Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Gastbeitrag: Der Kopf isst mit

Nach der „Jahreswechselpause“, die sich in diesem Blog ergeben hat, freut es mich, das neue Jahr mit einem Gastbeitrag von Arnd Fricke zu eröffnen. Mit Arnd arbeite ich manchmal zusammen an Web-Projekten, denn er ist ein sehr guter CSS-Experte, der zudem auf Barrierefreiheit von Webseiten großen Wert legt. Kürzlich hab‘ ich ihn zum Seitan-Herstellen und Essen eingeladen – der Gastbeitrag ist quasi der „Nachhall“ dieses genussvollen Workshops.

Bohnen-BrotaufstrichVor längerem hatte ich einmal ein Streitgespräch mit einer Vegetarierin. Es ging dabei um einen pflanzlichen Brotaufstrich, von dem ich feststellte, dass er ein bisschen wie Leberwurst schmeckte.

Jene Person meinte daraufhin verächtlich, wer so etwas esse, sei inkonsequent. Man würde sich „durch die Hintertür“ wieder einen Genuss verschaffen wollen, den man eigentlich doch hatte aufgeben wollen. Wohlgemerkt: Die Rede ist von einem pflanzlichen Aufstrich, bei dem nicht einmal klar war, ob er absichtlich oder nur zufällig ein bisschen wie Leberwurst schmeckte.

Der Streit verlief erwartungsgemäß fruchtlos, brachte mich aber auf einen interessanten Gedanken: Wieso esse ich diesen Brotaufstrich gern, nicht aber Leberwurst?

Es heißt, die Augen essen mit. Aber auch der Kopf isst mit!

Käferlarven und GrashüpferMal angenommen: Ich esse eine Suppe, die mir gut schmeckt. Und dann klärt mich jemand auf, dass es sich um eine Maikäfersuppe handelt. Die wurde in Deutschland übrigens noch im 19. Jh. gegessen und schmeckt angeblich ähnlich wie Schildkrötensuppe; auch ist der Verzehr von Insekten in vielen Teilen der Welt ganz normal, gilt aber in unserem Kulturkreis als ekelhaft. Und so ginge es auch mir: Ich könnte die Suppe nicht mehr aufessen!

Dass etwas gut schmeckt, heißt nicht dass ich es auch genießen kann. Und so ist es auch mit der Leberwurst. Obwohl sie ähnlich schmeckt wie die erwähnte Veggie-Paste, ekelt es mich davor, sie zu essen. Ich muß dabei an zermanschte innere Organe ausgeweideter Tierkadaver denken, und genau das ist es ja auch.

Von Claudia wurde ich vor kurzem zum Seitan-Essen eingeladen. Diese Bratlinge schmecken ähnlich wie Fleisch (soweit ich mich dunkel erinnern kann – habe seit vielen Jahren keins mehr gegessen) und sehen auch ähnlich aus. Trotzdem kann ich sie mit großem Appetit verzehren, weil ich weiß, was es ist. Der Kopf
isst eben mit!

Autor: Claudia Klinger

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