Unverbissen vegetarisch

…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!

Veganer Käse – ein ambivalenter Genuss (mit Gastbeitrag)

Kürzlich besuchte mich Arnd, ein lieber Freund und Stammleser. Da der vegane Supermarkt VEGANZ ganz in meiner Nähe liegt, ging er gleich mal dort vorbei und kaufte dort einen sehr „original“ aussehenden „Wilmersdorfer Block Cheddar Style“. Ich durfte probieren und fand ihn recht gut, insgesamt ziemlich stimmig, mit kleinen Abstrichen. Cheddar hatte ja mal zu meinen Lieblingskäsen gehört, sogar noch in der Scheibletten-Version.

Tage später erhielt ich nun von meinem Besuch den folgenden Erfahrungsbericht über den „Cheddar Style“, den ich hier nun veröffentliche – danke Arnd!

Gastbeitrag: Vegan ist nicht gleich bio.

Daran wurde ich gerade erinnert, als ich die Zutatenliste des veganen Nichtkäses Marke »Wilmersdorfer Block Cheddar-Style« durchlas.

Wilmersburger Block Cheddar Style - Zutaten

Lebensmitteltechnisch zweifellos eine bemerkenswerte Leistung. Wer nicht gerade Käse-Gourmet ist, dürfte das Produkt durchaus für Käse halten – auch wenn die Verpackung das K-Wort lebensmittelrechtlich korrekt vermeidet und sicherheitshalber noch »Style« hinzufügt – so wie der Hinweis »Typ Orange« auf einer Getränketüte stets klarstellt, dass keine Orangen drin sind.

In Wirklichkeit ist es nichts anderes als der berüchtigte Analogkäse, der vor einiger Zeit als Skandalthema diente, neben Formvorderfleisch und anderen Unappetitlichkeiten. Nur mit dem Unterschied, daß hier keinerlei tierische Zutaten verarbeitet wurden – nur pflanzliche und: künstliche.

Im Bioladen dürfte dergleichen vermutlich gar nicht verkauft werden, da es schwerlich den Bio-Standards entspricht. Dumm, denn die Zielgruppe dürfte sich weitgehend überschneiden. Auch das »Veganz« ist somit durchaus kein Bioladen, auch wenn der Laden (und die Kund*_Innen) auf den ersten Blick genauso aussehen.

Und da prallen Welten aufeinander: Um veganen »Käse« zu haben, werden Methoden der Lebensmittelindustrie, die sonst als anrüchig gelten, plötzlich ethisch geadelt. Schmecken tut mir der »Käse« schon. Wenn ich nicht über die Zutaten nachdenke. Es ist eben ein reines Nachahmerprodukt, die künstliche Nachbildung einer nicht veganen Vorlage.

Seine Konsistenz verdankt der Wilmersdorfer Stabilisatoren, seine Farbe Farbstoffen, seinen Geschmack allein zugesetzten Aromen. Giftig ist nichts von alledem. Aber es »schmeckt« unsportlich – gemogelt. Der rechte Appetit stellt sich nicht ein, egal wie gut das Original getroffen wurde.

Als Brotaufstrich esse ich Käse eigentlich nur aus Gewohnheit und Mangel an bezahlbaren Alternativen. Pflanzliche Aufstriche ziehe ich vor. Bliebe die für mich persönlich nicht zu unterschätzende Pizza-Frage. Nun ja, dort könnte ich mit dem »Wilmersdorfer« schon anfreunden. Ich muß sie meinen Freunden ja nicht als »bio« anbieten.

Arnd Fricke 24.10.13

Wie es mir mit veganem Käse ergeht

Bevor Arnd seinen Text schickte, hatte ich eigentlich noch vor, ein Loblied auf diesen analogen „Käse“-Block zu verfassen. Doch hatte ich ja nur ein kleines Stück probiert, also kaufte ich mir erstmal noch selber eine Packung. Und siehe da: Beim zweiten Test schnitt er nicht mehr so gut ab, zumindest nicht kalt. Wie viele ähnliche Pseudo-Käse hat er einen künstlichen, irgendwie plastik-haften Neben- bzw. Nachgeschmack, der den Eindruck „normaler Käse“ durchaus stört. Auf „überbackenem Käsebrot“ (und gewiss auch auf Pizza) hält er sich besser, wobei dann das mangelnde Verlaufen auffällt, was aber nicht schlimm ist, wenn der Geschmack stimmt.

Bio? Mir war immer schon klar, dass ein veganer „Käse“ weder vollwertig noch „bio“ sein kann. Dennoch haben diese Produkte ihre Berechtigung, erleichern sie doch vielen Menschen den Umstieg auf pflanzliche Ernährung. Auch mir ist der Verzicht auf Fleisch leichter gefallen als der auf Käse, den ich noch viele Monate konsumierte – bis mich die „veganen Schnupperwochen“ motivierten, auch meinen Milchprodukte-Konsum abzubauen (immer mit dem Vorbehalt: es darf „unverbissene“ Ausnahmen geben).

Die Suche nach dem stimmigen Käse-Ersatz hat mich seitdem immer wieder mal umgetrieben, jedoch mit abnehmender Tendenz. Viele Sorten hab ich ausprobiert, einige richtig schrecklich gefunden und selten eine Sorte zweimal gekauft. Im Lauf der Zeit änderte sich aber zum Glück mein Verlangen: ich war und bin nicht mehr so wild auf Käse wie früher. Zum Brot esse ich heute verstärkt eingelegtes Gemüse (vor allem Artischocken und getrocknete Tomaten in Öl), das befriedigt durch den intensiven Geschmack und das gewürzte Öl ähnlich gut wie früher Käse. Champignons brate ich gerne mal schnell mit Zwiebeln an – auch ein toller Brotbelag! Und sogar Grüner Tee eignet sich, allerdings nur bestimmte Sorten.

Die kleinen runden Töpfchen mit vegetarischen Aufstrichen sind mir zu teuer und geschmacklich hauen sie mich auch nicht vom Hocker. Zudem sieht die Zutatenliste da ebenfalls nicht so toll aus, das Zeug muss ja lange haltbar gemacht werden. Was bei größeren Mengen im Glas dann scheinbar nicht gelingt: des öfteren ist mir so ein gar nicht billiger Aufstrich im Kühlschrank schnell verschimmelt.

So bleibe ich also beim Gemüse, gönne mir daneben in großen Abständen einen No Muh-Käse (sehr rezent und ohne den „Plastikgeschmack“) – und ab und an gibts auch mal eine aushäusige Ausnahme, wenn ich bei einem lieben Freund ein Stück absolut unkopierbaren Romadur mitesse.

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Autor: Claudia Klinger

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