Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Vegan abnehmen – ein Mythos?

DVD-Cover Gabel Statt SkalpellGerade bekam ich die PR-Mail bezüglich einer DVD-Dokumentation „Gabel Statt Skalpell“ – Gesünder Leben Ohne Fleisch“, die Ende September erscheint. Im Anschreiben heißt es dazu:

„Wie gerne spielt man hierzulande über die „obese disease“, sprich Fettleibigkeit vieler Nord-Amerikaner. Tatsächlich beträgt in den USA und Mexiko der Anteil der krankhaft Adipösen über 30 Prozent! Damit sind sie unangefochten Spitzenreiter in der Welt! Darüber hinaus verursachten allein in den USA bereits 2009 die Ausgaben für Krankheiten im Zusammenhang mit Übergewicht ca. 150 Milliarden Dollar – fast doppelt so viel wie 10 Jahre zuvor.
Doch die Deutschen haben mittlerweile mächtig (!) aufgeholt – wir sind in Sachen Übergewicht immerhin schon Nummer 1 in Europa! Rund 67 Prozent der erwachsenen Männer und 53 Prozent der Frauen sind zu dick oder sogar adipös, haben also einen Body-Mass-Index (BMI) über 25. Ein fragwürdiger Rekord…

Dass falsche Ernährung, vor allem der übermäßige Konsum von tierischem Eiweiß, die Hauptursache für etliche Volkskrankheiten darstellt, zeigt die 96-minütige Dokumentation „Gabel Statt Skalpell“ …, die sich in den USA innerhalb von 10 Monaten über 200.000 mal verkauft hat.“

Fast vegan drei bis fünf Kilo mehr

Ja, ja, ich bin selber durchaus überzeugt, dass eine möglichst weitgehend pflanzliche Ernährung viel gesünder ist und leugne auch nicht, dass Menschen damit abgenommen haben. ABER: „pflanzlich“ alleine ist definitiv KEIN Garant fürs Abnehmen!!! Dass man auch mit einer eher Fleisch-Fisch-Salat-lastigen Ernährung bei deutlicher Minderung der Kohlehydrate erfolgreich abnehmen kann, haben einerseits viele einschlägige „Diät-Surfer“ vorgemacht. Andrerseits machen Umsteller auf pflanzliche Ernährung durchaus die Erfahrung, dass man „vegan“ locker zunehmen kann!

Seit dem Sommer 2010, als ich aus dem Fleischverzehr ausgestiegen bin, hab ich drei bis fünf Kilo zugenommen. Daran hat auch der weitgehende Verzicht auf Milchprodukte nichts geändert, den ich mir so nach und nach mittels des Wechsels auf Sojaprodukte angewöhnt habe. Ein lieber Freund, der – auch aufgrund der Inspiration durch mich – diesen Weg mit gegangen ist, beklagt ebenfalle ein paar Pfunde mehr.

Ich KLAGE NICHT und will trotz BMI 29 nicht dringlich abnehmen. So lange ich mich wohl fühle, ist meine „Gewichtigkeit“ für mich kein Grund zum Jammern! Trotzdem möchte ich dem Mythos vom veganen Abnehmen widersprechen! Es kommt auch dabei darauf an, WAS man isst. Auch Pflanzenfett macht fett, da beisst die Maus keinen Faden ab!

Wie kommen die Kilos drauf?

Ganz einfach: seit ich umstelle, koche ich viel mehr selber und teste viele Nahrungsmittel und Gerichte, die ich früher nicht oder nur selten gegessen habe. Mit an sich kalorienärmeren Fleisch-Alternativen koche ich klassische Fleisch-Gerichte und spare dabei nicht mit Pflanzenfett, das als Geschmacksträger ungemein gut funktioniert -und von Seitan und Soja-„Fleisch“ gut aufgesogen wird.

Statt bloß Nudeln und Kartoffeln als übliche Beilage zu verwenden, esse ich mehr Getreide: Polenta, Griessuppe, Falafel, Bratlinge & Co. sind nicht gerade Schlankmacher. Erst recht nicht, wenn das Gemüse dazu ebenfalls in Olivenöl gebraten und mit einer tollen Soße daher kommt. Hülsenfrüchte sind zwar in gekochtem Zustand keine Kalorienbomben, aber wer isst die schon einfach so? Nein, auch die schwenke ich natürlich in der Pfanne, würze sie und gebe ordentlich „hochwertiges pflanzliches Öl“ dazu. Zucchini und Auberginen in Scheiben gebraten auf Brot schätze ich als Imbiss, und gemäß diverser Empfehlungen hab ich „Nüsse und Sämereien“, sowie Trockenfrüchte in meinen Speiseplan aufgenommen.

Zum Glück backe ich nicht auch noch selber Kuchen, wohl aber gibts ab und zu Pfannkuchen als Süßspeise. Und süße Früchte der Saison hab‘ ich heute auch oft da.

Alles in allem wundert es also nicht, dass ich, obwohl „fast vegan“, deutlich zugenommen habe. Natürlich könnte ich dem entgegen steuern: weniger Fett auf allen Ebenen, weniger Soßen, mehr bloß gedämpftes oder rohes Gemüse, mehr Salat. (Ich hab‘ mir grade immerhin einen Dämpfeinsatz bestellt, denn noch mehr will ich nicht zulegen! :-))

Dass mir das „andere Essen“ richtig gut schmeckt, war und ist mir jedoch wichtiger als mein Gewicht. Einen Umstieg mit andauernden Verzichtsgefühlen hätte ich nicht lange durchgehalten, Ethik hin, Ethik her. Und ganz gewiss wäre ich nicht zufrieden mit einer „mager-veganen“ Ernährung, wie sie jene betreiben, die z.B. aus dem Bereich der Essstörungen zum veganen Essen kommen. Erst recht nicht mir „roh-vegan“!

Autor: Claudia Klinger

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