Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Wilmersburger gegen Hefeschmelz: meine erste vegane Pizza

Ich sags gleich: an der Optik muss ich noch arbeiten, deshalb gibts erstmal kein Bild! :-)
Es war schon länger her, dass ich mal selber Pizza gebacken hatte, doch jetzt wollte ich es wissen. Was würde besser schmecken: der bekannte Hefeschmelz, den viele Veggies zum Überbacken einsetzen, oder der „Wilmersdorfer Pizzaschmelz“, ein extra für die Pizza entwickelter Käse, der schon gleich streufertig in der Tüte angeboten wird?

Für die eine Hälfte der Pizza bereitete ich also den Hefeschmelz vor – nach folgendem einfachen Rezept:

150 ml Gemüsebrühe (statt Wasser im „Originalrezept“)
4 EL Edelhefeflocken
2 EL Margarine (Alsan)
3 TL Mehl
1 TL Senf
etwas Soja Cuisine (Sahne bzw. Creme Fraiche-Alternative)

Die Butter-ähnliche Alsan wird geschmolzen, dann kommt das Mehl hinzu und wird mit dem Fett verrührt, bis es Blasen wirft. Dann die Brühe hinzu geben. Es folgt der Senf und die Hefeflocken, bei Bedarf (=wenns zuwenig flüssig wird, weil Brühe verdampft ist) noch etwas Wasser zugeben – fertig.

Der Belag

Den Pizzateig hatte ich selber zubereitet, ausgerollt und auf ein geöltes Backbleck ausgebreitet. Eine mehrere Stunden zuvor gekochte Pizzasoße (= halbe Zwiebel angeschwitzt, passierte Tomaten dazu, sowie ein halbes Glas roter Pesto, dazu Oregano, Pfeffer, Kräutersalz und zwei gepresste Knoblauchzehen) verteilte ich auf dem Blech. Auf die rechte Seiten kam nun gleich der „Wilmersburger“, der laut Hersteller zusätzliche Feuchtigkeit braucht, um zu schmelzen. Die ganze Pizza verzierte ich dann noch mit in Scheiben geschnippelter veganer Chorizo (2 x Spacebar), Champignonscheiben und ein paar Zwiebelringen. Dann verteilte ich den Hefeschmelz auf der linken Seite, den ich zuvor wieder etwas anwärmen und verflüssigen musste. Dann noch ein bisschen Oregano und Pfeffer über alles – und ab in den Ofen.

Nach 20 Minuten bei mittlerer Hitze war der Teig eigentlich fertig, aber die „Käse“-Beläge brauchten noch ein wenig Zeit. Als fast eine halbe Stunde ‚rum war, definierte ich die Pizza als fertig, auch wenn der Hefeschmelz durchaus noch ein paar Minuten vertragen hätte, um vermehrt gebräunte Stellen zu bekommen. Am Vortag hatte ich das Überbacken mit einer Portion Nudeln ausprobiert, da war das gut gelungen, komischerweise in kürzerer Zeit.

Test-Ergebnis: phänomenal käsig – und ein Unentschieden

Zum Test-Essen war mein Liebster gekommen, der – wenn man schon Schubladen braucht – als „sehr reduzierter Fleisch-Esser bzw- Teilzeit-Vegetarier“ einzusortieren wäre. Zu zweit schafften wir es, das Pizzablech alle zu machen, weit über den Hunger hinaus. Was schon mal klar macht: es hat wunderbar geschmeckt!

Optisch sah die Hefeschmelz-Seite besser aus, bzw. „gewohnter“ – eben wie eine ordentliche, jedoch ziemlich fette Käseschicht. Der Wilmersburger war „eingesunken“ und durch den Kontakt mit der Tomatensoße dunkler und röter geworden, aber nicht vollständig geschmolzen. Jedenfalls konnte man einzelne Schnetzel noch erkennen.

Das hat dem Mundgefühl allerdings nicht geschadet, der Wilmersburger war weich und cremig, die Käseschnipsel nicht mehr spürbar. Deutlich massiver war der cremig-fettige Eindruck des Hefeschmelzes, da er sich weniger mit dem Rest der Pizza verbunden hatte. Geschmacklich waren wir von beiden Varianten begeistert. Jemand, der es nicht gewusst hätte, hätte die Pizza als ganz normale, sehr schmackhafte Selber-mach-Pizza mit (vielleicht im Hefeschmelz-Fall etwas eigenwillig-massivem) Käse-Finish wahrgenommen, davon sind wir überzeugt.

Ich freue mich, dass der Wilmersburger unseren Test bestanden hat, denn wegen einiger kritischer Kommentare und der optisch nicht 100%ig verlaufenen Struktur hatte ich gezweifelt, ob das klappen würde. Doch das Endergebnis hat uns dann doch voll überzeugt! Der Käse auf mancher TK-Pizza schmilzt sogar schlechter, z.B. der auf der Spinatpizza Ristorante von Oetker, der fast gar nicht mehr zerläuft.

Die TK-Pizza-Hersteller sollten ihr Sortiment erweitern!

Wer hat schon immer Zeit, eine Pizza selber zu machen? Ich koche wirklich gern, hab‘ aber nicht immer Lust und Zeit. Ab und an musste es dann halt mal eine vegetarische TK-Pizza sein, doch jetzt weiß ich, dass es auch anders, nämlich ohne alle Tierprodukte geht!! Sowas wie einen „Wilmersburger“ sollte doch auch den klassichen TK-Herstellern gelingen, die doch über Jahrzehnte an KnowHow verfügen und ständig bemüht sind, neue TK-Produkte in die Tiefkühltruhen zu bringen. Teurer dürfte es dadurch eigentlich nicht werden, jedenfalls nicht SO VIEL TEURER wie die einzige vegane TK-Pizza (Pizza Peperoni/Natural Cool), die ich bei einer Kurzrecherche fand. Die verzichtet ganz auf eine Käse-Alternative, was sie für mich unkaufbar macht.

FAZIT: Wieder einmal hat sich gezeigt, dass ein klassisches, viel gegessenes Gericht komplett ohne Tierleid machbar ist, OHNE dass man deshalb irgendwelche geschmacklichen Defizite in Kauf nehmen müsste. Das ist etwas, was Normalesser mehrheitlich nicht wissen bzw. nicht glauben. Wir können sie einladen und überzeugen, ja – aber ohne eine einfache Kauf-Alternative in allen TK-Truhen normaler Supermärkte (und ohne Veggie-Käse-Pizza in normalen Restaurants und Bringdiensten) wird das nicht viel bringen.

Ich bin gespannt, welcher große Hersteller zuerst auf den Zug aufspringt!

Autor: Claudia Klinger

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