane Hack und der ebenso vegane Hamburger.

Das Angebot kam von der Plattform Utopia.de, wo man einiges über die Aktion und die Geschichte der Veränderungen der Rügenwalder Mühle nachlesen kann – immerhin ein Hersteller mit 200 jähriger Firmengeschichte und 500 Angestellten. Dass der VEBU den Transformationsprozess der Firma beratend unterstützt, wundert jedenfalls nicht!

Hack-Vleisch, das nicht wegschrumpft

Aber zur Sache: das Rügenwalder Mühlenhack ist ein Ersatz für unzubereitetes Hackfleisch – also kein Fertiggericht, wie ich zunächst dachte. Die Konsistenz ist einwandfrei und für alle Hackfleischgerichte, die man daraus zubereiten kann, sehr gut geeignet. Es hat dem Fleisch gegenüber sogar den Vorteil, dass die Menge beim Anbraten nicht schrumpft.

Und hier die Inhaltsstoffe:

„Trinkwasser, Sojaproteinkonzentrat (32%), Rapsöl, Säureregulatoren: Kaliumlactat, Natriumacetate, natürliches Aroma, Kochsalz, Zucker, Gewürze, Traubenzucker, Karamell, Malzextrakt, Rauchsalz (Kochsalz, Rauch) Kann Spuren von Gluten enthalten.“

Bei „Kaliumlactat“ bin ich erstmal hängen geblieben, da dieser Säurestabilisator aus Milchsäure hergestellt wird. Allerdings ist Milchsäure nicht zwangsläufig unvegan, sondern wird vielfach auch durch bakterielle Fermentation erzeugt, wie man bei PETA nachlesen kann.

Ich hab mir aus dem Hack eine schnelle Bolognese zubereitet. Einfach mit Zwiebeln und gestückelter Gemüsepaprika angebraten:

veganes HAck

Dann noch 1 gehäufter EL Tomatenmark mitgebraten und das Ganze mit passierter Tomate und Gemüsebrühe abgelöscht. Genaue Mengen kann ich hier nicht angeben, weil ich das „interaktiv“ entlang an der Konsistenz des Kochguts entscheide: wenns zu dick ist, dann mehr Brühe… Schließlich abgeschmeckt mit Pfeffer, Thymian, Oregano und gepresstem frischen Knoblauch – fertig!

vegane Blognese

Es hat hervorragend geschmeckt, das Hack hatte genau den richtigen Biss! Sollte ich mal wieder eine aufwändige, aber geschmacklich vielfältigere Slow-Food-Bolognese machen, werde ich dieses Hack verwenden und mir den Aufwand mit den Sojaschnetzeln sparen.

Hamburger – eigentlich nicht mein Ding, aber…

Klassische Hamburger haben mich nie groß gereizt. Die seltenen Besuche bei McDonalds & Co. waren immer entäuschend, ich hatte also nie Grund, etwas zu vermissen. Und das jetzt als veganes Fertigprodukt? Ich war skeptisch! Dachte auch nicht wirklich daran, mir so einen richtigen Hamburger „aufzuhäufeln“, im Schlabberbrötchen mit Gurke, Salatblatt, Majo und Ketchup, den ich dann nurmehr sehr unbequem essen könnte.
Aber ich muss ja nicht, kann mir das ja als gebratene Boulette mit Ketchup und Salat zubereiten:

Hamburger vegan

Tja, was soll ich sagen? Es hat unerwartet gut geschmeckt! Das Vleisch-Pad hat eine erstaunlich perfekte Konsistenz, es ist kein bisschen „brotig“ wie so viele vegane Fleischalternativen. Und der Geschmack ist definitiv genau so, wie man das von einem Hamburger erwartet, es hat mir sogar besser gescheckt als die einst als so langweilig empfundenen Hackfleisch-Scheiben der bekannten Imbiss-Ketten.

Und hier die Inhaltsstoffe:

Trinkwasser, Sojaproteinkonzentrat (22%), Rapsöl, Weizengluten, Aroma, Kochsalz, Verdickungsmittel: Methylcellulose, Sojaproteinisolat (1%), Gewürze, Malzextrakt

Sieht doch gut aus, für ein Fertiggericht wirklich überschaubar! Zu allen Zutaten in den vegetarischen und veganen Produkten erklärt die Rügenwalder Mühle übrigens auf ihrer Homepage, was es damit auf sich hat.

Die beiden Produkte wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt, doch mittlerweile hab‘ ich diese Packung mit 2 Hamburger-Pads sogar nochmal gekauft. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen… :-)

Auf den Innenseiten der Packung befinden sich übrigens liebevoll dargestellte vegane Rezepte – zum einen für die Bolognese, zum anderen für einen „richtigen“ Hamburger.

Zur moralischen Frage: Darf ein Fleischhersteller das?

Tatsächlich gibt es etliche Veggies, die eher aggressiv auf vegane Produkte von Fleischherstellern reagieren. Warum eigentlich? Ist nicht jedes pflanzliche Produkt ein Schritt in die richtige Richtung? Ist es nicht insgesamt ein großer Erfolg der vegetarisch-veganen Bewegung, dass sich nun auch große Hersteller daran machen, ihr Sortiment entsprechend umzugestalten? Vom Ergebnis her ist es doch auch viel erfolgreicher, wenn Menschen schmackhafte vegane Alternativen im normalen Supermarkt vorfinden, anstatt dass sie nur in Bio- und Veganläden fündig werden, gar online bestellen müssen.

Zum Glück überwiegen die positiven Reaktionen bei weitem, was zum einen an den Produkten liegt, zum anderen auch an der guten Kommunikation, die das Unternehmen betreibt. So wird auf alle Vorwürfe inhaltlich und sachlich eingegangen. Ich glaube nicht, dass die vegetarisch-vegane Produktlinie nur dem Wunsch geschuldet ist, auf diesem neuen Markt mitzumischen, also nur „Profit zu machen“, egal mit was.

Aber selbst wenn: dann hat der Kapitalismus mal wieder gezeigt, dass er ein verdammt flexibles System ist, das nicht immer nur das Böse bewirkt, sondern auch mal das Gute – wenn es sich lohnt.

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Über Claudia Klinger

Unverbissen Vegetarisch gibts auch auf Facebook (ich freu mich über jedes "´Like"!) Mit allgemeinen Themen findet man mich auf meinem seit 1999 aktiven Digital Diary. Und Veggie-News gibts auf Twitter.com/unverbissen.
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11 Antworten auf Veganes Hack und vegane Hamburger von der Rügenwalder Mühle – geschmacklich und moralisch betrachtet

  1. Nicole sagt:

    Ich würde nie bei einem Fleischproduzenten einkaufen. Gibt doch so viele kleine Unternehmen die nur vegan unterwegs sind. Mein Tipp:[Kommerzlink gelöscht] und selbst kochen

  2. Wolfgang sagt:

    Hallo Claudia,
    witzig hab diese Woche die Frikadellen von Rügenwalder getestet. Kann deine Begeisterung auf alle Fälle teilen.Mir haben sie auch sehr gut geschmeckt. Die anderen Produkte kenne ich noch nicht, noch

  3. Claudia Klinger sagt:

    @Nicole: schon interessant, wie geschickt du hier einen Kommerzlink zu elaborierten Sportler-„Superfoods“ unterbringst. Hätte ich die Seite nicht grade besichtigt, wäre ich versucht gewesen, dir inhaltlich zu antworten. Jetzt ist mir erstmal die Lust dazu vergangen.

    @Wolfgang: vegetarische Alternativen kriegen viele schon ganz gut hin – aber voll vegane, denen man es nicht anmerkt, sind noch sehr selten. Kommt auch sicher daher, dass viele „kleine Unternehmen, die nur vegan unterwegs sind“ zuviel auf einmal richtiger, gesünder, besser, ganz anders machen wollen. Die Produkte sind dann durchaus toll, aber eben ein deutliches Stück weg vom „Mainstream-Geschmack“. Den man aber gerne auch mal hätte – ab und zu, nicht dauernd.

  4. Xiaolian sagt:

    Ein völlig moralisch einwandfreies Leben ist sicher nicht möglich. Für mich macht eine Unterstützung von Wiesenhof und Konsorten keinen Sinn, verdrängen hier doch (meist vegetarische) Produkte von Großkonzernen die veganen Alternativen kleinerer Hersteller vom Regal. Sollen doch lieber die veganen Produzenten wachsen und Erfahrung gewinnen. Ich bin seit 13 Jahren Veganerin und habe auch Jahre vorher schon die veganen Rehormhausprodukte probiert. Damals waren der Geschmack und die Textur größtenteils grausam. Die beste Sojamilch schmeckte wie die schlechteste Marke heute. Und das bei einem Produkt, dass im Original (Japan, China) auf Jahrhunderte handwerkliche Produktionsgeschichte zurückblicken kann! Selbst heutzutage ist deutscher Tofu mit japanischen nicht vergleichbar. Warum geht keiner in Asien in die Lehre? Die meisten modernen Produkte haben aber wirklich eine Evolution erlebt.

    Zudem ist, wie du sagt, Wurst eine Fleisch-Fettmasse. Ich würde es begrüßen, wenn man die Tendenz zu übermäßigem Fettanteil in veganen Produkten umkehrt, da sind Wurstproduzenten nun wirklich nicht die Erfahrungsträger. Fleisch ist auch viel weicher und formbarer und entwickelt schon ungewürzt gebraten einen gewissen Eigengeschmack (den ich z.B. eklig finde, alles Gewohnheitssache), gebratener Lupinenschrot oder Gluten eher nicht.

    An Fertigprodukten mag ich die Bällchen von Vegetaria, die seit einiger Zeit vegan sind, aber der Hersteller gehört ebenfalls einem Schlachtkonzern. Auch nicht ok für mich, aber es zeigt, dass herzhafte Bällchen in Textur und Geschmack Fleischklöschen nicht nachstehen müssen! Und wenigstens versucht man sich nicht rauszureden, was den Einsatz von Ei betrifft. Auch Quorn könnte ein cooles Produkt sein, wenn da nicht tierische Zusätze wären. Ein Unterstützung vegetarischer (!) Produkte – vielleicht noch diese „tollen“ Milchschnitzel – von Wurstherstellern setzt meiner Meinung nach nicht das richtige Signal.

  5. Claudia Klinger sagt:

    @Xiaolian: der Test hier bezieht sich explizit auf die neuesten, nun voll VEGANEN Produkte der Rügenwalder Mühle! Und: mit 200 jähriger Firmentradition und 500 Angestellten ist dieses Unternehmen definitiv kein „Großkonzern“, der nur seinen Aktionären verpflichtet ist, sondern ein typisch deutscher Mittelständler. (Zum Vergleich: die Wiesenhof-Gruppe hat 5.483 Mitarbeiter).

    Deine Meinung zum Fettanteil in Wurst und Wurst-ähnlichen Vegan-Produkten respektiere ich als persönliche Präferenz. Für mich ist Fett allerdings ein wesentlicher Geschmacksträger, auch sind diverse Vitamine nur fettlöslich – kurzum hab ich nichts gegen Fett, man muss halt drauf achten, dass die persönliche Kalorienbilanz am Ende stimmt. Das geht ja auch, wenn man diese Dinge nicht STÄNDIG futtert!

    Interessant, dass du mit deinem positiven Geschmacksurteil über die Bällchen von Vegetaria (muss ich mal probieren) bestätigst, was ich auch denke: die klassichen Fleischverarbeiter haben mehr Knowhow, Geschmack und Konsistenz veganer Produkte gut hinzubekommen. Das liegt – ich schrieb es schon im Kommentar an Wolfgang – vermutlich daran, dass sie nicht gleich ALLES richtiger, gesünder und anders machen wollen, sondern mit ihren Produkten „so mainstreamig wie möglich“ bleiben wollen, nur eben vegan. Sprich: der Fertigkram schmeckt dann auch genauso, wie man es erwartet – ein Erlebnis, das ich bei den Produkten kleiner veganer Neu-Unternehmen nahezu nie hatte.

  6. Rami sagt:

    Ich habe die Produkte auch getestet. Und ich finde sie vom Geschmack her einwandfrei und kaufe sie immer wieder gerne. Das eine Firma sie herstellt, die sonst nichts mit vegetarischen Produkten am Hut hatte, war am Anfang befremdlich. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass durch dieses Angebot mehr Menschen einen leichteren Zugang zu fleischloser Ernährung bekommen. Und genau so sollte es doch sein. Alles braucht seine Zeit.

  7. Sam sagt:

    Also ich teste es seit diesem Monat mich vegan zu ernähren und ich finde dieses vegane Mühlenhack einfach nur schrecklich. Es hat überhaupt nicht geschmeckt. Ich hatte mir Chilli „con“ Carne machen wollen das Tofuzeug hat nach nix geschmeckt die 3€ hätte ich auch anders ausgeben können, fast alles wäre besser gewesen.

  8. Sam sagt:

    PS. in eine bolognese gehört Karotten und keine Paprika :P

  9. Arnd sagt:

    Sam: Für Chili nimm Naturtofu und lege ihn gewürfelt über Nacht in eine Marinade aus Tabasco, Sojasauce, Olivenöl und Zwiebeln ein.

    Für Bolognese nehme ich die Soja-Schnetzel von Rossmann (Eigenmarke „Enerbio“).

  10. David sagt:

    Also ich habe diese Woche das Cordon Bleu von Rügenwalder gegessen und es war echt der Hammer (nein, ich bekomme kein Geld für diesen Kommentar). Sogar meine Mutter und mein Bruder, die beide „echtes“ Schnitzel gegessen und bei mir probiert haben, meinten, dass es wie echtes Fleisch schmeckt und es hat ihnen sehr gut geschmeckt. Ich finde es nicht schlimm, dass ein Fleischhersteller auch vegetarische Produkte herstellt. Klar kann man sagen, dass man damit auch einen Fleischhersteller unterstützt, aber dieser wird dann in seiner Veggy-Abteilung die Erlösrechnung machen und wenn es sich lohnt – noch mehr hierein investieren. Wer weiß, vielleicht wird bei denen ja bald kein Fleisch mehr angeboten, weil es sich nicht mehr lohnt :D

  11. Peter Zeller sagt:

    Ich kaufe nix Industriell hergestellte „Ersatzfleischprodukte“
    Ich Brate-Koche alles aus eigener Herstellung. Es ist so einfach ( Ich nenne sie Taler) „Buletten–Burger aus Sojagranulat herzustellen . Allein die Inhaltsliste auf diesen Verpackungen halten mich vom Kauf ab. Ich habe auch nie diese fertigen Soßen gekauft.
    Der Einwand der von vielen gebracht wird ,das es so viel Zeit kostet stimmt nur zum teil. Ich koche ja dann für mehrere Mahlzeiten Soße

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